Spritzenautomat 114 Mal frequentiert
Eigene Nadel als trauriger Luxus

telgte -

Auf den ersten Blick sieht der Spritzenautomat am Knickenbergplatz aus wie ein alter Zigarettenautomat. Doch er enthält so genannte Carepackungen, bestehend aus Spritze, Kanüle und Alkoholtupfer für Drogenabhängige. 114 dieser Spritzen-Sets wurden im vergangenen Jahr gezogen.

Donnerstag, 12.03.2015, 19:03 Uhr

Versteckt an einer Wand steht der Spritzenautomat am Knickenbergplatz.
Versteckt an einer Wand steht der Spritzenautomat am Knickenbergplatz. Foto: Katrin Jäger

Die Zahl ist damit beinahe konstant. 2013 wurden insgesamt 102 Spritzen gezogen.

Über die Anzahl Drogenabhängiger vor Ort sagt sie indes nichts aus. Gordon Zahorujko, Leiter der AIDS-Hilfe des Kreises Warendorf , sagt: „Es gibt immer wieder extreme Schwankungen und keine Normwerte.“ All das hänge mit der Lebenswelt der Abhängigen zusammen. Wenn beispielsweise Suchtkranke in Therapie gingen, den Wohnort wechseln oder schlimmstenfalls gestorben sind, werden plötzlich weniger Spritzen gebraucht. Den Automaten dann abzubauen, wäre fatal. „Er rettet Leben“, so Zahorujko. Denn durch die hygienischen Spritzen würde das so genannte Needle-Sharing, gemeinsames Nutzen einer Nadel, gestoppt und damit die Verbreitung von HIV und Hepatitis – auch über den Kreis der Süchtigen selbst hinaus – verhindert.

Die AIDS-Hilfe des Kreises hat in neun von zehn Städten Automaten aufgestellt, das sei „vorbildlich und längst nicht überall im Land so“, sagt Zahorujko.

Sorgen, dass es im Umfeld solcher Automaten zu Ghettoisierung kommen könnte, haben sich bisher nicht bestätigt. „Die Drogenabhängigen sind oft schambehaftet, sie ziehen sich die Spritze und verschwinden dann wieder.“

Eine weitere Angst, dass Jugendliche durch den Automaten auf dumme Gedanken kommen könnten, „ist Quatsch“. Das würden auch wissenschaftliche Studien belegen, so der Leiter der AIDS-Hilfe. „Wenn irgendwo ein Kondomautomat steht, haben die Menschen auch nicht mehr Geschlechtsverkehr.“

Die Neu-Infektionszahlen bei HIV und Hepapitis aufgrund von Drogenkonsum liegen laut der AIDS-Hilfe im Moment bei nahezu Null.

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