„Gut gegen Nordwind“ im Bürgerhaus
Liaison via Laptop

Telgte -

Bei dem facettenreichen Kulturprogramm im Bürgerhaus braucht man nicht den Weg nach Münster ins Wolfgang-Borchert-Theater einzuschlagen. Denn auch dort steht das Zwei-Personen-Stück „Gut gegen Nordwind“ nach dem Roman von Daniel Glattauer auf dem Spielplan.

Sonntag, 04.11.2012, 22:11 Uhr

„Gut gegen Nordwind“ im Bürgerhaus : Liaison via Laptop
Der Mailverkehr zwischen Emmi Rother und Leo Leike, gespielt von Sigrid Kropp und Andreas Wenzel, fesselte die Zuschauer im Bürgerhaus. Foto: Engels

Bei dem facettenreichen Kulturprogramm im Bürgerhaus braucht man nicht den Weg nach Münster ins Wolfgang-Borchert-Theater einzuschlagen. Denn auch dort steht das Zwei-Personen-Stück „Gut gegen Nordwind “ nach dem Roman von Daniel Glattauer auf dem Spielplan. Im Bürgerhaus schenkte die Produktion des Mobilen Theaters Bielefeld den Zuschauern am Freitagabend ein auf hohem Niveau angesiedeltes unterhaltsames Erlebnis.

Zusammen mit dem Autor des Erfolgsromans hat die Dramaturgin Ulrike Zemme eine Bühnenfassung mit Feingefühl und Sinn für einen spannenden Aufbau geschaffen. „Gut gegen Nordwind“ erzählt die Geschichte einer modernen Brieffreundschaft, die sich ausschließlich über den Austausch von E-Mails abspielt. Durch einen Tippfehler in der Mail-Adresse bekommt Emmi Rother , die eigentlich nur ihr Zeitschriftenabo kündigen will, Kontakt zu dem Sprachwissenschaftler Leo Leike. Emmi, sehr ausdrucksstark gespielt von Sigrid Kropp, findet in der Beziehung Abwechslung vom eher tristen Familienalltag. Andreas Wenzel entpuppte sich auf der Bühne als kongenialer Partner, dessen hintergründiger Humor der Inszenierung ein wunderbares humoristisches Element hinzufügte. Auch das Bühnenbild trug sehr viel zur Lebensnähe bei: Sofa, Blumen und Beistelllampe in Emmis Reich; Schreibtisch, diverse Aktenordner, schwarzer Sessel und Kühlschrank prägten Leos Arbeitsatmosphäre in seinem Single-Haushalt. In der Mitte trafen sich die beiden Akteure an ihren Laptops, tranken durch das Kabel verbunden gemeinsam Wein, kamen sich in den Mails mit ihren Gefühlen und Wünschen immer näher. Die beiden Darsteller spielten in und mit ihren jeweiligen Räumen, überschritten dabei imaginäre Grenzen. Streit, Versöhnung, Verletzlichkeiten wurden an beiden Orten ausgetragen von zwei Menschen, die sich im wirklichen Leben noch nie getroffen hatten.

Mit Spannung verfolgte man den immer enger werdenden Austausch, wollte wissen, wohin das Ganze wohl führen würde. Aus der eher zufälligen Beziehung wurde ein Sinnbild einer Gesellschaft, in der die reale Welt oftmals den Ansprüchen nicht mehr standhält, sich die Menschen in eine künstliche Welt flüchten. Man erlebte die gesprochene Nachricht direkt mit der Reaktion des Empfängers, schauspielerisch glänzend umgesetzt. In Zeiten von Vereinsamung, Sinnverlust und überquellenden Angeboten von Internet-Partnerbörsen erschien dieser Ausschnitt aus dem Leben zweier Menschen in einem ganz aktuellen Licht.

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