Berthold Streffing ist nicht mehr Bürgermeister
Der letzte Arbeitstag im Rathaus

Sendenhorst/Albersloh. -

16 Jahre war Berthold Streffing Bürgermeister der Stadt Sendenhorst. Am Freitag war sein letzter Arbeitstag. Im Gespräch mit der Redaktion erzählt er von Höhepunkten und besonderen Herausforderungen, die das Amt für ihn mitgebracht haben. Und davon, was er nun vorhat.

Freitag, 30.10.2020, 15:06 Uhr aktualisiert: 30.10.2020, 16:50 Uhr
Den Schreibtisch aufräumen – das stand unter anderem am letzten Arbeitstag an.
Den Schreibtisch aufräumen – das stand unter anderem am letzten Arbeitstag an. Foto: Annette Metz

Am Freitag war sein letzter Arbeitstag als Bürgermeister der Stadt. 16 Jahre hat Berthold Streffing das Amt mit Leidenschaft ausgefüllt. „Die Zeit war sehr schön, aber auch sehr anstrengend. Ich habe dabei auch viel gelernt“, sagt Streffing im Gespräch mit dieser Zeitung. Nicht alles, was er sich vorgenommen hat, ist am Ende fertig geworden. Gewünscht hätte er sich zum Beispiel eine schnelle Weiterentwicklung der Innenstadt, „damit das bei den Bürgern nicht verpufft“. Beim Projekt „Bürgerhalle“ sei es wichtig, dass mit einer Machbarkeitsstudie verlässliche Daten vorliegen, auf deren Basis dann mit allen Beteiligten diskutiert werden kann.

Ich bin völlig zuversichtlich, dass das gut laufen wird.

Berthold Streffing über die Arbeit einer Nachfolgerin Katrin Reuscher

Die Übergabe an seine Nachfolgerin Katrin Reuscher ist erfolgt. Die beiden haben viel miteinander gesprochen über das, was in nächster Zeit und grundsätzlich anliegt. „Ich bin völlig zuversichtlich, dass das gut laufen wird“, sagt Streffing. Zudem stehe weiter sein Angebot, dass die neue Rathauschefin ihn bei Fragen jederzeit anrufen könne.

Streffing hat sein Büro im Rathaus freiwillig verlassen. Bereits im vergangenen Jahre hatte er beschlossen, bei der Kommunalwahl im September nicht noch einmal zu kandidieren. „Ich habe diese Entscheidung bewusst getroffen“, sagt Streffing. Nicht, weil es im Rathaus oder mit der Politik zu viele Spannungen gegeben habe – im Gegenteil. „Das war eine verlässliche und vertrauensvolle Partnerschaft.“ Das sei ein großes Pfund in Sendenhorst und auch „eine gute Basis für meine Nachfolgerin“.

Lehraufträge beim Studieninstitut

Berthold Streffing geht nicht „in Rente“. Beim Studieninstitut in Münster hat er zwei Lehraufträge für zwei Tage in der Woche in den Bereichen kommunales Verfassungsrecht und Finanzrecht angenommen. Dort werden junge Verwaltungsmitarbeiter ausgebildet. Streffing hat in den Jahren 1999 bis 2004 bereits dort unterrichtet. Nebenbei macht er das bereits seit einigen Wochen, und das unter für ihn ungewohnten Corona-Bedingungen. Denn die Hälfte der Klasse zeigte Präsenz, die anderen zwölf Schüler waren digital zugeschaltet. „Ich muss also in die Klasse und in die Kamera schauen“, erklärt der Sendenhorster. „Man muss für alles Lösungen finden“, fügt er an.

Ich habe höchsten Respekt vor diesem Thema.

Berthold Streffing über Corona

Corona hat ihn auch in den letzten Monaten seiner 16 Jahre als Bürgermeister intensiv begleitet. Gemeinsam mit Wolfgang Huth, der im Rathaus unter anderem für die öffentliche Ordnung zuständig ist, hatte Streffing die Krise dort zu managen, wo die Stadt zuständig ist. „Ich habe höchsten Respekt vor diesem Thema“, ist er davon überzeugt, dass es weiter Einschränkungen geben wird, bis es einen Impfstoff gebe. In Bezug auf die Absage von Veranstaltungen und Feiern habe es in den vergangenen Monaten „viele gute Gespräche“ zum Beispiel mit den Vereinen gegeben. Seine Nachfolgerin, so sei es vereinbart, werde sich ebenfalls intensiv um das Thema Corona kümmern.

Die Reihe der Portraits mit ehemaligen Sendenhorster Bürgermeistern wird bald auch durch eine Aufnahme von Berthold Streffing erweitert.

