Demenzkranke: Ehrenamtlich betreute Gruppe löst sich auf
„Engel ohne Flügel“ hören auf

Telgte -

Es fehlt einfach eine Nachfolgerin (oder auch ein Nachfolger): Irmgard Alfermann und ihr Team geben die Betreuung von Demenzkranken in Telgte jetzt auf. Nach zwei Jahrzehnten.

Freitag, 22.12.2017, 08:12 Uhr

Das Team von Irmgard Alfermann (vorne, 2.v.l.) bedankt sich bei seiner „Chefin“ mit Beifall (sitzend v.l.): Brigitte Strätz, Gabriele Meier und Anne Wolf sowie (stehend v.l.) Inge Scraja, Maria Busch, Margret Bruns, Monika Große Hüttmann, Angelina Attokaran, Doris Haas, Brigitte Kempa und Annette Siemann.
Das Team von Irmgard Alfermann (vorne, 2.v.l.) bedankt sich bei seiner „Chefin“ mit Beifall (sitzend v.l.): Brigitte Strätz, Gabriele Meier und Anne Wolf sowie (stehend v.l.) Inge Scraja, Maria Busch, Margret Bruns, Monika Große Hüttmann, Angelina Attokaran, Doris Haas, Brigitte Kempa und Annette Siemann. Foto: Pohlkamp

20 Jahre lang waren immer dienstags demenzkranke Menschen aus Telgte und Umgebung zu ein paar unterhaltsamen Stunden in gemütlicher Runde zunächst ins DRK-Heim und zuletzt (seit sieben Jahren) ins Wohnstift St. Clemens eingeladen. Zwölf Telgter Frauen unter der Leitung von Irmgard Alfermann betreuten, begleiteten und unterhielten diese Kranken und entlasteten damit gleichzeitig pflegende Angehörige. Zum Programm gehörten auch Sitzgymnastik, Gedächtnistraining, Tischkegeln und Gesellschaftsspiele. Damit ist nun Schluss, weil Irmgard Alfermann in dem Team die einzige staatlich geprüfte Altenpflegerin ist. Und eine ehrenamtlich tätige, qualifizierte Nachfolgerin gibt es nicht. 17 Jahre lang, von 1980 bis 1997, war Irmgard Alfermann im Rochus-Hospital als Altenpflegerin tätig.

„Mit 75 Jahren wird es Zeit, etwas kürzer zu treten und andere Lebensgeister zu wecken“, begründet sie jetzt ihren Abschied. Doch für den Übergang der Hilfsbedürftigen in die Tagespflege haben sie und ihr Team gesorgt, so dass sich die Kranken auch dort wohlfühlen und es annehmen können.

Zum letzten Mal trafen sich die Frauen der Demenzgruppe der Alzheimer Gesellschaft Münster jetzt im Wohnstift St. Clemens. Eine weihnachtliche Atmosphäre herrschte in dem kleinen Saal, als dort nicht nur Bürgermeister Wolfgang Pieper an der Kaffeetafel saß, sondern auch der Nikolaus (Franz-Josef Unnewehr) erschien und sich bei den Frauen für deren großes soziales Engagement in den vergangenen zwei Jahrzehnten bedankte und dabei kleine Geschenke überreichte.

Wolfgang Pieper bedauerte den Entschluss der Frauen, zeigte jedoch Verständnis dafür. Denn alles habe seine Zeit. Die Betreuungsgruppe bezeichnete er als Bereicherung für Telgte.

Unterstützt wurde Irmgard Alfermann in all den Jahren von elf ebenfalls ehrenamtlich tätigen Frauen. Sie nennt sie „Engel ohne Flügel“: „Sie konnten mir nie wegfliegen, standen mir stets zur Seite und haben immer geholfen.“ Immer wieder dienstags, lautete ihr Slogan. Von 15 bis 19 Uhr kamen durchschnittlich zwölf Demenzkranke in das Wohnstift St. Clemens. Das Team bildeten: Maria Busch (15 Jahre ehrenamtlich dabei), Inge Scraja (20 Jahre im Einsatz), Angelina Attokaran (ebenfalls 20 Jahre dabei), Margret Bruns (18 Jahre), Monika Große Hüttmann (zwei), Brigitte Kempa (fünf), Brigitte Strätz (zwölf), Annette Siemann (zwölf), Doris Haas (zehn), Anne Wolf (zwei) und Gabriele Meier (zwölf). Irmgard Alfermann bedankte sich bei jeder persönlich. „Wir werden uns auch in Zukunft dienstags privat treffen“, verriet sie. Und sagte: „Bedanken möchte ich mich auch bei meiner Familie, die mich in der gesamten Zeit immer unterstützt hat. Das war so wichtig.“

Rückblickend zieht Irmgard Alfermann eine sehr erfreuliche Bilanz: „Ich habe in all den Jahren auch für mich im Miteinander mit den Menschen viel gelernt – auch mit dem Tod umzugehen. Ich bin ein durchweg positiver Mensch.“ Und sie fügt hinzu: „War das schön, dass ich diese Arbeit vor 20 Jahren begonnen habe.“ Ihr Motto „Keiner kann alles, jeder kann etwas, gemeinsam schaffen wir vieles!“ hat das gesamte Team über all die Jahre geprägt.

In den 20 Jahren kommt Irmgard Alfermann auf 1100 Dienstage. Mit Vorbereitung und Nachbereitung hat sie so 8800 geleistete Dienstagsstunden. Hinzu kommt, dass sie auch an zwei Donnerstagen zehn Jahre lang diese ehrenamtliche Aufgabe in Westbevern geleistet hat.

Irmgard Alfermann bleibt der Alzheimer Gesellschaft Münster weiter verbunden. Sie arbeitet dort im Vorstand – schon seit 22 Jahren. Im Telgter/Ostbeverner Demenznetz der Alzheimer Gesellschaft Warendorf ist sie ebenfalls aktiv.

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