Hobbyforscher aus Telgte
Ein Kenner der Gletscher dieser Welt

Westbevern -

Seit mehr als 50 Jahren ist die Beschäftigung mit den Gletschern auf der Erde eines der großen Hobbys von Josef Henkel aus Westbevern.

Samstag, 23.09.2017, 08:09 Uhr

Josef Henkel beschäftigt sich seit mehr als fünf Jahrzehnten mit dem Thema Gletscher. Er hat schon zahlreiche erforscht, das große Bild zeigt ihn an der Nordseite des Großvenedigers. Am heimischen PC hat er im Laufe der Jahre ein Bildarchiv mit rund 3000 Aufnahmen angelegt. Einige Bergtouren führten ihn dabei auch durch den Schnee.
Josef Henkel beschäftigt sich seit mehr als fünf Jahrzehnten mit dem Thema Gletscher. Er hat schon zahlreiche erforscht, das große Bild zeigt ihn an der Nordseite des Großvenedigers. Am heimischen PC hat er im Laufe der Jahre ein Bildarchiv mit rund 3000 Aufnahmen angelegt. Einige Bergtouren führten ihn dabei auch durch den Schnee. Foto: privat

Der Blick in alte Karten gab den Ausschlag: Als Josef Henkel 1963 als 17-Jähriger zusammen mit seinem Vater eine Eiswanderung auf dem Tuxer Gletscher im Zillertal unternahm, war er überrascht. Obwohl der Gletscher damals noch groß und prächtig aussah, stellte der Westbeverner eine Veränderung gegenüber dem Kartenmaterial fest. Der Gletscher war ursprünglich noch sehr viel größer.

Eine Erkenntnis, die Josef Henkel nicht mehr losließ. Seit mehr als 50 Jahren ist die Beschäftigung mit den Gletschern auf der Erde eines der großen Hobbys des ehemaligen Leiters der Stadttouristik. Zahllose Bergtouren und Gletscherwanderungen hat er bisher unternommen und viele Fotos gemacht, um die Veränderungen im Laufe der Jahre und Jahrzehnte zu dokumentieren. Fast 3000 Aufnahmen hat er aktuell auf seinem Rechner, und zu jeder weiß er eine Geschichte und Hintergründe zu erzählen. Um seine Leidenschaft und die Erkenntnisse seiner jahrelange Beschäftigung mit dem Thema anderen zu vermitteln, arbeitet Henkel an einem Buch. „Das Werden und Vergehen der Gletscher – eine kleine Geschichte der Glaziologie“ soll das Werk heißen.

„Gletscher gehören zu den großartigsten Naturwundern. Sie faszinieren mich durch ihre Farben, ihre Bewegung, ihr Vorrücken und ihr Schwinden“, sagt der passionierte Bergsteiger. Doch bei aller Faszination, in seinen Worten schwingt auch eine große Besorgnis mit. „Die Alpen ohne Firn und Eis – früher kaum vorstellbar –, in Zeiten der globalen Erwärmung aber ein Szenario, das in 100 Jahren wahrscheinlich sein wird“, sagt der Westbeverner und schaut mit Wehmut auf die Bilder auf seinem Rechner.

Und spätestens beim Durchklicken der Aufnahmen wird der Unterschied alleine in den vergangenen rund fünf Jahrzehnten in vielen Fällen offenbar. Josef Henkel zählt sofort Beispiele auf: „Auf dem Tsanfleuren-Gletscher in der Schweiz wurde Anfang Juli ein seit 75 Jahren vermisstes Ehepaar gefunden, das die zurückgehenden Eismassen wieder freigegeben haben. Anfang August wurde ein seit 1987 vermisster Bergsteiger auf dem Hohllaub-Gletscher im Wallis entdeckt.“

Doch für den Hobby-Gletscherforscher sind es nicht nur solche Beispiele, die die Veränderungen aufzeigen. „Auch der schwindende Permafrost in den Alpen zeigt jetzt eine enorme Wirkung. So wurde Mitte August der Ort Bondo in Graubünden von einem Bergsturz mit Schlammlawine heimgesucht. „Tauender Permafrost in den Gebirgsmassiven ist und wird zu einer ernsten Bedrohung der Alpentäler“, ist Henkel überzeugt.

Ende der 60er und in den 70er Jahren war er als Bergsteiger auf etlichen Drei- und Viertausendern. Mitte der 70er Jahre zudem auf Trekkingtouren im Himalaya unterwegs. „Es war eine tolle Zeit, und die Gletscher erholten sich in jener Spanne sogar ein wenig. Spätestens ab dem Jahr 2000 nahm der Gletscherschwund aber dramatische Ausmaße an. Seit dem ist bereits ein Drittel des Eises – nicht nur in den Alpen – verschwunden“, sagt Henkel. Einige kleine Gletscher hätten sich bereits komplett aufgelöst.

Besonders dramatisch wirke sich der Rückgang der tropischen Gletscher aus. „In zehn bis 15 Jahren dürfte das Eis dort verschwunden sein“, ist der Westbeverner überzeugt. Auch in den Anden, den Rocky Mountains und Alaska sei der Rückgang in vollem Gange. Sogar das riesige Patagonische Eisfeld an der Südspitze Südamerikas sei betroffen.

Die Verursacher des Ganzen sind für Josef Henkel „die Menschen mit den von ihnen erzeugten Belastungen der Atmosphäre“. Während früher natürliche Ursachen wie Vulkanausbrüche und Veränderungen der Sonnenintensität für ein langsames Ändern des Klimas verantwortlich gewesen seien, habe sich dieses verändert.

Beim Thema Vereinigte Staaten nimmt Henkel kein Blatt vor den Mund: „Die Kündigung des Klimaabkommens durch Präsident Donald Trump ist ein einziger Skandal“, sagt er. Für ihn persönlich bleibe in Zukunft daher zumindest noch die Erinnerungen – auch durch seine Bilder – an bessere vergangene Zeiten.

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