Kabarett mit Mathias Tretter
„Die Helden sitzen an der Supermarktkasse“

Sendenhorst -

Einen kurzweiligen Kabarettabend erlebten die Gäste im Sendenhorster Haus Siekmann. Nach der Premiere seines neuen Programms „Sittenstrolch“ im bayrischen Bockshorn durfte Fördervereinsvorsitzender Jürgen Krass am Freitagabend Mathias Tretter begrüßen.

Sonntag, 11.10.2020, 22:05 Uhr
Scharfsinniger Sprachanalytiker: Mathias Tretter klärte seine Zuschauer über Irrungen und Wirrungen der Gegenwart auf.
Scharfsinniger Sprachanalytiker: Mathias Tretter klärte seine Zuschauer über Irrungen und Wirrungen der Gegenwart auf. Foto: Angelika Knöpker

Glück gehabt! Nach der Premiere seines neuen Programms „Sittenstrolch“ im bayrischen Bockshorn am vergangenen Sonntag und fünf Auftritt-Absagen in München für die kommenden Tage durfte Jürgen Krass am Freitagabend im Haus Siekmann Mathias Tretter begrüßen. „Er gehört zu den besten Kabarettisten“, schwärmte der Vorsitzende des Fördervereins und hatte am Nachmittag schon eine Kostprobe seines Könnens per Radio bekommen.

Wegen „Comedia“ trug der als scharfsinniger Sprachanalytiker bekannte Würzburger anfangs eine Maske aus der Zeit der Renaissance, nur der Mund blieb unbedeckt. „Auch damals hat es eine Seuche gegeben, die Pest, die mit karnevalistischem Treiben kompensiert wurde“, spöttelte er. „Der Narr ist der König und umgekehrt“, schlug er den Bogen zum amerikanischen Präsidenten. China und die USA seien die Mächte, die das politische Weltgeschehen beherrschen, wobei China deutlich auf der Überholspur sei. „Sie leben in der Zukunft, wir in der Vergangenheit. Die Chinesen waren 50 Jahre hinterher, jetzt sind sie 20 Jahre voraus“, machte er deutlich. Mit einer Milliarde Überwachungskameras sei das Land Spitzenreiter bei der Kontrolle seiner Bevölkerung.

Im imaginären Zwiegespräch mit seinem Freund Ansgar, einem Uni-Hausmeister, erfährt das Publikum von der Beziehung des ewigen Studenten zu einer erfolgreichen chinesischen Pianistin. Nach nur zwei Treffen möchte er Cheng Lee heiraten. Diese Absicht bringt Mathias Tretter zu einem Exkurs über Datingportale. „Die Software geht auf Brautschau“, kommentierte er die durch Algorithmen gesteuerte Partnerwahl. „Alle elf Minuten verliebt sich ein Single, nach elf Monaten lässt er sich wieder scheiden.“ Daraus folgerte er: „Programmierer können die Software schreiben, aber im Bett zählt die Hardware.“ Paare von heute wollen keinen Sex, sondern nur noch Kaffee trinken? Wie er darauf kommt? „Das beweist der enorme Zulauf von großen Kaffeehaus-Ketten“, witzelt er.

Noch vor dem Kennenlernen erfolge die Paartherapie, man wolle schließlich vorbereitet sein auf das Leben zu zweit. „Die Leute optimieren ihren Körper durch Extrem-Diäten und übertriebenen Sport, Wehleidigkeit tritt anstelle der Würde“, spöttelt der mit vielen Kleinkunstpreisen ausgezeichnete Künstler.

Dabei sollten wir froh sein, seit vier Generationen keinen Krieg mehr zu haben. „Die Helden sitzen heute an der Supermarktkasse und werden auf dem Nachhauseweg beklatscht“, zog er einen Vergleich. Sein Kabarett-Programm kam bei den Sendenhorstern an, wie der lang anhaltende Beifall bewies.

Als nächste Veranstaltung des Fördervereins Haus Siekmann kündigte Jürgen Krass ein Konzert mit Jule Malischke (Gesang und Gitarre) und Stephan Bormann (Gitarre) an. Der Musikabend findet am Sonntag, 1.November, um 17 Uhr statt. Kartenreservierungen sind unter  0 25 26 / 95 05 64 möglich.

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