Kammerkonzertauftakt in Telgte
Sympathie vom ersten Ton an gewonnen

Telgte -

Virtuosität auf acht Saiten: So etwas erlebt man selten. So war am Sonntag das Konzert mit den beiden Violoncellisten Christoph Heesch und Maciej Kulakowski im Bürgerhaus ein wirklich einzigartiges Erlebnis für die vielen Liebhaber niveauvoller Musizierkunst.

Montag, 25.09.2017, 16:09 Uhr

Christoph Heesch und Maciej Kulakowski spielten am Sonntagabend zum Start der Kammermusik-Saison im Bürgerhaus.
Christoph Heesch und Maciej Kulakowski spielten am Sonntagabend zum Start der Kammermusik-Saison im Bürgerhaus. Foto: Engels

Virtuosität auf acht Saiten: So etwas erlebt man selten. So war am Sonntag das Konzert mit den beiden Violoncellisten Christoph Heesch und Maciej Kulakowski im Bürgerhaus ein wirklich einzigartiges Erlebnis für die vielen Liebhaber niveauvoller Musizierkunst. Die beiden jungen Künstler sind Studenten an der Universität der Künste Berlin in der Meisterklasse von Wolfgang Emanuel Schmidt. Sie sind mehrfach in Wettbewerben für ihr exquisites Spiel ausgezeichnet worden.

Mit ihrer ungezwungenen Art hatten sie die Sympathien des Publikums schon vor dem ersten Ton gewonnen, zeigten sich als Musiker, die sich nicht selber darstellen, sondern einzig die Musik für sich sprechen lassen wollen.

Werke für diese Instrumentenkombination sind eher selten, sodass ein facettenreiches Programm schwer zusammenzustellen ist. Aber Christoph Heesch und Maciej Kulakowski hatten mit Feingefühl genau die Stücke gewählt, die einen tiefen Einblick in die Musik für zwei Violoncelli bietet.

So begannen sie ihr mit „Romantik für 2 Violoncelli“ betiteltes Konzert auch mit einem Meilenstein der Literatur für Violoncelli, dem „Duo D-Dur Hob. X:11“ von Joseph Haydn. Dieses in der Zeit der Wiener Klassik entstandenen Werk hatten sie mit einem Satz aus einem weiteren Duo von Joseph Haydn bereichert, sodass sich ein facettenreicher Blick in das Denken und Fühlen des großen für seine Musik für Streicher bekannten Komponisten bot.

Sehr einfühlsam gestalteten sie den langsamen Einleitungssatz, grazil und elegant erklang das Menuett, und im Finale konnten sie ihrer Spielfreude und Lebendigkeit freien Lauf lassen. Sehr gut passte da das Thema mit seinen Variationen, bei dem sich die Klangvielfalt der beiden Instrumente bestens ergänzte. Mit der „Sonate c-Moll G.2“ von Luigi Boccherini verbreiteten Christoph Heesch im Continuo und Maciej Kulakowski im eher solistischen Part gleichsam mediterranes Flair im Bürgerhaus. Leichtigkeit und Melodienreichtum dieses klassischen Werkes begeisterten bei solch detailgenauer Ausführung.

Auch bei der „Sonate Nr. 4 G-Dur“ von Jean Baptiste Barrière wussten sie den stark französisch geprägten Charakter bestens umzusetzen. David Popper kennen viele Musikliebhaber eher durch seine Cellokonzerte oder sein umfangreiches Etüdenwerk. In seiner „Suite op. 16“ hat er die spieltechnischen und klanglichen Möglichkeiten ganz ausgereizt, dadurch ein Werk mit starken Kontrasten komponiert. Er gehörte zu den ganz großen Cellisten des 19. Jahrhunderts, und sein virtuoser Stil war bei Christoph Heesch und Maciej Kulakowski in den besten Händen. Sie verstanden es, die Gefühlstiefe der langsamen Sätze umzusetzen und den tänzerischen Charakter der schnellen Sätze mit großer Lebendigkeit und Spielfreude zu verdeutlichen.

Das einzige Werk von Niccolò Paganini, eine Bearbeitung der „Moses-Fantasie op. 24 für Violine und Klavier“ war als glänzendes Finale dieses Konzerts sicherlich so ganz nach dem Geschmack des Publikums. Gleich seinen Cappricen hat Paganini alle Möglichkeiten ausgenutzt, die Grenzen der Violine dabei erweitert. Dieses spieltechnisch äußerst anspruchsvolle Werk schien wie für Christoph Heesch und Maciej Kulakowski geschrieben. Ihre eigene Begeisterung für diese Fantasie übertrug sich direkt auf das Publikum, das einen auf höchstem musikalischen Niveau überaus unterhaltsamen Abend erlebte.

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