Caveman im Bürgerhaus
„Kommste nich´ mit hin“

Telgte -

Auch ein Höhlenmensch kann die Grippe haben, doch von dem Virus wurde der Auftritt des Broadway-Dauerbrenners Caveman in Telgte nicht gestoppt.

Montag, 28.11.2016, 12:11 Uhr

Etwas unerwartet stand Volker Meyer-Dabisch auf der Bühne im Bürgerhaus, für seinen grippeerkrankten Kollegen Guido Fischer war er eingesprungen.
Etwas unerwartet stand Volker Meyer-Dabisch auf der Bühne im Bürgerhaus, für seinen grippeerkrankten Kollegen Guido Fischer war er eingesprungen. Foto: Zinkant

Der Höhlenmann ist ein Erfolgsmodell, daran ist nicht zu rütteln. Nicht nur, dass er seit der Steinzeit auf die Jagd geht, um Frau und Kind zu beschützen – seit 1995 hat der „ Caveman “ vom Broadway aus die Bühnen der Welt erobert. Auch in Telgte verkündete er jenes Motto, das er tief verinnerlicht hat und das den Unterschied zur Höhlenfrau markiert: „Du sammeln. Ich jagen!“ Das Stück von Rob Becker (Deutsch von Kristian Bader) wird seit über 20 Jahren nonstop am Broadway gespielt und kam auch im Bürgerhaus Telgte toll an.

Aber selbst der moderne Caveman mit Zentralheizung kann sich eine Grippe zuziehen – und so wurde der angekündigte Guido Fischer vom Kollegen Volker Meyer-Dabisch vertreten. Der brachte seine ewig gültigen Steinzeit-Pointen mitreißend über die Rampe.

Allerdings: Für den Nachfahren jenes Neandertalers, dessen Speer er mehr maulend als protzend hochhält, ist dieser „Tom“ alias Meyer-Dabisch ein recht sensibler Geselle. Eigentlich würde er seiner Heike, die ihn just vor die Tür gesetzt hat, ja gern alles recht machen! Aber wie? Er steht bedröppelt vor der Haustür und versteht die Welt nicht mehr. Da kann er auch gleich mit den vielen Schaulustigen, die da zufällig vor ihm Platz genommen haben, etwas plaudern. Und schwadronieren.

Das gehört zum Spaß dazu – die Lachwilligen beiderlei Geschlechts direkt anzusprechen, ihnen einen Kalauer aus der Nase zu ziehen oder einfach sein Leid zu klagen. Nachdem die „68er“ ihre Vaterkonflikte ausgefochten hätten, habe für alle Nachgeborenen die Erforschung ihrer femininen Seite begonnen. War der Sixties-Kerl noch auf der Harley unterwegs, so galt in den Siebzigern Woody Allan als Sexsymbol! Die Achtzigerjahre führten den modernen Höhlenmann dann endgültig aufs Abstellgleis. Da konnte jedes Türaufhalten bei einer Frau zum Fettnäpfchen werden – und das Unterlassen der Höflichkeit ebenso.

Die vielen Klischees, die der Männer-Monolog hier aufmarschieren lässt, sind bekannt und im Detail doch witzig. Insbesondere die Kommunikation wird genüsslich zerpflückt. Denn die ewige Sammlerin Frau sammelt nicht nur Nahrung oder Handtaschen, sondern auch Informationen und Komplimente. Da kann der maulfaule Jäger Mann nur ins Abseits geraten. Während ein Mann durchschnittlich nur 2000 Wörter täglich spreche, seien es bei der Frau stolze 7000, verrät der Caveman. Da platzte ein Kerl aus dem Publikum heraus: „Kommste nich´ mit hin!“

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