Kläranlage Telgte
Zwei Millionen Liter Schlamm

Telgte -

Mit einer Höhe von 21,85 Metern und seinem Bauchdurchmesser von 15 Metern ist der Faulturm der Telgter Kläranlage durchaus imposant. Derzeit wird er saniert und ist deshalb momentan begehbar. Die Arbeiten an dem Turm sind nur ein Teil der Erneuerungsmaßnahmen am Klärwerk.

Montag, 06.11.2017, 19:00 Uhr

Abwassermeister Martin Wilken (r.) begutachtet in fast 22 Metern Höhe die Arbeiten im Bereich des Faulturmdeckels der Kläranlage.
Abwassermeister Martin Wilken (r.) begutachtet in fast 22 Metern Höhe die Arbeiten im Bereich des Faulturmdeckels der Kläranlage. Foto: -stk-

Zwei Millionen Liter Schlamm fasst der Faulturm an der Telgter Kläranlage. Mit einer Höhe von 21,85 Metern und seinem Bauchdurchmesser von 15 Metern ist das Gebäude durchaus imposant. Ins Innere möchte Otto Normalverbraucher seine Nase im Normalfall lieber nicht stecken, sammeln sich dort doch die Fäkalienschlämme und so manch andere Unappetitlichkeiten an. Weder der Gestank der Brühe noch der Anblick scheint wirklich verlockend.

Doch derzeit ist alles anders. Das Zentralklärwerk der Abwasserbetriebe TEO wird für die Zukunft flottgemacht. Dafür sind an der 1983 erbauten und im Dezember 1984 in Betrieb genommenen Anlage umfangreiche Sanierungsmaßnahmen vonnöten. Einige sind bereits abgeschlossen, anderen laufen derzeit. Weitere folgen. Am Ende werden zwischen fünf und 5,5 Millionen Euro in die Zukunftsfähigkeit der Kläranlage investiert worden sein.

Derzeit ist der Faulturm an der Reihe, der Mitte August entleert worden ist, um die Betonbeschaffenheit zu überprüfen. Dort, wo sonst die dicke braune Brühe im Kreis gedreht wird, steht ein riesiges Gerüst, von dem aus die Arbeiter die Instandsetzungsarbeiten ausführen.

Ins Innere des Faulturms gelangen sie von der Seite auf allen Vieren durch eine Art Nebeneingang, die Wartungseinstiegsluke, die bei Normalbetrieb natürlich fest verschlossen ist. Beim Blick nach oben müsste eigentlich der Himmel zu sehen sein, denn auch der Deckel, der immerhin einen Durchmesser von 1,92 Metern hat, ist entfernt worden (WN berichteten). Doch das Gerüst versperrt den Weg. So fallen nur einige wenige Sonnenstrahlen in den Kessel, in dem es, oh Wunder, nicht stinkt. „Dadurch, dass die Luke und der Deckel geöffnet worden sind, ist ein Kamineffekt entstanden“, erläutert Martin Wilken , Abwassermeister und Leiter der Kläranlage. Dadurch hätten sich Gas und Gestank schnell verflüchtigt. Dazu beigetragen habe auch, dass die Wände mit Hochdruck gereinigt worden seien.

Wenn die Arbeiten am Faulturmkopf nach Sandbestrahlung und Betonsanierung abgeschlossen sind, soll der Turm Mitte Dezember wieder in Betrieb genommen werden. Das heißt, er wird mit Schlamm geflutet. „Es wird 14 Tage bis drei Wochen dauern, bis wir den Faulturm voll kriegen“, erzählt Wilken. Dann muss die Brühe auf rund 37 Grad erhitzt werden, um biologische und chemische Prozesse in Gang zu setzen.

Wenn denn dann alles wieder seinen gewohnten Lauf nimmt, wird der Schlamm durch ständiges Hineinpumpen in Bewegung gehalten. Das, was oben überläuft, landet in neben dem Turm stehenden Silos, die als Zwischenspeicher dienen. Dort wird dem Schlamm das Wasser entzogen, um das Volumen zu verringern. „Durch Eindickungsprozesse bleiben am Ende von 1000 Kubikmetern 100 über“, berichtet der Abwassermeister. Die verbliebenen Rückstände müssen abtransportiert werden und werden zu einem Kraftwerk gefahren, wo sie in einem Wirbelstromofen verbrannt werden, wodurch dann wieder Energie gewonnen wird. Allerdings profitiert die Telgter Kläranlage davon nicht. „Wir müssen dafür bezahlen“, so Wilken.

Im Faulbehälter selbst bilden sich im Schlamm verschiedene Bakteriensorten, die die Schmutzstoffe zerlegen. Am Ende der Kette stehen Methanbakterien, die Methangas entstehen lassen. Dieses Gas sammelt sich in der obersten Kammer des Turms, wird abgezogen und in einen Gasbehälter, der momentan ebenfalls saniert wird, geleitet. „Und mit dem Gas beheizen wir uns Gebäude hier“, sagt der Klärwerksleiter.

Zudem wird das klärwerkseigene Blockheizkraftwerk mit dem selbst gewonnenen Gas betrieben. Die entstehende Abwärme wird ins Heizungsnetz des Verwaltungstraktes eingespeist. Außerdem wird die gewonnene elektrische Energie für den Betrieb der Kläranlage genutzt. „Alles, was wir selbst erzeugen, brauchen wir nicht zu kaufen“, freut sich Wilken. „Ein Drittel der benötigten Energie produzieren wir selbst.“ Weil Faulturm und Gasbehälter derzeit nicht in Betrieb sind, muss momentan Energie zugekauft werden.

Wenn dieser Abschnitt der Klärwerkserneuerung abgeschlossen ist, steht die Sanierung der Belebungsbecken an. Im Frühjahr 2019 sollen die fertig sein.

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