Kulturnomaden Telgte
Plädoyer für Kunstszene

TELGTE -

Kultur findet nicht nur in Galerien statt, oder im Foyer vom Rathaus. Was wenige wissen: die Stadt an der Ems beherbergt eine Vielzahl an freien Künstlern. Doch die müssen sich bislang selbst organisieren. Seit zwei Jahren gibt es in Telgte die Kulturnomaden. Zeit für einen Rück-, Aus- und Zwischenblick. WN-Mitarbeiter Peter Sauer interviewte Nomadenkünstler Michael B. Ludwig (62).

Sonntag, 19.10.2014, 22:10 Uhr

Die Kulturnomaden wollen die freie Szene in Telgte bekannter machen. Zum 16-köpfigen Team gehört auch der Aktionskünstler Michael B. Ludwig (kleines Foto).
Die Kulturnomaden wollen die freie Szene in Telgte bekannter machen. Zum 16-köpfigen Team gehört auch der Aktionskünstler Michael B. Ludwig (kleines Foto). Foto: Peter Sauer / Kulturnomaden.

Wieder Leerstand im ehemaligen Schlecker-Markt an der Münsterstraße 23? Die letzte Ausstellung der Kulturnomaden ist schon wieder abgebaut. Aber Kulturfreunde müssen sich keine Sorgen machen. Nach wie vor ist das ehemalige Ladenlokal die derzeitige Karawanserei der Kulturnomaden. Und die stecken auch zwei Jahre nach ihrer Gründung und fünf Jahre nach dem ersten Ideenaustausch in voller Blüte, was Ausrichtung und künftige Ideen betrifft. WN-Mitarbeiter Peter Sauer unterhielt sich mit Nomadenkünstler Michael B. Ludwig .

Warum sind Sie eigentlich Kulturnomade?

Michael B. Ludwig: Weil ich leidenschaftlich Künstler bin und umtriebig bleiben möchte.

Wie hat das denn alles angefangen?

Michael B. Ludwig: Durch den Verkauf des Bahnhofs musste ich mein Atelier aufgeben. Zusammen mit Künstler Arnold Illhardt, Malerin Tatjana Scharfe und Bildhauer Friedo Schange unterhielte ich mich im „Wilden Mann“ bei einigen Bierchen bis zum Morgengrauen über Kunst und Kultur. Unser Ziel: aus Telgte ein zweites Worpswede machen.

Die Kulturnomaden wurden dann vor zwei Jahren gegründet. Sie sind kein Verein, haben keinen Vorstand, keine Statuten. Sorgt das nicht für Probleme?

Michael B. Ludwig: Wir sind alle gleichberechtigt.

Was heißt das konkret?

Michael B. Ludwig: Jeder kann Projekte planen und sie vorstellen. Er bekommt dann die Unterstützung der Gruppe. Die Umsetzung liegt dann aber wiederum in den Händen der Projektmacher.

Die Kulturnomaden haben temporär ihre Karawanserei in der alten Schleckerei?

Michael B. Ludwig: Wenn die Stadt einen Mieter gefunden hat, müssen wir innerhalb von einer Woche raus.

Wie reagieren eigentlich die Nachbarn auf die Kulturnomaden?

Michael B. Ludwig: Manche sind skeptisch, manche wohlwollend.

Sind sich die Kulturnomaden denn bei der Auswahl der Kunstprojekte immer einig?

Michael B. Ludwig: Nicht immer. Als wir zum Beispiel vor einem Jahr mit alten Schlecker-Einkaufswagen durch die Altstadt rumpelten auf dem Weg zur Neueröffnung von Rossmann – da regten sich einige Anwohner auf. Aber wir wollen auch bewusst stören. Auch manche Kulturnomaden fanden diese Aktion aber nicht gut.

Wo treffen sich die Kulturnomaden, wenn sie unterwegs sind?

Michael B. Ludwig: Im Winter haben wir schon mal im leer gefegten Biergarten vom „Wilden Mann“ gegrillt. Wir haben auch mal auf der Fußgängerbrücke am Bahnhof eine Sitzung abgehalten und Fußgänger mit Stühlen und Pappkartons gestört – auch um auf die freie Kunstszene hinzuweisen. Das uns Räume fehlen und die öffentliche Anerkennung. Dabei gibt es so viele Leerstände in Telgte.

Was fordern Sie konkret?

Michael B. Ludwig: Die freie Kunstszene in Telgte braucht eine öffentliche Förderung, einen festen Raum. Wir wollen alle Telgter Künstler zusammenbringen.

Welche neuen Projekte sind in Planung?

Michael B. Ludwig: Ein Kunsthandwerkermarkt im Kornbrennerei-Museum, ein Festival der Elektronischen Musik mit Thomas Esche und Michel M., eine Aktion rund um TTIP (transatlantisches Freihandelsabkommen) sowie eine Silvesterfeier mit vielen Kunstaktionen in der „Alten Schleckerei“.

Sind die Kulturnomaden schon komplett?

Michael B. Ludwig: Nein, wir suchen vor allem noch Schriftsteller und Tänzer. Unsere Türen stellen aber allen Kulturfreunden offen.

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