Stele in Arbeit
Mahnung in Stein gemeißelt

Telgte -

Beinahe 75 Jahre ist es her, da brannten in Deutschland die Synagogen. Der 9. November 1938 ist einer dieser schwarzen Tage, wie ihn die braune deutsche Geschichte zu dieser Zeit vielfach hervorgebracht hat.

Mittwoch, 23.10.2013, 06:10 Uhr

Auch in Telgte gab es seinerzeit eine Synagoge für die kleine jüdische Gemeinde, die in der Stadt lebte. Als der Rauch vielerorts am Morgen des 10. November 1938 schon verflogen war, da stand die Synagoge in Telgte noch. „Ein Sonderfall“, sagt Adalbert Hoffmann , der zu berichten weiß, dass der damalige hiesige Reichsarbeitsführer sich weigerte, das Gotteshaus zu zerstören. Die Sturmabteilung der NSDAP (SA) hatte weniger Skrupel und setzte die Synagoge noch in der gleichen Nacht in Brand.

Daran und an 13 deportierte und getötete Juden erinnert eine Stele , die am 10. November direkt vor der ehemaligen Synagoge installiert wird. Derzeit befindet sich der Stein noch im Betrieb Düsterhues, der für die Steinmetzarbeiten verantwortlich ist.

Der Stein stammt aus dem Gebiet bei Mayen, einer Kleinstadt in der Vulkaneifel. Rund 2,6 Tonnen wog die Basaltlava-Säule im Urzustand, rund zwei Tonnen wird die Stele wiegen, wenn sie fertig ist.

Dabei war es gar nicht so einfach, einen geeigneten Stein für das Mahnmal zu finden. „Wir wollten keinen Stein aus Indien oder China, doch es hat gedauert, bis ein geeigneter Stein gefunden worden war“, erzählt Hoffmann vom Verein Erinnerung und Mahnung – Förderung des Andenkens der Juden.

Das schwierigste aber sei die Planung der Stele als solches gewesen. „Wir wollten unbedingt auf die richtige Wortwahl achten“, sagt Hoffmann und schaut besorgt auf die Arbeiten an der Stele. Noch immer sei er sich nicht hundertprozentig sicher, dass auch wirklich niemand Anstoß an irgendeinem Detail nehme, gibt er unumwunden zu. Immer und immer wieder sei man die Planung durchgegangen, habe geändert und hinzugedacht: „Die mussten schon was mit uns mitmachen“, sagt Hoffmann, während er lächelnd zu Christoph Düsterhues herüberschaut.

Düsterhues und der Betriebsangestellte Mladen Marjakovic arbeiten derweil an der Stele. „Ich finde es immer besonders reizvoll, den Urzustand mit dem Geometrischen zu verbinden“, erklärt Düsterhues beim Blick auf die Stele. Und genau so stellt sich das Mahnmal auch da. Im unteren Bereich der Urzustand, oben exakt bearbeitet. 1,90 Meter wird sich die Spitze über dem Boden befinden.

Abermals galt den Buchstaben besonderes Augenmerk. Immerhin sind die Daten und Namen der verschleppten und ermordeten Juden zu lesen. Ein Fehler wäre fatal gewesen. „Fünf Kontrollen pro Schablone habe ich gemacht“, sagt Marjakovic und lacht. Auch der Verein traf sich, um Buchstaben für Buchstaben durchzugehen.

Aufgestellt wird die Stele übrigens nicht erst am 10. November. „Das muss schon etwas früher passieren, immerhin bedarf es da noch weiterer Arbeiten drum herum“, sagt Hoffmann. Anlässlich der Errichtung des Mahnmals wird es am 10. November ein besonderes Programm geben, das noch bekannt gegeben wird.

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