Telgte
Satteldach ein Muss

Mittwoch, 11.11.2009, 10:00 Uhr

Telgte - Es soll später mal homogen und qualitätvoll aussehen, zugleich aber sollen den Bauherren nicht allzu enge Fesseln angelegt werden. Diesen Spagat, so hoffte die Stadt, würde sie mit der Gestaltungssatzung für das Wohngebiet Telgte-Südost hinbekommen. Jetzt zeigt sich, dass das so offensichtlich nicht funktioniert. Ein Bauherr, der dort seinen Traum von den eigenen vier Wänden verwirklichen will, möchte gerne ein Gebäude mit Flachdach bauen. Das städtische Bauamt hat gesagt: „Okay, das geht“, das Kreisbauamt, das als Genehmigungsbehörde hier das letzte Wort hat, sagt: „Nein, so geht das nicht.“

Vorgeschrieben ist für das Wohngebiet ein Satteldach mit einer Neigung zwischen 35 und 42 Grad. Ausnahmen sind laut Gestaltungssatzung zwar möglich, aber darin nicht näher beschrieben. Dies verlangt der Kreis Warendorf aber, vorher will er über den Bauantrag nicht entscheiden. Der Bauherr steht nun vor der Situation, dass er von Oktober 2008 bis Juni dieses Jahres glauben konnte, er dürfe ein Flachdachhaus bauen. Und jetzt muss er vermutlich bis Frühjahr 2010 warten, ehe eine überarbeitete Satzung auf dem Tisch liegt. Diese Überarbeitung hat der Rat am Montagabend beschlossen. Wobei völlig offen ist, in welche Richtung sie gehen wird. Die Grünen haben bereits deutlich gemacht, dass sie keine grundlegenden Abweichungen wollen. Auch Karl-Heinz Greiwe (CDU) warnte vor einer „Spielwiese“ für Architekten.

Reinhold Ginski, Chef der städtischen Bauverwaltung, stellte mögliche Varianten für eine Änderung der Gestaltungssatzung vor: Das reichte vom vollständigen Öffnen für andere Dachformen bis zu Ausnahmen, die man in Gruppen zulassen könne. Irgendwann Anfang des Jahres wird sich der Bau- und Planungsausschuss - den es in der Phase des Übergangs bis zur Wiederholungswahl gar nicht gibt - wieder mit dem Thema beschäftigen.

So lange muss der Bauherr warten. Es ist pikanterweise der Sohn von Harald Koch , dem Geschäftsführer der GGM-AG, die das Baugebiet erschlossen hat und auch Teile vermarktet. Er kenne kein Baugebiet mit so restriktiven Vorgaben, die man ja eigentlich gar nicht gewollt habe, kritisierte Koch. „Es geht ja hier nicht um Exotenbauten“, sagte er über Kubushäuser oder auch Gebäude mit Zeltdächern. Dies werde zu erheblichen Vermarktungsschwierigkeiten führen. Erst recht auf die Palme gerate er, wenn er an die Konkurrenzsituation durch das Wohngebiet Klatenberge-Ost denke, wo solche Häuser möglich seien.

Neun weiteren Interessenten, die abweichend von der Gestaltungssatzung bauen wollten, könne er jetzt immerhin ehrlicher entgegentreten und ihnen sagen, dass sie bis Frühjahr warten müssten. Ob deren Geduld allerdings wirklich so lange währe, sei fraglich.

Koch kritisierte sowohl das städtische Bauamt, auf dessen Aussage man über Monate vertraut habe, als auch das Kreisbauamt. „Andere Bauämter beurteilen das anders.“

Ohne eine geänderte Satzung könne es keine Baugenehmigung geben, verteidigte Sigurd Peitz, Leiter des Kreisbauamtes, die Linie der Genehmigungsbehörde in Warendorf. Sollte die Stadt einen Gestaltungsbeirat einsetzen, der dann über Abweichungen entscheiden könnte, würde der Kreis nicht noch einmal selbst in eine Prüfung einsteigen. FDP und Grüne hatten sich am Montag für einen solchen Beirat stark gemacht.

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