Besondere Haustiere
Gassigehen mit Lama und Alpaka

Telgte -

Valentin steckt gerade mitten in der Pubertät, deshalb ärgert er immer mal wieder seinen Kumpel Otto. Felix mit der verwegenen Ponyfrisur hat keinen Bock, er legt sich erst mal hin. Der sanftmütige Rio nimmt’s gelassen zur Kenntnis, genauso wie Marlin und Macciato.

Samstag, 27.02.2016, 09:04 Uhr aktualisiert: 29.02.2016, 17:13 Uhr
 
  Foto: Jäger

Valentin steckt gerade mitten in der Pubertät, deshalb ärgert er immer mal wieder seinen Kumpel Otto. Felix mit der verwegenen Ponyfrisur hat keinen Bock, er legt sich erst mal hin. Der sanftmütige Rio nimmt’s gelassen zur Kenntnis, genauso wie Marlin und Macciato. Sie alle sollen gleich einen Spaziergang machen. Und im Gegensatz zu so manch menschlichem Teenager freuen sich diese sechs jungen Typen richtig auf die frische Luft. Denn Alpakas und Lamas sind gerne draußen, sie mögen es kühl, sie sind hervorragende Begleittiere und darüber hinaus richtig niedlich.

Was macht die Tiere so sympathisch? Die großen Augen, das weiche Fell, ihr friedliches Wesen? Ulrike Tieskötter könnte darauf mit einem dreifachen „Ja“ antworten. Die Telgterin kam vor einigen Jahren auf den Alpaka und nicht auf den Hund und ist seitdem begeistert von ihren faszinierenden Haustieren.

„Ich bin auf dem Hof groß geworden, genauso wie mein Mann. Wir hatten Pferde, Schweine, waren immer mit Tieren dicht verbunden.“ Als das Paar vor ein paar Jahren mit den drei Kindern dann auf die Hofanlage im Bester Feld zogen, mit jeder Menge Platz, Wiesen und unverstelltem Blick auf den Wald, lag die Idee nahe, sich wieder Tiere anzuschaffen. Welche, die vielleicht auch gleichzeitig die Wiese rund ums Haus kurzhalten könnten, so der Plan. Durch eine Fernsehsendung wurden Ulrike und Uli Tieskötter ganz zufällig aufmerksam auf Alpakas. Danach folgte die erste Internetrecherche. Was brauchen die Tiere? Wie muss man sie halten? Tieskötter stieß auf einen Grundkurs in Sachen Alpaka- und Lamahaltung und so begegnete sie ihrem ersten Alpaka. „Ich war sofort begeistert“, sagt sie. Ende März 2012 kamen dann die ersten drei Tiere auf den Hof. Zum Rasenmähen, als Hobby, zum Liebhaben für die Kinder.

Die Tiere waren schnell halteführig, allen machte es riesig Spaß und so reifte die Idee heran, noch mehr mit ihnen zu machen, vielleicht sogar einen Beruf damit zu verbinden. Nach und nach kamen weitere Tiere dazu, die jedes Jahr geschoren werden, die mit jeder Menge Heu gefüttert werden und trotzdem fleißig den Rasen kurzhalten.

Ulrike Tieskötter machte eine Weiterbildung für tiergestützte Pädagogik, die sie im Dezember 2015 nach zwei Jahren als Fachkraft für tiergestützte Interventionen abschloss. Was so sperrig klingt, ist für viele Kinder ein Segen. Die gelernte Arzthelferin sagt: „Das bringt richtig was.“ So habe sie selbst erlebt, wie ein Junge mit Gleichgewichtsstörungen über eine Wippe gehen konnte, nachdem er Vertrauen zu einem Alpaka gefasst hatte, das er an der Leine hielt. Auch sehr zappelige Kinder, kämen durch die ruhigen Tiere selbst zur Ruhe. Woran das liegt? Die Tiere spiegeln ihnen ihr Verhalten. Bleibt ein Kind ruhig, kommt das Alpaka näher und schnuppert. Das motiviert die Kinder. „Die Tiere stärken unheimlich das Selbstbewusstsein“, sagt Ulrike Tieskötter.

Deshalb möchte sie diese Erfahrungen jetzt auch anderen Kindern ermöglichen. In einem VHS-Kurs können Sechs- bis Zehnjährige an drei Vormittagen einen Alpakaführerschein machen. Sie werden viel über die Tiere aus den Anden lernen, sie werden den Umgang mit ihnen üben und mit ihnen Spaziergänge über Wiesen und in den Wald machen.

Auch Familie Tieskötter unternimmt ihre Wanderungen in die Natur mit den beiden Lamas und vier Alpakas an der Leine.

Einzelspaziergänge mögen die Tiere nicht, sie möchten immer in der Herde bleiben. Hunde, die ihren Weg kreuzen, sind für sie wie Pandas – sie rotten sich dann ganz dicht zusammen, um Schutz zu suchen.

Ein ungewöhnliches Bild geben die Tieskötters bei ihren Ausflügen in die nähere Umgebung schon ab. „Die Leute bleiben stehen und gucken“, erzählt Ulrike Tieskötter lachend. Neulich fragte ein Herr, ob er ein Foto machen könnte, seine Frau würde ihm sonst nicht glauben, dass ihm gerade ein Lama über den Weg gelaufen sei.

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