Wigal Boning im Bürgerhaus Telgte
Kleine Gedächtnisstützen

Telgte -

Manche sammeln Briefmarken, andere Einkaufzettel. Zur letzteren Gattung zählt Wigald Boning, der seine Sammlung im Telgter Bürgerhaus präsentierte. Mit seinem Programm „Butter, Brot und Läusespray“ versuchte er eine Verbindung zwischen Einkaufswünschen und dem Menschen zu ziehen.

Sonntag, 15.10.2017, 20:10 Uhr

Seine Einkaufszettelsammlung nahm Wigald Boning unter die Lupe.
Seine Einkaufszettelsammlung nahm Wigald Boning unter die Lupe. Foto: Reinker

Manche Leute sammeln Briefmarken, und manche haben eine Teddybärensammlung auf dem Sofa. Bei Wigald Boning sind es seit 18 Jahren die Einkaufszettel, die sein Interesse wecken. Warum diese so faszinierend sein können, was sie so über den Wandel der Zeit und den Verfasser aussagen, aber auch ihre tiefere Bedeutung erklärte der Comedian in einer Diashow am Freitagabend im Bürgerhaus.

Was macht man mit den Einkaufszetteln, wenn die Besorgungen im Supermarkt erledigt sind? Vermutlich lässt man sie im Einkaufswagen oder im Papierkorb vor dem Kaufhaus zurück. Das sollte man sich vielleicht in Zukunft anders überlegen, kann es doch sein, dass dieser einer analytischen Auswertung unterzogen wird, wie es Wigald Boning macht. Schickte er anfangs noch seine Schwester vor, ist „nun kein Mülleimer mehr vor mir sicher“, gab er zu. Mit seinem Programm „Butter, Brot und Läusespray“ versuchte er eine Verbindung zwischen Einkaufswünschen und dem Menschen zu ziehen. Mal mehr, mal weniger nachvollziehbar. Mal unterhaltsam, mal spielte er recht trocken sein Repertoire ab.

„Aufgrund des Zettels kann man ein Persönlichkeitsprofil erstellen“, meinte Boning. So sah er in der Auflistung von Getränken, Milch, „Maggi-Zeug“ und einer grauen Hose eine große „poetische Kraft, die da zwischen den Zeilen steht“. Bei dem Zettel auf dem Rasierklingen neben Zucker und Sultaninen standen, vermutete er als Verfasserin eine Gangsterbraut, die ihrem Mann einen ganz besonderen Kuchen in das Gefängnis bringen wollte.

Verschiedenen Herangehensweisen bediente sich der Künstler und Sammler. „Es gibt keine falsche oder richtige Rechtschreibung“, fand Wigald Boning. „Es gibt nur die individuelle Schreibweise“, habe er feststellen können.

Die Spuren am Papier unterzog er ebenfalls eine Prüfung. Das Muster des Sommerreifenprofils etwa, oder die „Fraßspur der spanischen Wegschnecke“ bemerkte er auf den Zetteln. Auch die Schrift nahm Boning unter die Lupe. Die stark ausgeprägten Unterlängen sprach er einem starken Triebleben zu, das er durch die Auflistung von Hipp-Folgemilch bestätigt sah. Die kleinen Gedächtnisstützen könnten übrigens auch einiges über den sozialen Hintergrund verraten. Bier, Kaffee und Trennscheiben auf einem Stück Raufasertapete oder der Abriss einer Tablettenschachtel lassen tief blicken. Und das „Einkaufszettelplatznotizverhältnis“, kurz „Eiplanov“ genannt, könne auf schwere persönliche Krisen hindeuten. Die regionale Herkunft ermittelte er mit den Notizen über Dirndl in München, Paradeiser in Wien und „Supp“ in Köln. Manche der Gedächtnisstützen sind auch mit „Kulifunktionstests“ begleitet, die wieder ganz neue Hinweise auf den Schreiber geben können.

Die Zuschauer werden jetzt vermutlich überlegen, wo sie am Freitag eingekauft haben. Denn wenn jemand wie Wigald Boning auch in der Emsstadt auf Suche ging, ist eine analytische Untersuchung zu erwarten. Wohl wird der eine oder andere zukünftig seinen Einkaufszettel aus einem anderen Blickwinkel heraus schreiben.

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