Interview mit Julia Arztmann
„Man kann nichts kaputt oder falsch machen“

Telgte -

Über ein partizipatorisches Projekt sprachen die WN mit der Künstlerin aus Telgte.

Samstag, 02.04.2016, 11:04 Uhr

Stoff und Lampenschirme haben die Telgter für das Projekt gesammelt. Nun gilt es, die Werkstoffe gemeinsam in eine Form zu bringen.
Stoff und Lampenschirme haben die Telgter für das Projekt gesammelt. Nun gilt es, die Werkstoffe gemeinsam in eine Form zu bringen. Foto: Meyer

Bereits seit Monaten arbeitet Julia Arztmann an ihrem Kunstprojekt für die Johanneskirche . Und zwar nicht allein, mit Hilfe vieler Telgter Hände möchte sie für die Kirche eine Skulptur aus Stoff und Lampenschirmen schaffen. Wie die Arbeiten an dem Projekt laufen, wer mitmachen kann und was noch gebraucht wir, darüber sprach unser Redakteur Björn Meyer mit der Telgterin.

Wie viele Stoffe haben sie im Vorfeld des Projektes erhalten?

Arztmann: Es ist schon viel, in Metern kann ich es zwar jetzt nicht genau sagen, aber es sind schon viele, viele Quadratmeter, und auch ganz unterschiedliche Stoffe. Wir haben da in der Tat eine sehr gute Auswahl bereits – es darf aber trotzdem immer noch mehr werden, an Lampenschirmen übrigens auch.

Wie sind Sie überhaupt auf die Idee gekommen, solche ein Projekt in einer gemeinschaftlichen Aktion entstehen zu lassen?

Arztmann: Ich habe so partizipatorische Projekte schon häufiger angeboten, unter anderem vor zwei Jahren in der Überwasserkirche in Münster . Das hat damals nach einem ähnlichen Prinzip funktioniert, aber das Ergebnis war ein anderes. Ich mache das öfter, weil ich es interessant finde, wie sich so etwas mit verschiedenen Charakteren entwickelt und wie Menschen reagieren, wenn sie in eine Situation geworfen werden, in der sie selber mitgestalten dürfen.

Wie sehen diese Reaktionen denn aus?

Arztmann: Die Leute sind erstmal überrascht, dass sie so frei arbeiten dürfen. Ich sage meistens: Gucken Sie mal selber, was Ihnen gefällt, und helfe dann nur bei der Entscheidungsfindung. Dann erzählen mir die Menschen häufig, was sie gerne ausdrücken und umsetzen möchten. Und ich helfe dabei, letztlich alles zusammenzufügen.

Zwei Näh-Termine gab es in Telgte schon. Sind die Telgter anders als etwa die Münsteraner?

Arztmann: Och, eigentlich nicht. Auch hier waren sie überrascht, haben sich aber schnell gefreut, dass sie so selbstständig arbeiten dürfen. Ich glaube, es hat ihnen Spaß gemacht. Mir übrigens auch, vor allem zu sehen, wie sich Dinge entwickelt haben und Leute zusammengearbeitet haben, die sich vorher noch gar nicht kannten.

Haben Sie denn noch Wünsche, wie sich die Gruppe entwickeln soll?

Arztmann: Ich würde mich freuen, wenn auch jetzt noch Leute einsteigen. Es ist jederzeit möglich, dazuzukommen. Am liebsten alle Altersstufen. Kinder, Jugendliche, auch Männer sind herzlich willkommen. Auch die, die nicht näher können.

Wie kann sich jemand einbringen, der nicht nähen kann?

Arztmann: Man kann Stoffe aussuchen, zuschneiden. Jemand hat schon etwas geknotet. Es kann auch geklebt werden.

Sie bieten in Münster Nähekurse an...

Arztmann: Ja, allerdings keine klassischen. Auch da geht es mehr in den künstlerischen Bereich.

Wie sind Sie zum Nähen gekommen?

Azrtmann: Über meine Mutter. Beim Studium in einer Bildhauerklasse habe ich erstmal mit klassischen Werkstoffen gearbeitet. Über die Ideen, die ich hatte, bin ich dann zu anderen Materialien, also auch Stoffen, gekommen.

Warum lohnt es sich, mit dem Nähen anzufangen, auch wenn man es noch nicht kann?

Arztmann: Ich finde, es ist ein super-spannendes Material. Man kann auch nicht viel kaputt oder falsch machen. Wenn etwas nicht passt, kann man die Naht jederzeit wieder auftrennen.

Wie das genau Ergebnis des aktuellen Projekts aussehen soll, ist noch nicht definiert. Gibt es denn Grenzen?

Arztmann: Vermutlich schon. Aber ich kenne die Baupläne des Gebäudes, man hat schon viel Platz, da mache ich mir jetzt keine Sorgen ( lacht ). Es ist aber richtig, zwar habe ich meine Vorstellungen, aber das heißt nicht, dass das Ergebnis mit diesen übereinstimmen wird. Das macht auch die Spannung aus.

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