Interview mit dem Vorstand der DLRG Telgte
„Investitionen sichern das hohe Qualitätsniveau“

Telgte -

Über die Bedeutung einer adäquaten Schwimmausbildung sowie die Ziele der DLRG-Arbeit vor Ort sprach die WN mit Vorstandsmitgliedern.

Freitag, 29.09.2017, 17:09 Uhr

Der Vorstand der DLRG: (v.l.) Thomas Schwaack, Franz-Josef Kretzer, Erich Scheffler, Johannes Hilmer, Matthias Schulte, Stefan Mühlbauer und Reiner Banse.
Der Vorstand der DLRG: (v.l.) Thomas Schwaack, Franz-Josef Kretzer, Erich Scheffler, Johannes Hilmer, Matthias Schulte, Stefan Mühlbauer und Reiner Banse. Foto: Große Hüttmann

Einer aktuellen Pressemitteilung der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) zufolge sind in den ersten acht Monaten des Jahres mindestens 297 Menschen in deutschen Gewässern ertrunken. Wesentliche Ursache für das Ertrinken ist nach Ansicht der Experten, dass die Schwimmfertigkeit stark abgenommen hat. Über die Bedeutung einer adäquaten Schwimmausbildung sowie die Ziele der DLRG-Arbeit vor Ort sprach Andreas Große Hüttmann mit dem Vorsitzenden Franz-Josef Kretzer , seinem Stellvertreter Reiner Banse sowie Stefan Mühlbauer, in der Ortsgruppe für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig.

Ein Teil der Bevölkerung kann nicht oder nur sehr schlecht schwimmen. Was sagt die DLRG Telgte dazu?

Franz-Josef Kretzer: Nach aktuellen Erhebungen der DLRG ist davon auszugehen, dass rund ein Drittel der Kinder und Jugendlichen sowie ein Viertel der Erwachsenen Nichtschwimmer oder schlechte Schwimmer sind, Tendenz steigend. Bei ungeübten Schwimmern, gerade auch bei Kindern, lassen in Notlagen schneller die Kräfte nach, als bei geübten Personen. Kommen noch Selbstüberschätzung, Leichtsinnigkeit, Krämpfe oder Panikreaktionen hinzu, lassen sich Unfälle häufig nicht vermeiden.

Reiner Banse: Es ist einfach nicht ausreichend, sich nur über Wasser halten zu können. Erforderlich ist es, sich auch über eine längere Strecke sicher im Wasser bewegen zu können. Die Verantwortung für eine frühzeitige und gründliche Schwimmausbildung liegt in erster Linie bei den Eltern, aber auch bei den Schulen. Wir versuchen in dem Zusammenhang über die Medien Aufklärung über Gefahren im und am Wasser zu betreiben.

Nach den Seepferdchen-Kursen übernimmt die DLRG die weitere Schwimmausbildung. Was bieten sie alles an?

Stefan Mühlbauer: Da sind zunächst die Ausbildungen und Prüfungen zu den Jugend-Schwimmabzeichen. Seit Jahrzehnten haben diese Abzeichen nicht an Attraktivität verloren. Als DLRG geht es uns aber in erster Linie darum, aus den Anfängerschwimmern sichere und gute Schwimmer zu machen. Das ist das Hauptziel des Bronze-Abzeichens. Über das Silber- zum Goldabzeichen lernen die Kinder dann nicht nur die sogenannten Wechselzugtechniken hinzu – Kraulschwimmen und Rückenkraul – und verbessern ihr Brustschwimmen und ihre Leistungsfähigkeit im Schwimmen allgemein. Sie lernen, Gefahren im und am Wasser zu erkennen und zu vermeiden. Sie erlangen darauf aufbauend Techniken zur einfachen Selbstrettung und damit die Voraussetzung für den Juniorretter. Dieser Entwicklungsschritt ist der Einstieg in das Rettungsschwimmen. Auch beim Rettungsschwimmen selber gibt es die Abschlüsse Bronze, Silber und Gold, ergänzend das Schnorcheltauchabzeichen. Das Rettungsschwimmabzeichen Silber ist die entscheidende Stufe, denn diese wird zusammen mit der Ersten Hilfe als Nachweis der Rettungsfähigkeit bei vielen Tätigkeiten innerhalb der DLRG verlangt. Regelmäßig müssen Einsatzkräfte ihre Rettungsfähigkeit durch das erneute Ablegen dieses Abzeichens unter Beweis stellen. Die DLRG bietet aber darüber hin­aus Möglichkeiten, im Rettungssport aktiv zu werden und sich in Einzel- als auch Staffeldisziplinen zu messen. Der strukturierte Ausbildungspfad wird durch Lehrgänge organisiert, in denen didaktische Fähigkeiten, Rhetorik, Lehrmethoden, Motivationstechniken, der Umgang mit Präsentationstechniken und vieles mehr vermittelt werden. Fazit: Es wird eine ganze Menge angeboten.

Seit kurzer Zeit nehmen Sie Gebühren für die Kurse. Was ist der Grund dafür?

