28 Jahre Freundeskreis Nyang’oma/Kenia
In Kenia gibt’s jede Menge Arbeit

Sendenhorst -

Knapp 28 Jahre ist es her, da war der Sendenhorster Ulrich Tiedeken einer der Mitbegründer des Freundeskreises Nyang’oma/Kenia. In dieser Zeit hat sich viel getan in der Mission, und es gibt immer wieder neue Projekte. Tiedeken und sein Nachfolger Rolf Nettebrock erzählen.

Montag, 28.12.2020, 06:11 Uhr aktualisiert: 28.12.2020, 06:20 Uhr
Auf dem Schulhof freuen sich die Kinder über den Besuch aus Deutschland
Auf dem Schulhof freuen sich die Kinder über den Besuch aus Deutschland Foto: privat

Knapp 28 Jahre ist es her, da war der Sendenhorster Ulrich Tiedeken einer der Mitbegründer des Freundeskreises Nyang’oma/Kenia. Der Verein hat mittlerweile rund 100 Mitglieder und konzentriert sich auf die Mission in Nyang’oma. Alle arbeiten ehrenamtlich und fast familiär zusammen. Die Finanzierung erfolgt ausschließlich aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden. Somit sind die Aktiven unabhängig in ihren Entscheidungen.

An die Anfänge erinnert sich Ulrich Tiedeken noch ganz genau. „Unter der Leitung von Dieter Müller war auf der ‚Catholic Mission‘ in Nyang’oma ein Arbeitseinsatz für den Februar 1992 geplant. Ich hatte die Möglichkeit, mit weiteren ehemaligen Entwicklungshelfern dort tätig zu werden. Nach unserer Ankunft in Kisumu in Kenia wurden wir von dem Gründer und Leiter der Mission, dem niederländischen Missionar Father Jan van den Ouderaa, am Flughafen abgeholt. Am nächsten Tag hatten wir die Gelegenheit, am Gottesdienst in der Missionskirche teilzunehmen.“

Bereits am Montag darauf musste Father Ouderaa wegen einer Krebserkrankung in das Hospital nach Kisumu gebracht werden. Wenige Tage später und nach einem Aufenthalt im Nairobi-Hospital wurde er in die Niederlande geflogen, wo er kurz darauf verstarb.

Kontakte nach Europa abgeschnitten

Bei dem Nachtreffen zu diesem Arbeitseinsatz im September 1992 in Münster haben die Teilnehmer sich Gedanken gemacht, was denn jetzt mit der Mission für gehörlose Kinder und Jugendliche geschehen soll, da die Kontakte der Mission in Afrika zu den Sponsoren in den Niederlanden und in Europa schlagartig abgeschnitten waren. „Alle Teilnehmer waren sich einig, dass das großartige Werk des Gründers weitergeführt werden muss“, erinnert sich Tiedeken. Gemeinsam mit der Kolpingsfamilie in Köln-Deutz und den Kolping-Jugendgemeinschaftsdiensten habe man sich entschlossen, durch die Gründung eines Freundeskreises und weitere Arbeitseinsätze die im Jahr 1960 gegründete Mission zu unterstützen.

Father Ouderaa hatte sich verstärkt für die Gehörlosen eingesetzt und die ersten Einrichtungen aufgebaut. Neben der Missionskirche im Mittelpunkt des Geländes waren von ihm noch weitere sehr wichtige Einrichtungen aufgebaut worden, unter anderem eine Grundschule für gehörlose Kinder, eine Ausbildungsstätte für gehörlose Jugendliche in fünf verschiedenen Berufen, eine Krankenstation, ein Kinder- und Waisenhaus, eine Internatsgrundschule für Mädchen, eine höhere Schule für Jungen in Internatsform, eine Grundschule für Mädchen und Jungen aus der Umgebung, Lehrerhäuser auf, vor und hinter dem Missionsgelände, ein Pastoral-Center für die Weiterbildung der Kommunionkinder, Firmlinge und Ehevorbereitung sowie Häuser für Witwen, die von zu Hause verstoßen worden waren.

Verbesserung der Lebenssituation

Diese Einrichtungen wollte der Freundeskreis unterstützen und ausbauen. Jährlich wurde von Deutschland aus ein Arbeitseinsatz gemeinsam mit den Kolping-Jugendgemeinschaftsdiensten organisiert. Bei diesen Einsätzen haben sich junge Menschen im Alter von 18 bis 26 Jahren für die Verbesserung der Lebenssituation vor Ort eingesetzt.

