Telgte
Peter Dräger hoch dekoriert

Freitag, 03.10.2008, 11:10 Uhr

Telgte . Es ist der höchste Auszeichnung, die der Bund westfälischer Karneval (BWK) zu vergeben hat. „In Würdigung und Anerkung der Verdienste“ erhielt nun auf dem Jahreskongress der Karnevalisten Peter „Pit“ Dräger den BWK-Verdienstorden in Gold und eine Urkunde überreicht. Der 75-jährige Telgter ist zwar vor einigen Jahres aus der Bütt ausgeschieden, ganz lassen konnte er aber sein Hobby nicht. „Ich bin noch bei Seminaren und Vorträgen aktiv“, schmunzelt Dräger, der für die Telgter Karnevalisten Schwarz-Gold und in ganz Westfalen in der närrischen Saison auf der Bühne stand.

„Ich hatte schon während meiner aktiven Zeit die Idee, dass man den Nachwuchs fördern müsse“, sagte Dräger. Doch irgendwie sei das beim BWK auf taube Ohren gestoßen. Erst vor zwei Jahren habe Manfred Gies vom Vorstand sich daran erinnert, dass der Emsstädter einen solchen Vorstoß unternommen hatte. „Willst Du das nicht machen?“, sei er gefragt worden. Drägers Antwort lautete Ja.

Inzwischen hat der 75-jährige aus Paderbon stammende Telgter mit karnevalistischen Nachwuchskräften vier Seminare durchgeführt, „wobei meine Bedingung war, dass keiner in dieser Zeit nach Hause fahren können durfte. Schließlich spricht es sich besser in Pantoffeln und einer Flasche in der Hand.“ Dräger versuchte den jungen Karnevalisten zu zeigen, was er in 50 Jahren aktiver Zeit erarbeitet hat. „Die jungen Leute haben es nämlich viel schwerer als meine Generation“, berichtete Dräger und stellte fest: „Wenn ich heute das auf der Bühne erzählen würde, was ich vor 50 Jahren erzählt habe, würde kein Mensch mehr lachen.“

Klar, an seinem Prinzip, auch das erläuterte er während seiner Seminartätigkeit, müsse sich nichts ändern. „Ich wollte Leute unterhalten und zwar mit dem, was sie hören wollen.“ Das gelte sicher auch heute noch, hat Dräger den jungen Büttrednern mit auf den Weg gegeben. „Wir Westfalen können mit großer Politik nichts machen, wie das in Mainz der Fall ist, weil das hier niemand hören will.“ Und er gab weitere Beispiele. „Juden haben eine große Witzkultur. Doch wenn ich deren Witze erzähle, werde ich in die antisemitische Ecke gestellt. Also lasse ich es bleiben.“

Immer wieder wurde Dräger vom Büttnachwuchs gefragt, ob er seine Büttreden frei halten würde. „Aber natürlich habe ich immer frei gesprochen“, hat er erzählt und beschrieben, wie aufwändig es war, eine perfekte Vorstellung zu geben. Witze suchen, sprechen lernen, sortieren, Übergänge zwischen Blöcken machen. „Und wenn alles stand, habe ich Spaziergänge gemacht und alles laut aufgesagt“, lacht er in Erinnerung mancher netten Begebenheit bei diesen Übungseinheiten. „Am Ende stand die Rede. Und ich habe mich nie versprochen.“

Dräger ist aber kein Lehrmeister, sondern rät dem Nachwuchs nur aus seiner Sicht. „Aber es muss der älteren Generation klar sein: Wer steht Gewehr bei Fuß und hat neue Ideen – die Jugend.“ Diese Ideen annehmen sei wichtig. „Es ist aber auch wichtig zu zeigen, dass es Brauchtum im Karneval gibt, das gepflegt werden muss. Es dürfe nämlich nicht so sein: „Ich wollte auf eine Sitzung und habe vier Wochen lang mit meiner Frau Schunkeln geübt, weil ich das als Aktiver ja nicht konnte. Dann war ich auf der Sitzung, und es wurde kein einziges Karnevalslied gesungen. Nur Playback, das ist auch albern.“

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