Kranzniederlegung und Vortrag
Erinnerung an entsetzliche Taten

Telgte -

Am Vorabend des Internationalen Holocaustgedenktages haben Vertreter des Vereins „Erinnerung und Mahnung“ zusammen mit Bürgermeister Wolfgang Pieper einen Kranz an der Gedenkstele an der Königstraße niedergelegt. Mit dem Verlesen der Todesfuge von Paul Celan erinnerten Klaus Beck und Ludwig Rüter an die Ermordung von Millionen jüdischer Menschen. Der Vorsitzende von Erinnerung und Mahnung, Adalbert Hoffmann, gedachte der 13 Menschen aus Telgte, die als Opfer der Terrorherrschaft von 1933 bis 1945 ermordet wurden.

Montag, 27.01.2014, 16:01 Uhr

Anschließend hörten über 60 Bürgerinnen und Bürger, darunter Mitglieder des Rates und der Verwaltung, im Sitzungssaal des Rathauses einen Vortrag von Winfried Nachtwei . Er berichtete über das Ghetto Riga . Dort begann die systematische Vernichtung der jüdischen Menschen aus Westfalen. So wurden am 13. Dezember 1941 fast 400 Menschen aus dem Münsterland, auch drei jüdische Bürger aus Telgte , nach Riga deportiert. Ihnen wurde erzählt, es ginge zu einem „Arbeitseinsatz in den Osten“. Tatsächlich wurden immer wieder Menschen vom Ghetto aus zum Beispiel zur Arbeit in eine Fischkonservenfabrik geschickt. Doch niemand kehrte von dort ins Ghetto zurück – denn diese Fabrik gab es nicht, schreibt der Verein in einer Mitteilung.

Stattdessen wurden die Menschen im Wald von Bikernieki erschossen. Am Kriegsende – so berichtete Winfried Nachtwei – gab es dort 55 Massengräber. In ihnen lagen mehr als 35 000 vor allem jüdische Menschen. 50 Jahre lang gerieten diese Gräber und das Ghetto in Vergessenheit. Im Mai 2000 wurde unter maßgeblicher Mitwirkung des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge, der sich seit den 90er Jahren auch um die Gräber jüdischer Menschen kümmert, das Riga Komitee gegründet. Es errichtete schon bald nach seiner Gründung eine Gedenkstätte für die Opfer des Nationalsozialismus im Wald von Bikernieki.

Die Bilder, die Winfried Nachtwei von dieser Gedenkstätte zeigte, beeindruckten das Publikum. Neben der Einrichtung dieser Gedenkstätte konnte das Riga Komitee den inzwischen alt gewordenen Überlebenden eine kleine Rente überweisen, die durch die Stiftung eines hohen Lottogewinns verdoppelt wurde. Wichtig war aber auch die Herstellung von Kontakten zwischen ehemaligen Ghettobewohnern und jungen Deutschen. Der Rat der Stadt hat unlängst einstimmig beschlossen, dem Riga Komitee beizutreten.

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