Glück zum Anfassen
Reiner Klemann und Herbert Fehmer sind Schornsteinfeger

Telgte -

Wildfremde Menschen die sie anfassen oder bitten, ihren Lottoschein auszufüllen. Wer als Schornsteinfeger arbeitet erkennt schnell die kleinen Besonderheiten seines Berufs.

Dienstag, 03.01.2017, 07:01 Uhr

Glücksbringer: Schornsteinfegermeister Reiner Klemann und Bezirksschornsteinfegermeister Herbert Fehmer (r.).
Glücksbringer: Schornsteinfegermeister Reiner Klemann und Bezirksschornsteinfegermeister Herbert Fehmer (r.). Foto: Peter Sauer

Sie steigen den Menschen aufs Dach und schrecken auch vor Politikern nicht zurück. Denn sie wollen zum Kamin. Und der befindet sich ja nun mal bei den meisten Häusern oben auf dem Dach. So besteigen Schornsteinfegermeister Reiner Klemann und Bezirksschornsteinfegermeister Herbert Fehmer , beide zuständig für die Telgter Kehrbezirke, auch ganz ohne Netz und doppelten Boden munter das Dach des Telgter Rathauses.

„Zweitjob“: Glücksbringer

Gerade zwischen den Jahren oder vor Hochzeiten und Geburten sind die Schornsteinfeger aber auch in ihrem seit alters her überlieferten „Zweitjob“ unterwegs: Als Glücksbringer.

„Die Leute kommen auf uns zu, lächeln und fragen, ob sie uns mal anfassen dürfen. So an der Seite. Sie meinen das bringt Glück“, berichtet Herbert Fehmer. „Manche wollen auch an den goldenen Knöpfen unser Jacke reiben“, ergänzt sein Kollege Reiner Klemann.

Das tollste Erlebnis

Das tollste Erlebnis hatte er mal frühmorgens an einem Kiosk. Da kam plötzlich jemand auf ihn zu und bat ihn für sich einen Lottoschein auszufüllen, denn ein Schornsteinfeger bringe ja bekanntlich Glück. In der Tat. „6000 Euro hat er mit meinen Zahlen gewonnen“, sagt Klemann, der für seine richtigen Zahlen zwar kein Geld, aber eine kleine Aufmerksamkeit bekam.

Brandschutz eine der zentralen Aufgaben

Als Schornsteinfeger habe man viele Berührungen und soziale Kontakte mit Menschen. „Das ist sehr wichtig“, sagen Klemann und Fehmer. Beide lieben ihren Job. Nicht nur, weil sie gerne auf Dächern herumkraxeln. „Schornsteinfeger zu sein macht einfach Spaß, auch weil wir unsere Arbeit selbst einteilen können und wir relativ viele Freiheiten haben“, sagt Reiner Klemann. Sie schätzen auch die Vielfalt ihrer Arbeit, zu der auch der Umgang mit Schadstoffen wie Asbest, Kohlenmonoxid und Ruß gehört. Der Brandschutz ist eine ihrer zentralen Aufgaben. Dazu kontrollieren und reinigen sie Feuer- und Lüftungsanlagen. Zudem messen und prüfen sie die Abgase, um eine störungsfreie und umweltverträgliche Funktionalität der Anlagen zu gewährleisten.

In den letzten Jahren wurde auch die Energieberatung, der Umgang mit Kaminöfen und die Beschäftigung mit Asbest und Feinstaub immer wichtiger. Nachwuchsprobleme kennen sie nicht. „Schön ist auch, dass immer mehr Frauen den Beruf für sich entdecken“, sagt Fehmer.

Gute Nerven

Die beiden „Glücksbringer“ haben auch selbst Glück: Klemann wurde von einem plötzlich hereinbrechenden Schneesturm überrascht: „Ich habe ein paar Dachpfannen hochgehoben und fand dort Schutz.“ Gute Nerven stellte er auch unter Beweis, als er hoch oben auf der Suche nach einem Dohlennest war: „Erst kreisten drei Dohlen um mich herum. Urplötzlich waren es 20 bis 25 Dohlen, die ganz dicht über mir flogen und laut kreischten.“ Kollege Fehmer ergänzt mit einem Seitenblick schmunzelnd: „Das klingt ja wie bei Alfred Hitchcocks Film ‚Die Vögel‘.“

Aber auch am Boden lebt es sich für einen „Glücksbringer“ nicht ganz ungefährlich: „Eine Oma hat mich mal versehentlich im Keller eingeschlossen und ist dann einkaufen gegangen“, berichtet Herbert Fehmer. Zum Glück konnte ich per Handy den Nachbarn erreichen, der mich dann befreite.“

Schornsteinfeger-Duo wünscht ein frohes neues Jahr

Zum gerade begonnenen Jahr wünscht das Schornsteinfeger-Duo allen Lesern der Westfälischen Nachrichten : „Ihnen allen ganz viel Glück!“ Und was wünschen sie sich selbst? „Gesundheit. Einfach nur Gesundheit!“, sagen beiden unisono. „Mehr nicht.“

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