Telgte
Fast 9000 Menschen schöpfen gemeinsam Kraft

Sonntag, 10.07.2011, 18:07 Uhr

Telgte - Es gibt eine Zeit, ab der die Menschen einander tief verbunden sind. Sie sind es noch nicht während der ersten paar Kilometern, bei denen sie möglicherweise noch einen unbekannten Laufnachbarn haben. Spätestens aber, wenn sie zur letzten Etappe aufgebrochen sind, ist das Eis gebrochen.

Wenn Karlheinz Schomaker , immerhin seit 26 Jahren technischer Leiter der Osnabrücker Wallfahrt , von seinen Erfahrungen des Glaubensmarsches erzählt, dann berichtet er von solchen emotionalen Momenten. „Jeder Wallfahrer trägt auch Probleme mit sich“, sagt er. Irgendwann kämen diese Probleme aus dem Alltag ans Tageslicht. Und wenn die Gläubigen in Telgte waren? „Am Sonntag ist die Kommunikation eine ganz andere. Dann hat sich auch das Auftreten der Menschen verändert. Für viele ist die Wallfahrt wie ein Energiepunkt.“ Oder anders ausgedrückt: Hier schöpfen die Menschen Kraft; 8 800 waren es dieses Mal, um genau zu sein.

Um 3 Uhr in der Früh brachen sie auf. Zwölfeinhalb Stunden und gute 48 Kilometer später erreichten sie die Emsstadt. Auch eine Gruppe von etwa 150 Telgtern fuhr um 0.30 Uhr vom Baßfeld los, um sich an der größten Fußwallfahrt nach Telgte zu beteiligen.

Dieter Köcher vom Pfarrgemeinderat ist selbst mitgelaufen und berichtet: „Das Laufen war im Vergleich zum letzten Jahr deutlich angenehmer.“ Zur Erinnerung: Im vergangenen Jahr litten die Wallfahrer unter den hohen Temperaturen.

„Sie sind die Hoffnungsträger der Kirche. Für Ihr Glaubensbekenntnis danke ich Ihnen“, begrüßte Propst Heinz Erdbürger die Gläubigen. Der Präses der Wallfahrt, Dechant Hans-Werner Dierkes, hieß insbesondere die zahlreichen Kommunionkinder willkommen. Nach der Andacht auf dem Kirchplatz bezogen die Pilger ihr Quartier, um abends noch einmal gemeinsam Messe zu feiern. Am Sonntagmorgen ging der Fußmarsch nach den Pilgermessen um 8 Uhr weiter - Richtung Heimat.

Sogar aus Hamburg, Karlsruhe und aus der Nähe von Hildesheim nahmen Gläubige an der Osnabrücker Wallfahrt teil. Die Altersspanne war enorm: Von den Acht- bis zu den 80-Jährigen waren alle Generationen vertreten. Und: Es nehmen auch immer mehr evangelische Christen teil. „Ich bin immer wieder von der Pilgerschar begeistert und freue mich, wie hoch motiviert die Menschen sind“, sagt Karlheinz Schomaker. Der Zuspruch, das entnahm er den vielen persönlichen Gesprächen, sei wieder einmal groß gewesen.

Mit 34 Ehrenamtlichen und zwei Ärzten war der Malteser Hilfsdienst rund um die Clemens-Kirche für die Wallfahrer im Einsatz. Im Sanitätszelt wurden Blasen gestochen, Waden massiert und sonstige Leiden gelindert. Besondere Vorkommnisse hatte MHD-Chef Heinz Loddenkötter nicht zu vermelden. Weihbischof Theodor Kettmann segnete zwei Krankenwagen des MHD. Außerdem beglückwünschte er Hans Grewing, der nach 42 Jahren Dienst bei der Osnabrücker Wallfahrt in Rente geht.

Der MHD hatte auch erstmals zwei neue, von den Stadtwerken gestiftete, Rettungsrucksäcke im Einsatz.

Insgesamt haben wieder zahlreiche Telgter die Wallfahrt direkt oder indirekt unterstützt: angefangen bei der Wallfahrtsgilde bis hin zu den Bürgern und der Stadtverwaltung. Zu Hause und in Turnhallen wurden Unterkünfte zur Verfügung gestellt.

Übrigens: Im nächsten Jahr findet „die Osnabrücker“ zum 160. Mal statt. Was jetzt schon verraten wurde: Zum Jubiläum wird Münsters Bischof Genn an der Wallfahrt teilnehmen, und die Teilnehmerzahl wird vermutlich deutlich größer. Denn: Jeder Gläubige soll einen weiteren Teilnehmer mitnehmen.

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