Eva-Maria Eligehausen geht nach 40 Jahren als Lehrerin in Ruhestand
„Endlich mal richtig ausschlafen!“

TELGTE -

Vier Jahrzehnte, davon 28 Jahre an der Don-Bosco-Schule: Eva-Maria Eligehausen hat Generationen von Telgtern unterrichtet. Ende Januar ist Schluss damit.

Mittwoch, 28.12.2016, 06:12 Uhr

Auch in der Bücherei der Don-Bosco-Schule hat Eva-Maria Eligehausen wertvolle Arbeit geleistet.
Auch in der Bücherei der Don-Bosco-Schule hat Eva-Maria Eligehausen wertvolle Arbeit geleistet. Foto: Peter Sauer

Schon beim Studium wusste sie: Die Arbeit mit Kindern macht ihr deutlich mehr Spaß, als sich in die Werke von William Shakespeare zu vertiefen. „Ich wollte möglichst schnell vor Schülern stehen.“ Und so wurde Eva-Maria Eligehausen Lehrerin. Das war vor genau 40 Jahren. Regierungspräsident Dr. Reinhard Klenke gratulierte der Don-Bosco-Lehrerin jüngst zum runden Jubiläum im öffentlichen Schuldienst NRW. Und die 63-Jährige hat einen weiteren Grund zum Feiern: Am 31. Januar geht sie in ihren wohlverdienten Ruhestand .

Die gebürtige Lüdinghauserin wollte immer schon Lehrerin werden. Nach dem Studium in Münster unterrichtete sie zunächst sechs Jahre an der Hauptschule Herzebrock, danach sechs Jahre an der damaligen Josef-Annegarn-Hauptschule in Ostbevern. Die vergangenen 28 Jahre war die Don-Bosco-Schule ihr berufliches Zuhause.

„Die Schüler haben sich verändert, sind selbstbewusster geworden“, sagt sie. Ein Grund dafür: Die Familien seien kleiner geworden. „Die Kinder sind anders als früher, individueller.“ Was bedeutet das für eine Lehrerin, die schon einige Tausend Kinder unterrichtet hat? „Man muss sich heutzutage um jedes Kind mehr kümmern, mehr betütteln“, findet Eligehausen.

Etwas Negatives ist das für die Lehrerin freilich nicht, eher eine Herausforderung. Und Herausforderungen hatte Eva-Maria Eligehausen viele in ihrer Schullaufbahn. Zahlreichen Schülergenerationen hat sie Bildung und Erziehung nähergebracht. „Einmal traf ich eine Frau mit ihrem Kind. Das Gesicht des Kindes kannte ich. Ich hatte damals auch schon die Mutter unterrichtet.“ Stets mit viel Spaß bei der Sache und großem Interesse an den Schülern gestaltete Eva-Maria Eligehausen ihren Unterricht, außerdem prägte sie die Schulbücherei mit.

Veränderungen des Schulunterrichts in Form und Inhalt fand die Pädagogin rückblickend nicht schlecht: „Den klassischen Frontalunterricht gibt es heutzutage nur noch in Englisch.“

An der Don-Bosco-Schule hat sie gerne unterrichtet: „Diese Schule ist schon besonders. Das Kollegium hält sehr gut zusammen. Die Leitung achtet zudem auf alles sehr gut.“

Mitgemacht hat die Mutter zweier Töchter als Klassenlehrerin der Don-Bosco-Viertklässler auch beim „Klasse“-Projekt, bei dem die Westfälischen Nachrichten den Schülern die Welt des Zeitungmachens näherbringen.

Doch Eligehausen blickt auch kritisch auf ihre Arbeit und die Anforderungen: „Schule ist im Laufe der Jahre immer bürokratischer geworden. Konferenzen beanspruchen eine immer größere Zeit.“ Weniger Angst habe sie da schon vor den Streichen der Schüler. Nur einmal fuhr ihr der Schreck in die Glieder: „Als ich an der Hauptschule in Ostbevern unterrichtet habe“, erinnert sich Eva-Maria Eligehausen, da haben mir die Schüler einen Streich gespielt. Unter meinem Kakaobecher lag eine tote Maus, und ich ekele mich so sehr vor Mäusen.“

Insgesamt blickt Eva-Maria Eligehausen aber sehr positiv auf vier Jahrzehnte Schuldienst zurück: „Schulzeit war für mich immer erlebnisreich, weil jeden Tag etwas Neues auf einen zukommt. Kein Tag war wie der andere“, blickt die Bald-Pensionärin zurück. Und wo hat sie Kraft getankt für Schule? „Ich genieße den Rückhalt meiner Familie.“ Ich bin vor zwölf Jahren auf den Hund gekommen, bin täglich eine Stunde mit dem Hund im Wald und lese gerne historische Romane, Krimis und E-Books.“

Worauf sie sich am meisten freut, wenn zum 1. Februar der Ruhestand kommt? „Das frühe Aufstehen hat mich immer am meisten gestört“, sagt Eligehausen mit einem Lächeln, „ich werde in Zukunft erstmal richtig ausschlafen.“

Am 31. Januar werden alle 200 Schüler der Don-Bosco-Schule sie mitsamt Kollegium verabschieden. Eligehausen hat für diesen Tag einen Wunsch: „Ich hoffe, es geht schnell. Sonst macht es mich zu rührselig.“

Als Ruheständlerin will sie zunächst ihr heimisches Arbeitszimmer entrümpeln. Wenn ihr Mann, Lehrer an der Friedensschule in Münster, in sechs Monaten pensioniert wird, gehe es los: „Per Wohnwagen wollen wir eine Tour am Rhein entlang machen und uns die Weltkulturerbe-Städte Deutschlands anschauen.“

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