Telgte
Die Kinder von der Straße holen

Freitag, 29.02.2008, 17:02 Uhr

Telgte . Wenn es in Iringa im Süden Tansanias regnet, verkommen die Straßen und Wege „zu einem einzigen Schlammloch “, sagt Ramona Hunzelmann . Und es regnet viel momentan in der 200 000-Einwohner-Stadt. Es ist Regenzeit. „Es gießt in Strömen“, erklärt die 20-Jährige, „jeden Tag mindestens einmal, und dann richtig.“

Iringa, 1900 von Deutschen während der Kolonialzeit gegründet, ist ein gebeutelter Ort. Die Armut prägt das Bild. Am Stadtrand hausen die Menschen in einfachen Lehmhütten mit Wellblechdächern ohne ausreichende Versorgung mit Nahrungsmitteln, Wasser und Strom. Malaria, Typhus und andere Infektionskrankheiten grassieren, am schlimmsten aber die unheilbare Immunschwäche Aids. Das HI-Virus nimmt vielen Kindern ihre Eltern. Weil die Verwandten oft nicht in der Lage sind, für die Waisenkinder aufzukommen, leben sie ohne Schulausbildung, Kleidung, Nahrungsmittel und medizinische Versorgung alleingelassen auf der Straße.

Das Projekt, in dem Ramona Hunzelmann gemeinsam mit fünf weiteren durch das Bistum Münster vermittelten Volunteers arbeitet, nimmt diese Kinder auf. Die 1843 gegründete Organisation „Pontifical Missionary Society – Holy Childhood“ baut seit 1997 in Zusammenarbeit mit dem Bischof der Diözese Iringa Waisenhäuser. Hauptanliegen ist es, den Kindern eine Schulbildung zu ermöglichen. Im Vordergrund steht das Erlernen von Sprachen. So unterrichtet die Abiturientin an der Grundschule „St. Dominic Savio Children’s Care Academy“ Französisch und Englisch.

In der zweiten Klasse ist das alles andere als einfach, weiß die Telgterin: „Nach einer Unterrichtsstunde bin ich geschafft. Die Kinder ruhig zu halten, ist richtig schwer.“ Dennoch macht ihr die Arbeit einen „Riesenspaß“, und die Fortschritte, die sie bei ihren Schülern sieht, machen sie „schon ein bisschen stolz“.

Hunzelmann und ihre Kollegen übernehmen zudem Arbeitsgemeinschaften und zusätzliche Projekte. Nur so können Fuß- und Volleyball- sowie Kunst- und Theatergruppen angeboten werden. Für die passionierte Volleyballspielerin war sofort klar, dass sie diese Sport-AG gründen würde. Im Sommer wird sich zeigen, ob das regelmäßige Training gefruchtet hat. Dann nämlich steht der Vergleich mit Teams jenseits der „Children`s Care Academy“ an. „Darauf freuen sich alle mächtig“, berichtet die Telgterin und fügt ehrgeizig hinzu: „Es gibt bis dahin noch viel zu tun.“

Ramona Hunzelmann wohnt gemeinsam mit Florian Tenk , ebenfalls einem Volunteer, der beliebten Hausmama sowie 13 Kindern und fünf Jugendlichen in einem Waisenhaus, das im Januar 2007 von der Diözese eröffnet wurde. Ihre Aufgabe ist es, gemeinsam mit Florian den Kindern ein familiäres Umfeld zu schaffen, mit ihnen zu spielen, sich ihrer Probleme und Sorgen anzunehmen und bei der Bewältigung des Alltags mitzuwirken. „Ein freundliches Umfeld wirkt sich positiv auf die schulischen Leistungen der Kinder aus“, weiß Hunzelmann. Die Volunteers versuchen daher, jedes Kind individuell zu betreuen und zu fördern, sodass es sich frei entfalten kann.

Die Vermittlung von Bildung steht an erster Stelle in den Waisenhäusern, denn „nur so haben sie eine Chance, sich nicht wieder dahin verabschieden zu müssen, woher man sie geholt hat: auf die Straße“. Doch nach wie vor fehlt es überall an Geld. Das Projekt ist auf Spenden angewiesen, um weitere Heime für die Waisen bauen zu können. Wer helfen will oder zusätzliche Informationen über das Projekt wünscht, wendet sich am besten an die Volunteers. Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit, eine Patenschaft für eines der Waisenkinder zu übernehmen.

|Fax: 02 55/26 70 27 72;

E-Mail: volunteers-

tanzania@web.de

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