Walter Sittler liest Dieter Hildebrandt
Lieblingsfeind Helmut Kohl

Telgte -

Walter Sittler beschäftigte sich bei seiner Lesung mit dem Kabarettisten Dieter Hildebrandt. Die Zuhörer wurden gut unterhalten. Der große Wurf war die Veranstaltung aber wohl nicht.

Donnerstag, 30.11.2017, 21:11 Uhr

Schauspieler Walter Sittler beschäftigt sich in seinem Programm „Ich bin immer noch da!“ mit dem großen, inzwischen verstorbenen Kabarettisten Dieter Hildebrandt.
Schauspieler Walter Sittler beschäftigt sich in seinem Programm „Ich bin immer noch da!“ mit dem großen, inzwischen verstorbenen Kabarettisten Dieter Hildebrandt. Foto: Zinkant

Dieter Hildebrandt war irgendwie immer da. Die Kanzler der Republik kamen und gingen – der Kabarettist blieb. Er gehörte zum Inventar der Bonner Republik und weit darüber hinaus. Nun sogar über das eigene Ableben vor vier Jahren hinaus. „Ich bin immer noch da!“ heißt das Programm, das Schauspieler Walter Sittler ihm gewidmet hat. Was die Zuhörer im Bürgerhaus Telgte erlebten, war eine vergnügliche kabarettistische Denkmalpflege – ein großer Wurf aber war es nicht.

Rasch wurde deutlich, was man ohnehin wusste: Kabarett ist immer seiner Zeit verhaftet. Auch wenn man Hildebrandt einen Sprachkünstler nennen darf, so dienten seine spitzen Wortgirlanden eben doch dem satirischen Zweck. Und der blieb immer gleich: Den bayerischen Löwen in Form großkopferter CSU-ler an der Mähne zerren, dem Klerus am geistlichen Zeug flicken oder den Reichen jeder Couleur die Leviten lesen.

Kein Gedanke, dass Hildebrandt-Pointen mal auf linkem Terrain zünden könnten. Schließlich drehte der Spötter in mehreren Wahlkämpfen sogar Werbespots für die SPD. Kein Wunder, dass an diesem Abend ein anderer Verstorbener aufs Tapet kam: Hildebrandts Lieblingsfeind Helmut Kohl. Bei dessen Namen fiel ihm allenfalls das Thema „Flick-Ausschuss“ ein, keinesfalls das Thema Wiedervereinigung.

Gegen Ende des Abends rezitierte Walter Sittler die bekannte Hildebrandt-Nummer „Helmut Kohl spricht Matthias Claudius“. Diese veralberte Kohls umstandskrämerische Sprache: „Der Mond, meine Damen und Herren, und das möchte ich hier in aller Offenheit sagen, ist aufgegangen!“ Die Nummer krankte schon damals daran, dass Hildebrandt nicht parodieren konnte (wie Thomas Freitag und Konsorten). Walter Sittler kann es noch weniger. Im Ansatz ähnlich ist die „nie gehaltene Abschiedsrede“ Herbert Wehners im Bundestag. Die ist im Text erheblich besser. Überhaupt, Wehner: Für Hildebrandt war er „Trittin, Gysi, Wagenknecht und Trapattoni zusammen“.

Sittler, der fürs Spotten eigentlich zu sanft rüberkommt, war am besten, wenn er Hildebrandts private Spötteleien ums Eheleben mit seiner zweiten Frau Renate vorlas. Oder wenn er mit Hildebrandt fragte, was einen „oberschlesischen“ Witz ausmacht. Das war in der Tat zeitloser Humor.

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