Kanalsanierung durch „Schlauchlining“-Verfahren
„Der kluge Mann baut vor“

Albersloh -

Wie können Abwasserrohre sinnhaft, kostengünstig und zeitlich effizient saniert werden? Bei der Suche auf die Antwort nach dieser Frage ist der Leiter des städtischen Abwasserbetriebes, Klaus Neuhaus auf das sogenannte „Schlauchlining“-Verfahren gestoßen, das sich für die Sanierung bis zu einem gewissen Schadensgrad eignet.

Donnerstag, 19.11.2020, 14:22 Uhr aktualisiert: 19.11.2020, 19:50 Uhr
Olaf Eschenbach (Rainer Kiel Kanalsanierung GmbH), Hermann Himmelmann (Planungsbüro Gnegel), Klaus Neuhaus (Betriebsleiter Abwasserwerk) und Bürgermeisterin Katrin Reuscher (v.l.) beobachten die Arbeiten im Abwasserkanal am Rohrlandweg.
Olaf Eschenbach (Rainer Kiel Kanalsanierung GmbH), Hermann Himmelmann (Planungsbüro Gnegel), Klaus Neuhaus (Betriebsleiter Abwasserwerk) und Bürgermeisterin Katrin Reuscher (v.l.) beobachten die Arbeiten im Abwasserkanal am Rohrlandweg. Foto: Metz

„Der kluge Mann baut vor“, meinte einst schon Friedrich Schiller . Ähnlich sehen es auch die für das Abwasserwesen in Sendenhorst und Albersloh Verantwortlichen. „Wir haben vor einiger Zeit mit dem Planungsbüro Gnegel zusammen eine Bestandsaufnahme den Zustand von Abwasserrohren betreffend durchgeführt und überlegt, was sinnhaft, kostengünstig und zeitlich effizient saniert werden kann“, berichtet der Leiter des städtischen Abwasserbetriebes, Klaus Neuhaus . Für die Bereiche Birkenallee/Im Breil und Rohrlandweg bot sich dabei das sogenannte „Schlauchlining“-Verfahren an. Dabei wird das bestehende Rohr von innen mit einem zweiten, stabilen Rohr versehen, das das bestehende Rohr auskleidet und es statisch verbessert – und das, bevor zu große Schäden entstehen, die es notwendig machen, dass ganze Straßenzüge aufgerissen werden müssen.

Auf den kleinen Fotos ist der Unterschied zwischen alten, aufgerauten Kanalwänden mit einem nicht abgedichteten Hausanschluss...

Auf den kleinen Fotos ist der Unterschied zwischen alten, aufgerauten Kanalwänden mit einem nicht abgedichteten Hausanschluss... Foto: Büro Gnegel

Die Arbeiten im Bereich Birkenallee sind schon abgeschlossen. Derzeit widmet sich die Firma Rainer Kiel Abschnitt für Abschnitt dem Rohrlandweg. 450 Meter Kanal mit 25 Zentimeter Durchmesser werden dort mit dem Rohr-in-Rohr-Verfahren saniert. „Die Überprüfung hat hier Risse gezeigt, oder Hausanschlüsse ragten nicht abgedichtet in den Kanal“, beschreibt Hermann Himmelmann von Planungsbüro Gnegel die Schäden. Und bevor größere Schäden entstehen, die nur noch mit einer großen Tiefbaumaßnahme beseitigt werden können, weil Teile des Rohres beispielsweise gebrochen sind, ist das Team der Fachfirma um Niederlassungsleiter Olaf Eschenbach gefragt.

und einem glatten Anschluss ins neu eingezogene Rohr zu erkennen

und einem glatten Anschluss ins neu eingezogene Rohr zu erkennen Foto: Büro Gnegel

Zunächst wurden die Rohre, die aus dem Jahr 1965 stammen und der Zeit entsprechend je nach Durchmesser aus Steinzeug oder Beton bestehen, gereinigt und mit einem Roboter vermessen. „Der Roboter vermisst beispielsweise genau die Stellen, an denen in einem späteren Schritt dann die Hausabflüsse wieder angeschlossen werden müssen“, erklärt Eschenbach.

In den kommenden 100 Jahren muss man sich über die so sanierten Rohre keine Sorgen mehr machen.

Olaf Eschenbach

Dann wird ein Schlauch eingezogen, der sehr flexibel ist. Kaum ein Laie würde ihm zutrauen, dass er nach Abschluss der Maßnahme mit seiner Wandstärke von vier Millimetern so stabil ist, dass sogar ein Auto darüber fahren kann. Der Schlauch wird also in den Rohrabschnitt eingezogen und per Druckluft so aufgebläht, dass er das bestehende Rohr von innen auskleidet. Danach wird das Material durch einen Lampenzug mit UV-Licht ausgehärtet. „Es handelt sich bei diesem Schlauchmaterial um ein Abfallprodukt aus dem Flugzeugbau“, erklärt Olaf Eschenbach, dass es sich um eine glasfaserverstärkte Kunststoff-Komponente handelt, aus dem Flügel des A 380 geformt werden.

Danach kommt der Fräßroboter wieder zum Einsatz, der an den zuvor ausgemessenen Stellen im Rohr die Öffnungen für die Hausanschlüsse herstellt.

Es handelt sich um ein erprobtes Verfahren, erklärt Eschenbach. Rohre bis zu 1,6 Meter Durchmesser könnten mittels dieses Verfahrens saniert werden. Im Jahr 2019 habe das Unternehmen deutschlandweit 50 Kilometer Abwasserrohre auf diese Weise saniert. „In den kommenden 100 Jahren muss man sich über die so sanierten Rohre keine Sorgen mehr machen“, so Eschenbach.

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