Seltener schwarzer Humor
Kabarett mit Timo Wopp im Bürgerhaus

Telgte -

Es ist immer gut, wenn Kabarettisten einen Spleen im Gepäck haben. Bei vielen ist es die Stimmparodie – bei Timo Wopp ist es Jonglieren. So wirbelte er am Ende mit glänzenden Kegeln zum „Rocky“-Soundtrack, und das Publikum war aus dem Häuschen. Oder er rauchte zu einem alten France-Gall-Song eine Fluppe und warf sich ein brennendes Streichholz über die Schulter – so lange, bis das Auffangen mit Mund gelingt. „Warum ich das mache? Weil ich es kann!“, grinste der 40-jährige Schmalhans mit der Krawatte und dem jungenhaften Auftreten.

Samstag, 29.10.2016, 19:10 Uhr

Beim Auftritt des Kabarettisten Timo Wopp im Bürgerhaus war das Publikum aus dem Häuschen.
Beim Auftritt des Kabarettisten Timo Wopp im Bürgerhaus war das Publikum aus dem Häuschen. Foto: Zinkant

Aber das Thema seines Programms im Bürgerhaus hieß „Moral – eine Laune der Natur“. Und die Moral hob er genüsslich aus den Angeln. Dabei hatte der Abend durchaus mau begonnen: Als Wopp über Verschwörungstheoretiker witzelte, dumpfbackige Björn-Höcke-Zitate brachte oder die Online-Kommentare von Zeitungen als „Meinungsinkontinenz“ geißelte, fuhr der Spötter noch in politisch korrektem Fahrwasser. Aber dann streute er immer mehr Sätze ein wie: „Recherche ist der Feind der Meinung!“ oder „zu viel Wissen ist auch ‘ne Behinderung“.

Er bekannte freimütig, dass ihn selbstironische Feministinnen völlig irritiert hätten. Damit hatte Wopp ein politisch unkorrektes Witzefeld, das er wonnig beackerte. „Seid ihr in Telgte vorbereitet auf Geschlechterneutralität?“, fragte er mit Unschuldsmiene – und brachte sofort einen sexistischen Schwulenwitz, den er seinen vermeintlichen Gag-Autorinnen in die Schuhe schob. Die seien nämlich 20 Prozent billiger gewesen als männliche (womit er das Thema „Gender-Pay-Gap“ hintersinnig auf die Schippe nimmt). Das gallige Feminismus-Fondue ließ Wopp überkochen, als er Alice Schwarzer aufs Korn nahm, die 1994 Lorena Bobbitt gefeiert hatte, welche ihrem Mann den Penis abgeschnitten hatte. Schwarzers gewaltverherrlichenden Original-Text zitierte Wopp als „Führer-Parodie“ mit typisch rollendem R.

Wahrhaft seltener „schwarzer“ Humor, den Timo Wopp da zelebrierte.

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