Christian Pieper lebt auf Baltrum
Der Mann und die Insel

Telgte -

Es ist ruhig auf Baltrum. Kaum ein Tourist ist zu sehen, und viele der Hotels nutzen die Zeit außerhalb der Saison, um ihre Tore für einige Zeit zu schließen. Man könnte vermuten, dass jetzt wenig zu tun ist. Doch für Christian Pieper ändert das Ausbleiben der Gäste nichts. „Ich habe zu jeder Jahreszeit einiges zu tun. Jetzt im Winter sind es nur andere Arbeiten“, erzählt der gebürtige Telgter.

Samstag, 15.02.2014, 06:02 Uhr

Christian Pieper kann mit Fug und Recht als eine Art „Insel-Hausmeister“ bezeichnet werden. Ob ein Schrank aufgehängt oder ein Bett repariert werden muss: Viele Insulaner und Wohnungsbesitzer rufen in solchen Fällen bei ihm an. „Ich bin so eine Art Mädchen für alles“, sagt er mit einem Augenzwinkern. Doch gerade das macht für Christian Pieper den Reiz des Insellebens aus. „Ich kann hier der Arbeit nachgehen, die ich gerne mache.“

Dass es den Münsterländer ausgerechnet an die Nordsee verschlagen hat, kam eher zufällig zustande: „Bei einer ausgedehnten Sommer-Radtour mit meinem Sohn gab es damals am Festland keine freien Campingplätze mehr. Da mussten wir nach Baltrum ausweichen“, erzählt Pieper. Wie der Zufall es wollte, übernachteten die beiden Fahrradtouristen damals im Garten seiner heutigen Frau. 1998 zog Pieper dann ganz auf die Insel und fährt seitdem nur noch für Besuche und dringende Besorgungen aufs Festland.

„Wir haben zum Beispiel keinen Baumarkt hier auf der Insel. Das lohnt sich finanziell einfach nicht“, sagt der gelernte Tischler, der sich auf Baltrum selbstständig gemacht hat. Deshalb muss er sich seine Arbeitsmaterialien immer wieder auf dem Festland beschaffen. Die Reisen dorthin sind für ihn mittlerweile meist mit Stress verbunden. „Es ist viel lauter, und die Luft ist auch nicht so schön wie bei uns“, sagt Pieper. Da ist es kein Wunder, dass es ihn im Urlaub eher in die ruhigeren Gegenden zieht. „Dann gehe ich mit einigen Freunden aus Telgte in den deutschen Mittelgebirgen wandern. Das ist natürlich eine Abwechslung“, sagt Pieper mit Blick auf die flachen Landschaften Norddeutschlands.

Mit dabei ist dann auch sein älterer Bruder Wolfgang, der in der früheren Heimat Bürgermeister geworden ist. „Über Politik tauschen wir uns aber eher selten aus“, sagt der Jüngere.

Dabei stand Christian Pieper vor einigen Jahren sogar selbst kurz vor einer politischen Karriere, als er für den Baltrumer Gemeinderat kandidieren sollte. Die Partei seiner Wahl war damals die CDU . Warum ausgerechnet die Christdemokraten? „Mit den Leuten bin ich einfach gut klargekommen. Lokalpolitik steht und fällt ja schließlich mit den Leuten, die sie machen.“ Letztendlich habe es dann aber doch nicht geklappt.

Doch das Angebot mit dem Gemeinderatsposten zeugt von der Wertschätzung, die die Insulaner dem früheren Telgter entgegenbringen. „Die Eingewöhnung war eigentlich nicht weiter schwierig. Aber es ist natürlich ein stetiges Geben und Nehmen“, erzählt Pieper, der bis vor einigen Jahren in der Baltrumer Feuerwehr aktiv war und bis heute im Shanty-Chor der Insel singt. Dass seine Frau auf der Insel aufgewachsen ist, war bei der Eingewöhnung natürlich hilfreich. „Da bin ich quasi im Fahrwasser geschwommen“, bedient er sich – wie könnte es anders sein – eines Bildes aus der Seefahrt.

Telgte hat Christian Pieper nicht vergessen. Eine Rückkehr ans Festland kann er sich dennoch eher nicht vorstellen. Und das nicht nur aufgrund der beruflichen Freiheiten: „Wenn ich hier morgens mit dem Hund meine Runde drehe, kann ich am Strand bis zum Horizont gucken. Das und die großartige Natur genieße ich jeden Tag aufs Neue.“

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