Interview mit Propst Dr. Michael Langenfeld
Mischung aus Stille, Gebet und Gesang

Telgte -

Über die beginnende Wallfahrtssaison und die veränderten Gewohnheiten der Wallfahrer äußerte sich Propst Dr. Michael Langenfeld im Gespräch mit den Westfälischen Nachrichten.

Samstag, 29.04.2017, 11:04 Uhr

Propst Dr. Michael Langenfeld (l.) - hier beim Einzug der Osnabrücker – freut sich auf die neue Wallfahrtssaison, die am heutigen Samstag mit einem Festgottesdienst und einer anschließenden Lichterprozession eröffnet wird.
Propst Dr. Michael Langenfeld (l.) - hier beim Einzug der Osnabrücker – freut sich auf die neue Wallfahrtssaison, die am heutigen Samstag mit einem Festgottesdienst und einer anschließenden Lichterprozession eröffnet wird. Foto: Große Hüttmann

Mit einem feierlichen Gottesdienst um 20 Uhr in der Propsteikirche wird am heutigen Samstag die Wallfahrtssaison eröffnet. Andreas Große Hüttmann sprach mit Propst Dr. Michael Langenfeld über die neue Saison aber auch die Wallfahrt allgemein.

Herr Propst, freuen Sie sich auf die neue Wallfahrtssaison?

Dr. Michael Langenfeld: Ich freue mich sehr, denn inzwischen sind mir einige regelmäßige Wallfahrer und Pilger auch persönlich bekannt. Das Wiedersehen mit ihnen hat inzwischen so etwas Heimatliches und Verbindendes.

In den vergangenen Jahren konnte man den Eindruck gewinnen, dass die Zahl der Busgruppen abnimmt, die der Einzelpilger und Kleingruppen wiederum zunimmt. Ist das so?

Langenfeld: Das kann ich bestätigen. Es gibt ein Bündel von Gründen, warum die Buspilger an Werktagen rückläufig sind. Bei den Frauengruppen spielt die zunehmende Berufstätigkeit eine Rolle, bei vielen Senioren die deutlich gestiegenen Buspreise. Dazu kommt die oft ungeklärte Situation in den fusionierten Pfarreien, wer wann wohin eine Wallfahrt organisiert und ob überhaupt ein Geistlicher diese kleinen Wallfahrten noch begleitet. Einzelpilger hingegen und kleinere Gruppen, die zu Fuß oder mit dem Rad nach Telgte kommen, nehmen deutlich zu. Sie schätzen die Freiheit, ihren Pilgerweg und ihr Programm vor Ort individuell zu gestalten.

Was macht Ihrer Meinung nach den besonderen Reiz des Wallfahrens aus?

Langenfeld: Beim traditionellen Wallfahren in größeren Gruppen ist es meines Erachtens die Gemeinschaftserfahrung, der Reiz, seine eigenen körperlichen und mentalen Grenzen auszuloten, und das nicht alltägliche Gefühl, vom Singen und Beten der anderen in einem umfassenden Sinne mitgetragen zu werden. Beim Pilgern Einzelner oder kleinerer Gruppen ist es vermutlich beinahe das Gegenteil: Die unmittelbare Erfahrung der Schöpfung, der Stille und des Alleinseins.

Können Sie erklären, warum gerade die großen Fußwallfahrten, vor allem die Osnabrücker, seit Jahren neue Teilnehmerrekorde bricht?

Langenfeld: Meine Vermutung ist, dass sich die Menschen in einer immer individueller werdenden Gesellschaft nach Formen der Gemeinschaftserfahrung sehnen, die ihnen einen möglichst unkomplizierten Einstieg und ebenso einen solchen Ausstieg ermöglicht. Viele beschreiben das Wallfahren ja als eine Erfahrung, einfach mitgenommen und mitgetragen zu werden.

Eine Gruppe von Gemeindemitgliedern ist seit einiger Zeit dabei, neue Ansätze für die „Wallfahrt von morgen“ zu entwickeln. Was ist geplant?

Langenfeld: So programmatisch haben wir das selbst nicht bezeichnet. Aber es stimmt: Es gibt seit gut drei Jahren einen sehr engagierten Ausschuss des Pfarreirates, der sich Wallfahrer- und Pilgerseelsorge nennt und sich zur Aufgabe gemacht hat, den traditionellen (Fuß)wallfahrten organisatorisch-technische sowie spirituelle Hilfen anzubieten und neue, mehr zielgruppenorientierte Wallfahrten zu initiieren. Er will für Einzelpilger, Jakobspilger und suchende Menschen mehr geistliche Angebote schaffen sowie Gemeindemitglieder und Pilger wieder enger zusammenführen.

Worauf freuen Sie sich in dieser Wallfahrtssaison besonders?

Langenfeld: Erst einmal freue ich mich, dass wir die erste Phase der Kapellensanierung fast abschließen konnten, nur der Einbau der neuen Opferkerzenständer verzögert sich leider. Für die großen Wallfahrer- und Opferkerzen haben wir provisorisch einen kleinen gläsernen Raum auf dem Kirchplatz aufstellen lassen. Ich bin gespannt, ob er auch genutzt wird. Meine größte Freude ist, in der Wallfahrtszeit wieder in diese für Telgte typische Mischung aus Stille, Gebet und Andacht einerseits und kräftigem Gesang und Gebet und munterem Pilgertreiben andererseits hineingenommen zu werden. Ich freue mich auf die Wallfahrt 2017.

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