Sinfonietta Köln
„Barock muss fetzen“

Telgte -

Die Sinfonietta Köln überzeugte im Bürgerhaus mit einem abwechslungsreichen Moderations-Konzert.

Montag, 13.11.2017, 16:11 Uhr

Geigerin Liv Migdal (stehend), Dirigent Cornelius Frowein (r.) und die Musiker der Sinfonietta Köln sorgten für einen wahren Hörgenuss.
Geigerin Liv Migdal (stehend), Dirigent Cornelius Frowein (r.) und die Musiker der Sinfonietta Köln sorgten für einen wahren Hörgenuss. Foto: Zinkant

Sie gehören zu den berühmtesten Stücken der Musikgeschichte und werden doch selten gehört – zumindest live im Konzert: „Die vier Jahreszeiten“ von Antonio Vivaldi , dem genialen Venezianer mit dem feuerroten Haar. Manche Klassikliebhaber im Telgter Bürgerhaus dürften von der Haarfarbe des „Prete Rosso“, des roten Priesters, schon gewusst haben. Für die übrigen hatte Dirigent Cornelius Frowein viele biografische Details und Notenbeispiele parat.

Denn der Abend war ein Moderations-Konzert, das die – allein nicht abendfüllenden – vier Jahreszeiten liebevoll untersuchte. Mit der Lupe des Gelehrten und dem Bogenstrich der Meistermusiker.

Meisterlich ging die Sinfonietta Köln zu Werke. Mit etwa einem Dutzend Streicher plus Cembalo. Und natürlich mit virtuoser Solovioline – handelt es sich bei Vivaldis Evergreen doch um nichts anderes als vier Violinkonzerte, die dem Jahreslauf lautmalerisch folgen. Mit Liv Migdal (zum dritten Mal im Bürgerhaus) war eine junge und überraschend ungestüme Meistergeigerin verpflichtet worden. Früher hatte man sie meist mit feinem Strich gehört – doch das Motto dieses Abends lautete: „Barock muss fetzen!“

Und zum wilden Spiel hatte Migdal reichlich Gelegenheit. Da wären die Sturmwinde, die Vivaldi bereits im Frühling blasen lässt und die sich im Finale des Sommers im legendären Gewitter entladen. Da wären die Vogelrufe, die nicht minder lautmalerisch aus der Partitur zwitschern: Kuckuck, Turteltaube und Distelfink. Und am Ende des Winters sind da noch wilde Pirouetten der Eisläufer, die die Sologeige fiedelnd nachzeichnen muss. All das gelang Liv Migdal knackig und mitreißend.

Insgesamt schlugen die Musiker so scharfkantige Tempi an, wie es bei heutigen Barockinterpretationen üblich ist. Allerdings offerierte die Sinfonietta Köln nicht den knarzig-rauen Ton der Originalklang-Schule. So waren „alte und neue Schule“ quasi gleichzeitig zu vernehmen.

Und zu schauen gab es auch einiges. Nicht nur, dass Dirigent Frowein auf der Leinwand das Schwanken der Weinseligen beim Erntetanz („Der Herbst“) in den Noten nachweisen konnte – er stellte den Klängen auch nicht minder prächtige Gemälde zur Seite. Von Canalettos Venedig bis zu Botticellis Frühlingsdarstellung „La Primavera“. Schön!

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