Franz-Josef Kretzer: Alle Rettungsorganisationen haben ihr Qualitätsniveau im Laufe der Jahre weiterentwickelt und dieses soll sich – nicht zuletzt aufgrund von gesetzlichen Vorgaben – professionellen Ansprüchen anpassen. Das bedeutet etwa für uns, dass Ausbildungs- und Fortbildungskosten, aber auch Materialkosten einen immer größeren Stellenwert in der Vereinsarbeit einnehmen. Nur über Investitionen in diese Bereiche kann das erreichte Qualitätsniveau gehalten und fortentwickelt werden. Um beispielsweise den Lehrschein und damit die Lizenz als Trainer zu erhalten, ist eine sehr zeitintensive und überwiegend in Wochenendkursen stattfindende Ausbildung erforderlich, die sich über Monate erstrecken kann. Man wird kaum erwarten können, dass jemand, der sich für die Rettung anderer Menschen ausbilden lassen will, diese komplett aus eigener Tasche bezahlen soll. Gleiches gilt für Einsätze der DLRG, für deren erfolgreiche Bewältigung qualitativ hochwertiges Material zur Verfügung stehen muss, um Sicherheitsstandards zu genügen. An dieser Stelle muss der Verein einspringen, welcher sich aufgrund seiner Gemeinnützigkeit bisher ausschließlich über Mitgliedsbeiträge, Spenden, Zuschüsse und nun auch durch Entgelte für die Teilnahme an Schwimmkursen finanziert.

Reiner Banse: Die guten aktuellen Anmeldezahlen der DLRG Telgte scheinen zu belegen, dass die Gebühr kein wirkliches Hindernis für das Erreichen weiterer Schwimmabzeichen zu sein scheint. Im Vergleich zu privat betriebenen Schwimmschulen sind die von uns aktuell erhobenen Gebühren deutlich geringer und sozial vertretbar. Sie decken auch nicht die Aufwendungen, die der Verein alleine zur Anmietung der Bäder in Ostbevern und Warendorf zu leisten hat. Anzumerken ist zudem, dass wir in Zusammenarbeit mit der Stadt Telgte Hilfestellungen anbieten, so dass niemand ausgegrenzt wird.

Passen Ehrenamt und Gebühren überhaupt zusammen?

Stefan Mühlbauer: Ehrenamtliche Tätigkeiten werden per Definition nicht bezahlt, sonst kann man nicht von Ehrenamt sprechen. Unsere Ausbilder erhalten lediglich eine Aufwandsentschädigung. Um die satzungsgemäßen Aufgaben zu erfüllen und die Vision einer Welt ohne Ertrinkungstote zu verwirklichen, bedarf es der Finanzierung der Maßnahmen, die diesem Ziel dienen. Darunter fallen einerseits präventive Maßnahmen andererseits die Sicherung von Aktionen am und im Wasser, bis hin zu Rettungseinsätzen. Dass dies nicht ohne finanzielle Mittel geht dürfte einleuchtend sein. Die Durchführung von Schwimmkursen gehört zur Prävention und die Teilnehmerentgelte, die von der DLRG in Telgte dafür verlangt werden, gehen nicht an die Übungsleiter, diese arbeiten weiterhin ehrenamtlich. Insofern passen Ehrenamt und Gebühren zusammen.

Sie sagen, das Geld bleibt im Verein. Was wird damit konkret finanziert?

Franz-Josef Kretzer: Grundsätzlich sind die Ausgaben an die satzungsgemäßen Aufgaben der DLRG gebunden. Als Ortsgruppe konzentrieren wir uns auf Kernaufgaben im Bereich Schwimmen und Einsatz. Unter anderem finanzieren wir die notwendige Aus- und Fortbildung und damit Qualifizierung unserer Ausbilder. Darüber hinaus haben wir Gebühren für die Nutzung der Hallenbäder in Ostbevern und Warendorf zu zahlen. Die DLRG Telgte erfüllt die ihr vorgegebenen satzungsgemäßen Aufgaben im Rahmen der regionalen Besonderheiten.

Reiner Banse: So sind wir im Wasserrettungsdienst als Teil der Allgemeinen Gefahrenabwehr zur Unterstützung der Feuerwehr tätig. Regelhaft sichern wir wassersportliche Ereignisse, wie z.B. Triathlonveranstaltungen, Bootsregatten und nicht zuletzt die Aktion „Der Nikolaus kommt über die Ems“ im Dezember ab. Dabei haben wir einerseits die uneingeschränkte Einsatzfähigkeit unserer Ausbilder- und Einsatzkräfte, aber auch unseres Materials, zu garantieren. Andererseits haben wir eine Fürsorgeverpflichtung für unser eingesetztes Personal. So müssen persönliche Schutzausrüstungen vorgegebene Mindeststandards erfüllen.

Was muss in Telgte ihrer Meinung nach passieren, damit möglichst alle Kinder und Jugendliche schwimmen können?

Franz-Josef Kretzer: Diese Aufgabe ist nicht leicht, sie erfordert nicht nur den Einsatz der DLRG, sondern auch das Engagement zum Beispiel der Eltern und Lehrer sowie eine gute Zusammenarbeit mit den Institutionen. Um den ganzjährigen Schwimmbetrieb für Kinder und Jugendliche zu organisieren, sind wir auf die Kooperationen mit den Bädergesellschaften in Telgte und Ostbevern sowie der Sportschule der Bundeswehr in Warendorf angewiesen. Darüber hinaus beobachten wir einen zunehmenden Rückgang des Schwimmunterrichts an den Schulen. Auch hier haben sich die Anforderungen an die Qualifizierung der Sportlehrer durch ministerielle Vorgaben verschärft. Will man diese Defizite abschaffen und Strukturen aufbrechen, müssten weitere Wasserzeiten- und flächen ermöglicht und insbesondere weitere ehrenamtliche Übungsleiter dafür gewonnen, ausgebildet und aktiv werden. Dabei hat das Ehrenamt nicht mehr den Stellenwert in der Gesellschaft, den es vor Jahren einmal gehabt hat. Die Bereitschaft, sich für die gute Sache unentgeltlich zu engagieren, ist rückläufig. Das gilt aber nicht nur für die DLRG. Wir müssen versuchen, das Ehrenamt attraktiv zu gestalten und zu erhalten, um weitere Menschen für unsere Arbeit zu begeistern.

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