Ehrenamtliche Müllsammlerin
Handeln statt philosophieren

Telgte -

Zwei Mal die Woche sammelt Annette Siemes aus eigenen Stücken Müll in öffentlichen Grünflächen und an Wegesrändern.

Freitag, 31.03.2017, 05:03 Uhr

Annette Siemes ist zwei Mal in der Woche ehrenamtlich in Telgte unterwegs, um Müll zu sammeln.
Annette Siemes ist zwei Mal in der Woche ehrenamtlich in Telgte unterwegs, um Müll zu sammeln. Foto: Große Hüttmann

Telgte von unten“ hat Annette Siemes ein wenig scherzhaft ihre kleines Projekt getauft. Denn „Telgte von unten“ erlebt die Rentnerin zwei Mal in der Woche bei ihren Streifzügen durch die Grünanlagen. Dabei fördert sie den Müll der Wegwerfgesellschaft wieder zu Tage: Hundekotbeutel, Flaschen, Einmaltaschentücher, Verpackungen und vieles mehr sammelt sie dabei ein – ehrenamtlich.

Eigentlich vermeidet die Wahl-Telgterin, die lange Zeit in Augsburg gelebt hat, Aufsehen um ihr Engagement und ihre Person. „Das ist mir ein wenig unangenehm, ich bin sicher nicht die Einzige“, sagt sie daher gleich zu Beginn des Gesprächs.

Wenige Tage nachdem die Annette Siemes nach Telgte umgezogen war, unternahm sie einen Spaziergang in Richtung Emsauen und kam dabei am Rathaus-Parkdeck vorbei. „Als ich den Müll in den Gebüschen dort gesehen habe, habe ich gedacht: Telgte ist so eine schöne Stadt, da muss doch so etwas nicht sein“, erinnert sie sich.

Statt lang und breit über die Gründe zu philosophieren packte Annette Siemes einfach an. Sie wandte sich an die Verwaltung, stellte ihr Anliegen vor und war bereits am Tag darauf mit einer Müllzange und Säcken ausgerüstet in den Anlagen unterwegs.

Zwei Mal in der Woche, jeweils drei bis vier Stunden lang, nimmt sich die Rentnerin öffentliche Grünflächen und Wegesränder vor.

Gerade erst hat sie den 500. Müllsack befüllt. Bei ihrem Projekt arbeitet sie eng mit der Stadt zusammen. Sobald ein weiterer Sack voll ist, informiert sie den Bauhof per Mail über den Standort. Der übernimmt dann den Abtransport.

Das Tun der Neu-Telgterin zeigt Wirkung. „Wenn ich einen Bereich gereinigt habe, dann habe ich durchaus das Gefühl, dass die Hemmschwelle hoch ist, einfach etwas wegzuwerfen“, sagt sie. Positive Rückmeldungen bekomme sie zudem viele. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihr die Idee einer gebürtigen Telgterin, die seit Jahrzehnten in Kanada lebt und bei einem Besuch in der Emsstadt die Aktion von Annette Siemes beobachtete. In Kanada gebe es Patenschaften für Straßen, um den Müll zu beseitigen. „Vielleicht wäre das auch etwas für Telgte?“, sagt die Rentnerin, die auf Nachahmer hofft.

Von pädagogischen Belehrungen hält die Rentnerin indes nicht viel. Sie ist vielmehr der Überzeugung, dass gute Beispiele zum Umdenken beitragen. „Ich bin froh, dass ich als Zeichen gegen mein Unverständnis über die Wegwerfgesellschaft etwas tun kann“, sagt sie und greift wieder zur Müllzange. Denn Unrat gibt es leider genug in Telgte zu finden . . .

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