Die Reihe der Portraits mit ehemaligen Sendenhorster Bürgermeistern wird bald auch durch eine Aufnahme von Berthold Streffing erweitert. Foto: Annette Metz

Wenn der neue Rat in der kommenden Woche konstituiert ist, wird er in der Folge auch darüber entscheiden, ob Berthold Streffing neben Klaus Neuhaus zweiter Geschäftsführer der Grundstücksgesellschaft Sendenhorst werden soll, die eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der Stadt ist. Zunächst jedoch solle diese Gesellschaft weiterentwickelt werden, deren Mit-Geschäftsführer Streffing bereits als Kämmerer der Stadt war, bevor er zum Bürgermeister gewählt wurde. Dass die Gesellschaft auch nach der Vermarktung des Kohkamps in Albersloh weiterarbeiten soll, habe die Politik bereits grundsätzlich entschieden. Die Grundstücksgesellschaft solle in ihrer Rechtsform eigenständiger und effizienter werden, auch wenn grundsätzliche Entscheidungen zur Entwicklung von Bauland und Gewerbeflächen natürlich weiter vom Rat der Stadt zu treffen seien. Dass die Gesellschaft wieder einen zweiten Geschäftsführer brauche, sei in der Politik unbestritten.

Engagement für Glasfaserausbau

Eines der wichtigsten Themen der vergangenen Jahre war für den Bürgermeister der Glasfaserausbau, der in Albersloh geglückt sei, und in Teilen von Sendenhorst sowie in den Außenbereichen nun anstehe. Gerade die Corona-Krise zeige, wie wichtig ein leistungsstarkes Netz für alle sei. „Schade“ findet Streffing, dass der Ausbau bislang nicht für ganz Sendenhorst beauftragt werden konnte.

Zukunftsthemen Umwelt und Mobilität

Als wichtigeste Themen für die nahe Zukunft sieht der Sendenhorster die Bereiche Umwelt, Nachhaltigkeit und Mobilität. Deshalb sei es sinnvoll, wenn es künftig einen neuen Ausschuss des Rates für Umwelt und Mobilität gebe würde. Die Entwicklung eines Mobilitätskonzepts sei zum Beispiel ein großes Thema. Die große Resonanz der Bürger auf die jüngste Berichterstattung dieser Redaktion über die Arbeit des städtischen Klimaschutzmanagers zeige, wie wichtig den Menschen in der Stadt diese Themen seien.

Dass bei der Reaktivierung der WLE für den Personenverkehr – wie berichtet – viel Arbeit wartet, sei allen Beteiligten bewusst. „Die WLE ist ein großes Thema. Wichtig ist, dass es jetzt losgeht“, meint Streffing. In diesem Zusammenhang seien weitere große Aufgaben zu lösen – wie etwa die, wo die Feuerwehr künftig ihren Standort haben soll.

Als großen Erfolg in seiner Amtszeit sieht Streffing die zahlreichen Bürgerradwege, die in Sendenhorst angelegt wurden. Oft sei er als Bürgermeister bei Gesprächen persönlich beteiligt gewesen.

Bildung und der Bereich Soziales waren für ihn wichtige Arbeitsbereiche – und sie werden es aus seiner Sicht auch künftig sein.

Die Stadtgesellschaft hat zusammengehalten. Wir schaffen das: Das ist hier gelungen.

Berthold Streffing zur Aufnahme der Flüchtlinge

Stolz ist er darauf, wie die Sendenhorster und Albersloher die notwendige Aufnahme vieler Flüchtlinge vor allem in den Jahren 2015 und 2016 bewältigt haben. Die Kommune selbst sei mit der dezentralen Unterbringung gut gefahren. Die Unterstützung vieler Vereine und Organisationen sei vorbildlich gewesen. „Die Stadtgesellschaft hat zusammengehalten“, lobt Streffing die Bürger. „Wir schaffen das: Das ist hier gelungen“, nimmt er Bezug auf einen Ausspruch von Kanzlerin Angela Merkel.

Einsatz für gute eine Bildung

Dass in Sendenhorst nun auch ein Abitur als Schulabschluss möglich ist, war für ihn ein weiterer wichtige Meilenstein während seiner Amtszeit. Für die Entwicklung an der Montessori-Gesamtschule, in die viel investiert worden sei, habe er sich oft auch persönlich eingesetzt. Wichtig sei nun für die Weiterentwicklung, dass ein Beirat, besetzt mit politischen Vertretern, eingerichtet werde, der zwar nicht mitentscheide, aber den (regelmäßigen) Informationsfluss in beide Richtungen optimiere. Denn: „Die Schule soll sich irgendwann etabliert haben.“

Zieht Bilanz kurz vor seinem letzten Tag im Amt, aus dem er sich aus eigenen Stücken verabschiedet hat.

Zieht Bilanz kurz vor seinem letzten Tag im Amt, aus dem er sich aus eigenen Stücken verabschiedet hat. Foto: Annette Metz

Das ist die Realschule St. Martin, die von der Stadt unterstützt wird, schon lange. Auch dort stünden mit der notwendigen Sanierung große Aufgaben an. „In den kommenden Jahren stehen dazu harte und lange Diskussionen an“, vermutet Streffing. Dabei sei auch klar, dass „niemand überfordert“ werden dürfe.

 

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