Fahrradwerkstatt von Zib
Integration auf zwei Rädern

TELGTE -

Montags von 18 bis 19 Uhr im Keller des St.Marien-Pfarrheims am Kardinal von Galen Platz: Großes Gewusel überall. Geht man die Treppe hinunter, trifft man auf eine Schlange wartender Menschen. Es sind Flüchtlinge. Sie warten auf ein Spendenfahrrad oder bringen ihr Rad zur Reparatur.

Donnerstag, 07.01.2016, 07:01 Uhr

Hand in Hand:  Flüchtling Mohammad Sagherr aus Bagdad (r.) repariert gemeinsam mit Hans-Heinrich Hoffmeister ein Rad in der Zib-Fahrradwerkstatt.
Hand in Hand:  Flüchtling Mohammad Sagherr aus Bagdad (r.) repariert gemeinsam mit Hans-Heinrich Hoffmeister ein Rad in der Zib-Fahrradwerkstatt. Foto: Peter Sauer

Montags von 18 bis 19 Uhr im Keller des St.Marien-Pfarrheims am Kardinal von Galen Platz: Großes Gewusel überall. Geht man die Treppe hinunter, trifft man auf eine Schlange wartender Menschen. Es sind Flüchtlinge. Sie warten auf ein Spendenfahrrad oder bringen ihr Rad zur Reparatur. Möglich macht dies Zib (Zusammen ist besser - Verein für Völkerverständigung).

Der Zib setzt sich für ein gutes Zusammenleben von Deutschen und Ausländern in Telgte ein und hilft den Flüchtlingen im Alltag. Hans-Heinrich Hoffmeister, Bruno Fotschki, Arnold Michels und ihre Kollegen schrauben eifrig im improvisierten Fahrradkeller. Sie gehören zur ehrenamtlichen Zib-Crew, die Spendenfahrräder an Flüchtlinge ausleiht und bei Bedarf auch repariert. Und der Bedarf, das zeigt der Besuch, ist anhaltend groß.

Die Zib-Fahrradwerkstatt startete im Frühjahr 2014 mit ein bis zwei Reparaturen pro Woche im eigenen Keller. Bereits im Sommer 2014 ging es dann in den Keller des Pfarrzentrums. Weil der vorhandene Platz nicht ausreichte.

Anfang 2016 soll zudem in Westbevern eine neue Fahrradwerkstatt entstehen, möglicherweise in Zusammenarbeit mit dem Westbeverner Krink. Kurz vor Weihnachten hat der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende von Winkhaus, Uwe Ludwig, zusammen mit dem ersten Bevollmächtigten der IG Metall, Jürgen Schmidt, im Beisein von Zib-Vorstandsmitgliedern der Zib-Fahrradwerkstatt dafür eine großzügige Spende übergeben. Eine gefüllte Werkzeugkiste und zwei Montageständer sind als Grundausstattung für Westbevern gedacht und zwei neue Kindersitze für die Flüchtlinge. Zudem wird Uwe Ludwig als Westbeverner in der neuen Werkstatt tatkräftig mitarbeiten.

In der Fahrradwerkstatt hat die Zib-Crew bislang rund 500 Flüchtlinge regis­triert. An die 130 Fahrräder wurden verliehen, zudem Kindersitze und Kinderanhänger. Außerdem haben, so die Einschätzung der Zib-Crew, viele Flüchtlinge eigene Fahrräder, die sie geschenkt bekommen oder sich selbst gekauft haben. All diese Fahrräder, Anhänger oder Kinderroller müssen nicht selten repariert werden. Das macht die Zib-Fahrradcrew. Und bringt zudem gespendete Fahrräder wieder in einen verkehrssicheren Zustand, um für genug Nachschub zu sorgen. – und zwar als eingespieltes Team, das sich aufgrund der großen Nachfrage keine Pause gönnt. Im Keller des St.-Marien-Pfarrheims arbeiten mittlerweile eine Frau und sechs Männer, zwei davon selbst Flüchtlinge, an den Fahrrädern, sowie zwei Frauen, die bei der Organisation helfen. Teils tagsüber voll erwerbstätig, teils im (Un-)Ruhestand, arbeiten die Ehrenamtler an verschiedenen Abenden der Woche meistens zwei bis drei, manchmal auch vier und mehr Stunden. In ihrer Freizeit. Trotzdem reicht das nicht aus, die anstehenden Aufgaben zu bewältigen. Deshalb sucht die Zib-Crew für die Fahrradwerkstatt händeringend weitere helfende Hände. In Telgte sind noch Abende zu besetzen, für Westbevern wird ein neues Team erstellt.

Einer der Zib-Mitarbeiter ist im Hauptberuf Bibliothekar. „Das heißt, dass man kein Fahrradmechaniker sein muss, um mitarbeiten zu können“, betont Fotschki. Die gespendeten Fahrräder haben meistens einen Platten. Wer also einen Schlauch flicken kann, ist als Spezialist sehr willkommen. „Wenn sich die Arbeit auf mehrere Schultern verteilen ließe, könnten wir auch die Flüchtlinge stärker einbinden. Darunter befinden sich einige begabte Schrauber, aber bisher hatten wir keine Zeit, sie einzuarbeiten, weil wir mit den Fahrrädern voll ausgelastet sind“, sagen Hans-Heinrich Hoffmeister und Bruno Fotschki. „Wir könnten auch noch zeitweise Lageristen gebrauchen, um unsere Ersatzteile zu sortieren.“ Die beiden Rezeptionistinnen helfen abwechselnd montags von 18 bis 19.30 Uhr bei der Annahme und Ausgabe von Fahrrädern sowie den Reparaturaufträgen. Auch sie würden sich über Unterstützung freuen.

Aus dem Mangel an helfenden Händen und den deshalb unerledigten Arbeiten entsteht ein weiteres Problem: Platzmangel. „Wir verstellen mit unseren Fahrrädern im Keller vielen Gruppen der Kirchengemeinde, die uns so gastfreundlich aufgenommen hat, den Zugang zu ihren eigenen Sachen“ sagt Fotschki. Dafür entschuldigt sich das Zib-Team bei den Gastgebern. „Wir hoffen auf weitere Geduld.“ Auch von den Spendern, die oftmals vertröstet werden mussten und deren Spendenräder seit Wochen nicht abgeholt werden konnten. „Wir haben derzeit keinen Platz mehr dafür.“

Bei den Flüchtlingen kommt die Arbeit der Zib-Fahrradwerkstatt sehr gut an. So ist Kibrom Gebranila aus Eritrea begeistert, dass die flinken Zibler das Licht an seinem Fahrrad wieder repariert hat. Zum Reparaturteam gehört auch Mohammad Sagheer. Er ist selbst Flüchtling aus Bagdad. „Ich kenne mich aus“, sagt er und wirbelt souverän mit dem Werkzeug herum, „und das Reparieren der Fahrräder macht mir Spaß.“

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