Kutschenwallfahrt
Spektakel auf Holzrädern

Telgte -

80 Gespanne kamen zur Kutschenwallfahrt nach Telgte.

Freitag, 26.05.2017, 17:05 Uhr

Vertreter der Kirchengemeinde St. Marien, des Reit- und Fahrvereins Gustav Rau Westbevern und der Stadt Telgte nahmen zusammen mit Bischof Dr. Felix Genn gemeinsam in einer Kutsche Platz.
Vertreter der Kirchengemeinde St. Marien, des Reit- und Fahrvereins Gustav Rau Westbevern und der Stadt Telgte nahmen zusammen mit Bischof Dr. Felix Genn gemeinsam in einer Kutsche Platz. Foto: Pohlkamp

Seit 1988 gibt es die Telgter Kutschenwallfahrt ununterbrochen immer an Christi Himmelfahrtstag. Dieses Mal waren es 80 Gespanne aus dem Emsland, dem Sauerland, Ostwestfalen sowie dem Münsterland, die nach Telgte gekommen waren. Hermann-Josef Schulze Hobbeling, Mitinitiator dieser mit hohem Aufwand betriebenen Veranstaltung im Pappelwald, ist seit der Geburtsstunde dabei, während Bischof Dr. Felix Genn bei der diesjährigen Kutschenwallfahrt seine persönliche Premiere erlebte. „Ich bin gerne nach Telgte gekommen und gespannt, was mich bei meiner ersten Kutschenwallfahrt erwartet,“ zeigte sich der Bischof voller Vorfreude in seiner Begrüßung.

Unter freiem Himmel auf der Bühne im Pappelwald fand die Wallfahrtsmesse statt. Mehr als 1000 Pilger und viele Telgter feierten mit Bischof Dr. Felix Genn und Propst Dr. Michael Langenfeld den Gottesdienst. Musikalisch umrahmt wurde diese Feier von der Naturhorngruppe der Jagdhornbläser Hubertus aus Coesfeld und den Naturhornbläsern aus Gelmer. „Wir sind stolz darauf, den Bischof in Telgte zu begrüßen,“ freute sich Bürgermeister Wolfgang Pieper.

Bei schönstem Wetter hatten sich am Morgen viele hundert Pilger in ihren 80 Kutschen aus allen Himmelsrichtungen auf den Weg nach Telgte gemacht. Allein 47 Gespanne waren bereits am Tag zuvor auf dem Hof Schulze Hobbeling in Westbevern-Vadrup eingetroffen, um sich auf diesen Festtag einzustimmen. Die mehr als 40 Organisatoren und Helfer des Reitervereins Gustav Rau Westbevern und der Stadt waren bestens vorbereitet, um den Gästen an diesem Tage ein Event zu bieten.

30. Kutschenwallfahrt

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Nach einer Mittagspause und einer Marienandacht auf der Planwiese waren die Kutschen geschmückt und für die Präsentation verbreitet. Zahlreiche Zuschauer hatten sich bereits in Bühnennähe im Pappelwald versammelt, um die Kutschen zu betrachten und den Worten von Hermann-Josef Schulze Hobbeling zu lauschen, der jede Kutsche vorstellte. Jedes Gespann hielt kurz vor der Bühne an und Schulze Hobbeling fand in seiner gewohnt launigen und zugleich fachkundigen Art immer wieder Worte, die die Zuschauer zum Lachen und Staunen brachten.

Die prächtig geschmückten Landauer, Wagonetten, Gigs, Federwagen und Münsterländer Jagdwagen, teilweise aus dem 19. Jahrhundert, begeisterten ebenso wie die Pferde: Friesen, Isländer, Fjordpferde, Haflinger oder Ponys.

Ausgezeichnet wurde die größte Gruppe. Sie kam aus Nordwalde mit elf Gespannen, gefolgt von einer Museumsgruppe mit acht, Wettringen mit sieben, Emsdetten und Warendorf mit jeweils sechs Gespannen. Acht Kutschen hatten Heimrecht: Fünf kamen aus Telgte, drei aus Westbevern.

Prämiert wurden einige besondere: Martin Lilienbecker aus Hoetmar nahm mit einem Bestattungswagen der Firma Huerkamp aus dem Jahr 1882 teil. Martin Knoche aus Oelde präsentierte einen Materialwagen des Deutschen Roten Kreuzes aus dem Jahre 1885. Roswitha Schaffrath aus Erwitte erhielt Anerkennung für ihre Linzer Wagonette und ein original bayerisches Kumtgeschirr. Dirk Morkötter aus Osnabrück glänzte mit einer historischen Postkutsche. Dirk Morkötter ist der einzige Fahrer, der an allen 30 Kutschenwallfahrten teilgenommen hat. Heimrecht genoss Johannes Gerkmann mit seiner französischen Vis á Vis-Kutsche und einem fünf Jahre alten Warmblut.

Das Kutschenkorso wurde angeführt mit einem Landauer aus dem 19. Jahrhundert vom Reit- und Fahrverein Gustav Rau Westbevern. In der Kutsche saßen neben Bischof Dr. Felix Genn und Propst Dr. Michael Langenfeld auch Bürgermeister Wolfgang Pieper und die Vorsitzende des Reitervereins Gustav Rau Westbevern, Petra Weiligmann.

Tausende Besucher, mehr als 5000 insgesamt so Schulze Hobbeling, säumten die Straßen, applaudierten und zeigten sich erstaunt und begeistert von der Vielfalt der Kutschen und der Pferde, der Haflinger und der Ponys.

Bilanz des Tages: Ein begeisterter Bischof, eine seliger Propst, ein stolzer Bürgermeister und zufriedene Gesichter bei den Verantwortlichen, wie bei Gabi Wilken von Tourismus & Kultur: „Alles lief reibungslos, eine tolle Veranstaltung.“ Hermann-Josef Schulze Hobbeling: „Es herrschten ideale Wetterbedingungen für Tiere und Menschen. Die Teilnehmerzahl von 80 Kutschen ist gewaltig. Mein Dank geht an die Mitarbeiter des Bauhofes und der Stadt, die die Planwiese bestens vorbereitet, die Straßen gesperrt und für Sicherheit während des Korsos gesorgt haben.“

Alle Fahrer, Mitfahrer und Helfer feierten am Abend auf dem Hof Schulze Hobbeling in Westbevern-Vadrup einen geselligen und gemütlichen Ausklang. Abschied von Telgte nahmen viele „Kutschen-Wallfahrer“ erst am gestrigen Freitagmorgen nach einem gemeinsam Frühstück.

 

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