Gedanken zur Zukunft des TV Friesen
Ohne Ehrenamtler geht’s nicht

Telgte -

Ohne Ehrenamtliche geht bei Vereinen und Verbänden (fast) nichts. Das ist beim TV Friesen Telgte nicht anders. Im Gespräch berichten die Vorstandsmitglieder Gudrun Busch und Jutta Niermann, mit welchen Schwierigkeiten ihr Club zu kämpfen hat und wie schwer es ist, Mitstreiter zu finden.

Mittwoch, 20.12.2017, 20:12 Uhr

Jutta Niermann und Gudrun Busch (re.) sind verzweifelt auf der Suche nach Mitstreiter, die sie bei der ehrenamtlichen Vereinsarbeit unterstützen.
Jutta Niermann und Gudrun Busch (r.) sind verzweifelt auf der Suche nach Mitstreiter, die sie bei der ehrenamtlichen Vereinsarbeit unterstützen. Foto: Flockert

„Man würde gern mehr bewegen, aber wo ist der achte Tag in der Woche?“, fragt Jutta Niermann . Die zweite Vorsitzende des TV Friesen engagiert sich seit vielen Jahren für die Belange des Sportvereins. Gemeinsam mit der Vorsitzenden, Gudrun Busch , macht sie sich Sorgen um die Zukunft ihres Clubs, denn es fehlt an vielen Ecken an ehrenamtlichen Mitstreitern. Ein Phänomen, das nicht nur Sportvereine trifft, sondern auch die Kirche, Verbände, die Flüchtlingshilfe, Hospize oder auch Altenheime, die allesamt auf den Einsatz von Ehrenamtlern angewiesen sind.

Und dabei lebt das Gemeinwesen eben vom Engagement dieser Menschen, die sich unentgeltlich für andere einsetzen. Ohne deren oft selbstlosen Einsatz würde vieles nicht funktionieren, wissen auch Busch und Niermann. Noch hat der TV Friesen 15 funktionierende Abteilungen und über allem einen eingespielten Gesamtvorstand, in dem allerdings der Posten des dritten Vorsitzenden seit drei Jahren mangels Kandidaten vakant ist.

Finden ließen sich relativ gut Jugendtrainer. Oft sind das Eltern, die sich um die Mannschaften ihres Nachwuchses kümmerten. Doch schwieriger wird es für den Sportverein, wenn es darum geht, Pöstchen im organisatorischen Bereich zu vergeben. In der fast 400 Mitglieder starken Handballabteilung mit ihren vielen Mannschaften zum Beispiel funktioniert der Spielbetrieb nur, weil sich Ehrenamtliche darum kümmern, dass unter anderem die Spieltermine koordiniert werden.

„Je größer die Abteilung, desto schwieriger wird das“, weiß Niermann. Gudrun Busch sieht als Ursache für die abnehmende ehrenamtliche Tätigkeit gesellschaftliche Veränderungen. In immer mehr Familien gingen Vater und Mutter arbeiten. Da bliebe bei beiden kaum Zeit, sich nebenbei noch ehrenamtlich einzubringen. „Was uns fehlt, ist die gut organisierte Mutter, die früher Ämter übernommen hat“, so Gudrun Busch. Früher seien die meisten nach der Geburt ihrer Kinder drei bis sechs Jahre zu Hause geblieben. Heute gingen sie nach einem Jahr wieder arbeiten.

„Beliebt waren bisher auch Lehrer, die früh zu Hause waren“, sagt Gudrun Busch. Die meisten müssten heute auch länger arbeiten. Und gelebt habe der TV Friesen auch lange von ehemaligen Bundeswehrangehörigen oder Vorruheständlern, die die Zeit gehabt hätten, sich zu engagieren. Auch diese Gruppen fielen zumeist aus, weil deren Arbeitszeit immer länger werde. „Das heutige Berufsleben passt einfach nicht mehr dazu“, so Busch.

Und es gibt heute – zumeist sinnvolle – Vorgaben, die viele abschreckten, beispielsweise ein Übungsleiteramt zu übernehmen. Sie müssen einen Ehrenkodex unterschreiben, ein Führungszeugnis beibringen und oft auch einen Vertrag unterschreiben. Lässt sich der Verein kein Führungszeugnis vorlegen, dann droht der Landessportbund damit, die Fördermittel zurückzufahren. „Manche Vereine verzichten deshalb sogar schon auf Fördermittel“, berichtet die Vorsitzende.

Die Probleme gehen so weit, dass es dem TV Friesen zuletzt nicht gelungen ist, einen geeigneten FSJler zu finden. Und das liegt nicht nur an der doch recht dürftigen Bezahlung. Vielmehr sind es die Arbeitszeiten. An manchen Tagen wird morgens Unterstützung in der Geschäftsstelle benötigt, nachmittags muss ein Sportangebot in der OGS betreut und vielleicht abends noch ein Training gegeben werden. Zwischendurch gibt dann aber viel Leerlauf. Deshalb kommen eigentlich nur Kandidaten aus Telgte in Frage, die zwischendurch nach Hause fahren können. „Wir haben keine adäquaten Bewerbungen bekommen“, berichtet Jutta Niermann. Dabei könnten die FSJler tolle Erfahrungen sammeln. Bislang hätten sich alle durch ihre Mitarbeit im Verein unglaublich gut weiterentwickelt. „Über solche Leute konnten wir bislang die entstandenen Lücken schließen“, sagt Busch.

Ob das auch in Zukunft gelingt, ist offen. In bestimmten Bereichen muss sich der Verein schon heute Hilfe von außen holen. Steuerangelegenheiten können wegen ihrer Kompliziertheit oft von den Ehrenamtlichen nicht bewältigt werden. Und wenn der Verein Firmen beauftragen muss, kostet das Geld. Auf der anderen Seite sollen die Mitgliedsbeiträge aber nicht steigen. So werde es immer schwieriger kostengünstig Sport anzubieten, weiß Busch.

Auf eines wollen Busch und Niermann am Ende explizit hinweisen. Die ehrenamtliche Arbeit sei keine Last, sondern es mache Spaß, im Team etwas zu bewegen. „Und es bringt einem persönlich auch ein Menge“, hat die Vorsitzende schon viele wertvolle Erfahrungen gemacht. Beide sind sich einig, dass es immer wieder schön sei, zu sehen, wenn gemeinsam Neues initiiert werden könne. Allerdings brauche man dafür Zeit und auch Man-Power. Und eben diese Faktoren würden immer knapper.

Um das Bestehende nicht nur verwalten zu können, sondern den TV Friesen voranzubringen, hoffen die Vorstandsmitglieder auf die Unterstützung weiterer Ehrenamtler, die sich zukünftig mit ihrem Engagement, aber auch mit neuen Ideen einbringen.

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