Herbert Knebel in Telgte
Ein Ruhrpott-Spötter mit Kult-Charakter

Telgte -

Die Bühne des Bürgerhauses in Telgte rockte Herbert Knebel.

Freitag, 29.09.2017, 17:09 Uhr

Immer wieder ein Genuss: Herbert Knebel mit Kompagnon Ozzy Ostermann, der virtuose Gitarren-Intermezzi lieferte.
Immer wieder ein Genuss: Herbert Knebel mit Kompagnon Ozzy Ostermann, der virtuose Gitarren-Intermezzi lieferte. Foto: Zinkant

Herbert Knebel ist der Beste. Ein genial schwadronierender Rentner, der durch dicke Hornbrillengläser auf eine verrückte Welt guckt, die er weder ändern kann noch wirklich will. Der Ruhrpott-Spötter, der seine Kappe höchstens abnimmt, wenn sie in Flammen aufgeht, ist Kult. Und Kult darf nur minimal variiert werden. Daher bekamen die Fans im Bürgerhaus genau das, was sie vom Knebel-Schöpfer Uwe Lyko erwartet hatten: Den coolsten Rentner-Blues der Republik.

Knebel hatte sich nämlich auf seine alten Tage verliebt. Nein, nicht erneut in seine Guste, die im Knebel-Universum den Haushalt führt – es war eine „Strom-Gitarre“, die sein rockendes Ruhrpott-Herz entflammte. „Dieselbe wie beim Jimi Hendrix damals!“, befahl er den durchtätowierten Grunge-Trollen im Gitarren-Fachgeschäft.

Und dann wird in Telgte die Bühne gerockt. Mit Adlatus Ozzy Ostermann als Flügelmann, der behäbig seine Plauze an die Rampe schiebt, um dann mit irrem Fingerpicking sein eigenes Holz vibrieren zu lassen. Sonder-Applaus für Ozzy!

Wenn Herbert dann den Blues hat, geht das nicht ohne Altersspuren ab: Da muss der Arzt sofort den „Blues-Druck“ messen. Überhaupt ist dem Arztbesuch ein Gutteil des Abends gewidmet. Die zwei ächzenden Kniebeugen, die Herbert beim traditionellen „Alle-20-Jahre-Checkup“ bewältigt, führen zur Bewegungstherapie im Senioren-Schwimmbecken. Nützen tut es nichts.

Was stärker hervortritt als in früheren Jahren, ist das erotische Interesse an Ehefrau Guste. Und wie Knebel seine Versprecher in Zoten ummünzt – oder Zoten in Versprecher – ist manchen Schenkelklopfer wert. Aber wenn ein Kumpel aus alten Kämpfer-Tagen in eine Rentner-Hippie-WG einzieht, wo der Joint am Infusionsständer geraucht wird, ist „Ho-Ho-Ho-Chi-Minh-Herbert“ doch sehr interessiert!

Wenn aber sein alter Föhn den Geist aufgibt wird sogar Knebel zum Kapitalismus-Kritiker. „Wegwerf-Gesellschaft? Der Föhn wird repariert!“ Selbst wenn es so teuer wird, dass man dafür drei neue kaufen könnte. . .

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