Ausstellung im Kunstgarten
„Das hat gebrannt in mir“

Telgte -

Ludmila Dema malt gerne Bilder. Doch nicht nur das, ihre Kunst beginnt schon vor dem ersten Pinselstrich. Die Werke der Telgterin sind nun in ein einer Ausstellung zu sehen.

Donnerstag, 27.04.2017, 07:04 Uhr

Ludmila Dema vor dem Porträt ihrer Tochter, das auf ganz ungewöhnlichem Untergrund entstanden ist.
Ludmila Dema vor dem Porträt ihrer Tochter, das auf ganz ungewöhnlichem Untergrund entstanden ist. Foto: Meyer

„Eigentlich“, sagt Ludmila Dema , stutzt kurz und setzt neu an: „Eigentlich habe ich schon immer gemalt.“ Nur die Wertschätzung hat sich im Laufe der Zeit geändert, denn während das Kind Ludmila zu Hause schon mal Ärger bekam, wenn sie mal wieder auf die Wände gemalt hatte, gibt es für die Bilder der erwachsenen Frau bereits Kaufanfragen. Am Wochenende, 29. und 30. April, sind einige ihre Bilder im Kunstgarten Lauheide zu sehen.

„Ein Jahr habe ich die Ausstellung vorbereitet“, sagt Dema und blickt im Keller eines Telgter Geschäfts, wo sie ihr Atelier eingerichtet hat, auf eines ihrer Werke. Die 1985 im russischen Labinsk geborene Künstlerin wohnt seit mehr als drei Jahren mit ihrer Familie in Telgte . Die Mutter von einem Sohn (7) und einer Tochter (5) sagt: „Wir fühlen uns hier sehr wohl und angekommen.“

Vor einem Jahr habe sie sich selbstständig gemacht mit der Malerei, doch die Ausstellung am Wochenende ist keineswegs ihre Erste. Schon im Alter von zehn Jahren gewann Ludmila Dema in Russland Kunstpreise, erst lokal, dann national. „Mit 13 oder 14 hatte ich meine erste Ausstellung“, sagt Ludmila Dema. Mit 15 machte sie in Russland ihr Abitur, begann Informatik zu studieren. Als sie 17 war, zog ihre Familie nach Deutschland. „Da hab ich meinen Eltern dann gesagt, dass Informatik nicht das Richtige für mich ist“, sagt Dema und lächelt sanft.

Ihre Kunst beginnt dabei noch weit vor dem ersten Pinselstrich , denn ihre Leinwände stellt sie selber her. Aus unterschiedlichen Materialien, so entstand etwa ein Porträt ihrer Tochter auf einer Leinwand, die eigentlich der raue Stoff eines Kaffeebohnensacks ist. „Man denkt ja, dass so etwas Feines, Strahlendes auf so einem rauen Untergrund gar nicht geht“, sagt Dema und ergänz: „Mir ist es wichtig, dass meine Bilder vom ersten bis zum letzen Moment von mir stammen.“

Ludmila Dema wirkt beim Besuch ihres Ateliers zurückhaltend, fast ein bisschen schüchtern. Doch wenn sie über ihre Kunst spricht, dann sprudeln die Gefühle nur so aus ihr heraus. Letztens sei ihr auf dem Nachhauseweg die Idee zu einem Bild gekommen. „Ich hatte aber keine passende Leinwand in der Größe da, also musste ich zwei Tage warten.“ Schmerzhaft sei das gewesen: „Das hat richtig gebrannt in mir“, erzählt sie offen.

Wer die Ausstellung am Wochenende besucht, der, so hofft es Dema, soll Zeit mitbringen. „Je mehr man schaut, desto mehr öffnet sich“, sagt sie. Dabei sei die Ausstellung unter der Überschrift „Schau nicht weg“, so gestaltet, dass die Bilder den Betrachter von Raum zu Raum immer mehr fordern würden. Dabei sollen der Fantasie allerdings keine Grenzen gesetzt werden – im Gegenteil: „Ich würde mich freuen, wenn die Leute sich etwas eigenes unter den Bildern vorstellen.“ 

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4791710?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F106%2F191%2F4852585%2F4894354%2F
Nachrichten-Ticker