Die vorausgehende Organisation dieser Aufenthalte war aufwendig. „Bereits nach drei Jahren haben wir mit den Leitungen der verschiedenen Einrichtungen vereinbart, dass wir nur Projekte fördern, die gemeinsam abgestimmt sind und uns zur Unterstützung vorgelegt werden. Das hat sich bis heute bewährt, und wir können uns schon vor der Anreise auf die Aufgaben einstellen. Das bedeutet, dass wir schon bei der Planung versuchen, entsprechende Fachleute anzusprechen, deren Hilfe wir vor Ort benötigen“, erzählt Tiedeken. Nach nun 28 Jahren freut es ihn wohl mit am meisten, dass immer noch großes Interesse an einer Mithilfe von Erwachsenen bei den Einsätzen besteht. „Dass wir nicht zur Hilfe auf der Mission auffordern, sondern auch noch einen dreiwöchigen Aufenthalt anbieten, um die Schönheiten der kenianischen Tierwelt und Landschaft bei einer Safari kennenzulernen“, sieht Tiedeken auch als weiteren Grund für das große Interesse an.

Alle Teilnehmer waren sich einig, dass das großartige Werk des Gründers weitergeführt werden muss.

Ulrich Tiedeken

Gerne erinnert er an einen Arbeitseinsatz mit zehn Jugendlichen im Jahr 1994. „Wir haben die Lehrerhäuser an die Wasserversorgung angeschlossen. In den drei Wochen wurden 600 Meter Wasserrohre verlegt und unter der Mithilfe einiger Studenten der damaligen Technical School 3600 Gewinde geschnitten. Das war einfach grandios.“

In diesem Jahr hat Tiedeken die Leitung des Freundeskreises an Rolf Nettebrock abgegeben. „Die Arbeit als Vorsitzender hat mir immer viel Freude bereitet – auch wenn es oft schwierig war, für die einzelnen Projekte das notwendige Geld zu bekommen. Aber hier möchte ich ausdrücklich noch einmal den vielen Unterstützern und Sponsoren aus Sendenhorst und den anderen Orten danken.“ Während seiner Amtszeit seien Projekte mit einem Gesamtvolumen von 790 000 Euro verwirklicht worden.

Rolf Nettebrock freut sich auf die Arbeit. „Es ist eine tolle Aufgabe, die ich übernommen habe. Wir können denjenigen helfen, die ohne Unterstützung kaum eine Chance auf Bildung haben. Ich muss zugeben, ich war sehr neugierig, als ich 2018 nach Kenia flog. So genau wusste ich nicht, was mich erwartet. Als uns bei der Ankunft die ersten neugierigen Kinder begrüßt haben, war ich sofort ,verliebt’.“ In der Mission herrsche eine tolle, friedliche und freundliche Atmosphäre.

Ein schweres Erbe angetreten

Das zu betreuende Projekt war der Bau eines neuen Spielplatzes an der Nursery-School, der Vorschule in der Mission. Aber es sei immer genug Zeit geblieben, die anderen Einrichtungen zu besuchen. „Ich kann sagen, Nyang’oma hat mich von der ersten Sekunde an gepackt“, so der neue Vorsitzende.

Aufgrund der Corona-Pandemie hat Nettebrock aber sicher auch ein sehr schweres Erbe angetreten. Arbeitseinsätze sind nicht zu organisieren. „Wir hatten einen Aufenthalt für Juli 2020 geplant, diesen dann auf Oktober verschoben und hoffen nun, im nächsten Jahr wieder vor Ort sein zu können. Ob dies funktioniert, kann im Moment niemand sicher sagen“, meint Nettebrock. Die Lage in Kenia sei im Moment allgemein sehr schwierig. Parallel zu den Folgen der Corona-Pandemie treffen die Menschen die noch immer anhaltende Heuschreckenplage und eine Überschwemmung am Tana-River. Die Lebensmittelpreise sind explodiert.

Ich kann sagen, Nyang’oma hat mich von der ersten Sekunde an gepackt.

Rolf Nettebrock

Bei den nächsten Reisen sollen Schlafräume renoviert, ein neuer Wassertank eingebaut, neue Schulbänke und eine neue Küche gebaut werden. Moderne Kirchenbänke für die Herz-Jesu-Kirche, neue Sanitäranlagen und Schulbänke für die Vorschule stehen zudem auf der Liste. „Besonders liegt uns jedoch die defekte Solaranlage am Herzen. Geeignete Techniker sind in Kenia nicht zu finden“, erklärt Nettebrock. Im Verein gebe es aber zwei Experten, die die Instandsetzung vornehmen könnten und auch bereit seien, ihre Freizeit und das Geld für die Reise zu investieren. „Derzeit probieren sie im Kontakt mit zwei lokalen Elektrikern eine Ferndiagnose“, versucht Rolf Nettebrock, mit seinem Team auch spontan zu helfen. „Einiges können wir von hier unterstützen. Für die Besuche vor Ort bleibt uns leider nichts anderes, als uns in Geduld zu üben.“

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