Schwindelerregende Täuschungen
Lukas hängt am Hochhaus

WESTBEVERN -

Über 33000 Likes hat der 20-jährige Westbeverner Lukas Zischke schon bei Facebook für seine spektakulären Fotomontagen bekommen. Seine Bilder finden sich jetzt auch in der altehrwürdigen „Times“ wieder. Ein Hausbesuch bei einem der kommenden Fotokünstler.

Donnerstag, 16.10.2014, 05:10 Uhr

In roter Sweat-Kapuzenjacke schaukelt Lukas Zischke über der Skyline von Manhattan. Ohne Fallschirm oder Sicherheitsnetz. Fast engelsgleich oder wie aus der „Truman Show“ gefallen. Auf einem anderem Foto klettert er an der Wand eines Wolkenkratzers mit scheinbar letzter Kraft zur rettenden Hand, die ihm gereicht wird – ansonsten droht ein sehr tiefer Fall.

Hat der 20-jährige Westbeverner etwa Superhelden-Kräfte a la Batman, oder ist er ein Stuntman, der an seine Grenzen geht? Keines von beiden! Was so täuschend echt auf den Fotos aussieht ist ein „Fake“ des digitalen Baron von Münchhausen.

Fakt ist: Zischke war noch nie in Manhattan und hat sich in das schwindelerregende Foto einfach nur hereinmontiert. Aber das so richtig gut. Per ausgefeilten Computerprogrammen, kreativem Händchen und jeder Menge Schalk im Nacken. Die Hintergrundfotos besorgt er sich von Internet-Plattformen wie Flickr, „natürlich mit Erlaubnis der User, die sie online gestellt haben“, betont Zischke.

Auf einer Schaukel auf dem benachbarten Kinderspielplatz ließ sich der 20-Jährige von seiner Schwester Anne, die noch extra auf eine Leiter stieg, fotografieren. Später am PC retuschierte er den Spielplatz weg, schnitt sich selbst aus und montierte sein Bild täuschend echt in die besagte Skyline von Manhattan. Ein Foto von sich auf der Kinderwippe mit in der Luftstehenden Fußspitzen baute Zischke in ein Eiffelturm-Foto ein, aber so dramatisch, als ob man wirklich denkt, dass er gleich von der Turmspitze herunterspringt.

„Entscheidend ist es, die richtige Perspektive hinzubekommen“, erläutert Zischke beim Hausbesuch. „Wenn das Licht auf dem Hintergrundsfoto von rechts kommt, darf nicht meine Hose von links aufgehellt sein“. Mit Argusaugen achtet er auf jedes Detail. Das Eiffelturm-Bild dauerte drei Stunden, wurde inzwischen über drei Millionen Mal geklickt, andere Bilder ähnlicher Machart dauern indes Tage, mit ähnlicher Klickzahl. Großes Vorbild? „Calvin Hollywood“ antwortet Zischke und meint den Heidelberger Kultfotografen. Reizen würde es den Westbeverner mal, die schwindelerregenden Fotos in echt zu machen. Irgendwann. Keine Angst vor der Höhe? „Ne, nur Respekt“, entgegnet Zischke grinsend.

An seinen Fotomontagen arbeitet er vorwiegend dann, wenn seine Altersgenossen auf die Piste gehen: „Abends bis in die Nacht hinein geht es am besten.“ Dabei hört er gerne Hip Hop oder elektronische Musik (Robin Schulz) „Mit dem Fotografieren fing ich als Zwölfjähriger an“, sagt der Natur- und Fußballfreund im heimischen Garten. Am Adolph-Kolping-Berufskolleg in Münster absolvierte er eine Ausbildung zum Gestaltungstechnischen Assistenten. Im Februar 2015 beginnt Zischke eine Ausbildung zum Mediengestalter bei der Werbeagentur „Avency“ in Telgte. Bis dahin gestaltetet er freiberuflich Plakate, Poster, Logos. „Ich gestalte mit Medien, weil das die Zukunft ist.“

Und das mit Erfolg. Mittlerweile druckte sogar die Londoner „Times“, wie der Westbeverner über Manhattan schaukelt. Ein Designer hat ihn sogar eingeladen, ihn im Februar auf der Fashion Week in Berlin zu begleiten. Auch eine große deutsche Boulevard-Zeitung hat sein Werk gewürdigt.

Zischke arbeitet vorwiegend mit der Computermaus. Die liegt auf einem Mouse-Pad mit einem 500-Euro-Abdruck. Wenn Lukas Zischke weiterhin so gute Fotos macht, dürften bald echte Fünfhunderter auf dem Schreibtisch liegen 

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