Der neue Prinz gibt Einblicke
40 Auftritte bis Rosenmontag

Telgte -

Erst spät wurde Andreas Diller mit dem Karnevalsvirus infiziert. Und das, obwohl er in Wolbeck aufgewachsen und sein Abi gemacht sowie vier Jahre nach seinem Bauingenieurstudium im Köln-Bonner Raum für ein Ahauser Bauunternehmer auf Montage tätig war. Weder der ZiBoMo, noch die stimmungsvollen Umzüge der rheinischen Frohnaturen riefen in dem heute 54-Jährigen Begeisterung hervor.

Samstag, 02.12.2017, 11:12 Uhr

Prinz Andreas I. Diller freut sich auf die Zeit bis Rosenmontag. Rund 40 Auftritte hat er vor der Brust.
Prinz Andreas I. Diller freut sich auf die Zeit bis Rosenmontag. Rund 40 Auftritte hat er vor der Brust. Foto: Flockert

Doch das sollte sich in der Session 2011/12 – damals war Heinz III. Hunewinkel Prinz – ändern. Diller wurde gefragt, ob er die Auftritte der KG Schwarz-Gold nicht als Haus-und-Hof-Fotograf begleiten wollte. Los ging’s mit dem Herrenabend. „Keine 24 Stunden später habe ich den Aufnahmeantrag unterschrieben“, erinnert er sich. „Was mich überzeugt hat, war die Offenherzigkeit der Menschen, die mir entgegengetreten sind. Sie haben mich sofort in ihre Reihen aufgenommen. Die Chemie passte einfach.“ Das Karnevalistische sei zunächst nicht ausschlaggebend gewesen. „Damit war ich eigentlich nie warm geworden. Das kam erst in Telgte über die Menschen, die ich dort kennengelernt habe.“

Fortan war auch klar, dass er für die Bildchronik in den Jahrbüchern zuständig sein würde. „Circa 80 Prozent der Bilder sind von mir“, erzählt Diller, der gemeinsam mit seiner Frau Marion seit 2013 stadtnah, aber ländlich mit Blick auf den Turm von St. Clemens unweit der Westbeverner Straße wohnt. Der Fotografenjob brachte ihm auch schnell den Spitznamen „Dr. Linse“ ein.

Auf der Karriereleiter ging es schnell nach oben

Auf der KG-Karriereleiter ging es in der Folgezeit schnell nach oben. In der Session 2015/16 wurde er zum Senator getauft, 2016 bei der Generalversammlung zum Vize-Präsidenten gewählt.

Schon früh hatte Andreas Diller sein Interesse bekundet, Prinz zu werden. Zunächst aber war die Liste der Kandidaten noch lang. Diller stellte sich hinten an. Doch dann fragte ihn sein Vorgänger Hermann II. Kröger, ob der diese Aufgabe nicht in der Session 2017/18 übernehmen wolle. Da griff der Bauingenieur, der für die Planungsgesellschaft Altefrohne in Warendorf tätig ist, zu.

Beim Rathaussturm präsentierte er sich und sein Motto „Spaß und Freud für alle Leut, ist unser Motto nicht nur heut“ der Öffentlichkeit. Darin soll sich widerspiegeln, was für ihn der Karneval mit seinen Auftritte ausmacht: die strahlenden Gesichter zu sehen, insbesondere in Altenheimen und in Kindergärten. Insbesondere bei den älteren Menschen gehe ein Ruck durch die Reihen, wenn die KG auftauche. Schön sei zu sehen, wenn die Senioren mitsängen oder aufständen und mittanzten. „Das sind schon Erfahrungen, die ans Herz gehen“, berichtet Prinz Andreas I..

Erfahrungen, die ans Herz gehen

All das hat er erlebt, als er seine Vorgänger als Fotograf begleitete. Von nun an wird er selbst im Mittelpunkt stehen. 40 Auftritte hat er gemeinsam mit Präsident Franz Winkels, dem Elferrat, dem im Übrigen auch seine Frau angehört, bis zum Ende Session vor der Brust. Und die ist kurz. Rosenmontag ist bereits am 12. Februar. „Das wird recht anstrengend“, berichtet Andreas Diller. An Altweiber beispielsweise müssten vier oder fünf Termine wahrgenommen werden. „Aber meistens konzentrierten sich die Auftritte auf das Wochenende.“

Deutlich ist ihm im Gespräch anzumerken, dass das Prinz-Sein für ihn alles andere als eine Last, sondern eine Freude ist. Würde man sonst sechs Urlaubstage für den Karneval opfern? Und bereits sein, einen „vierstelligen Betrag im unteren Drittel“ zu investieren?

An Umzügen beteiligen sich Prinz und Gefolge nicht. „Die KG Schwarz-Gold macht Saalkarneval und keinen Straßenkarneval“, so Diller. Über einen eigenen Wagen sei nie wirklich nachgedacht worden. Hohe Investitionen, fehlende Unterstellmöglichkeiten und die deutlich verschärften behördlichen Auflagen sprächen dagegen. Und so beschränken sich die Telgter Jecken darauf, an Gala- und Prunksitzungen der befreundeten Vereine teilzunehmen – und natürlich Krankenhäuser, Seniorenheime und Kitas zu besuchen.

Prinzessinnen sind nur eine Frage der Zeit

Andreas Diller freut sich, der erste Prinz zu sein, der einen gemischten Elferrat hinter sich weiß. „Das ist eine Entwicklung, die kommen musste“, sagt er voller Überzeugung. „Es ist nur noch eine Frage der Zeit, wann es eine Prinzessin gibt.“

Allerdings sieht er auch negative Entwicklungen. Die KG habe wie viele Schützenvereine auch, mit Nachwuchssorgen zu kämpfen. Auch wenn der Mitgliederstamm immer noch mit über 200 „recht konstant“ sei, sei es immer schwieriger, junge Leute zu begeistern und für den Verein zu gewinnen. Ganze Familien aufzunehmen, sei eine Idee, dem Karneval in Telgte neuen Schwung zu verschaffen. Auch der gut besuchte Kinderkarneval am Sonntag vor Rosenmontag im Bürgerhaus trage dazu bei.

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