Ausbildung 2018
Den Dingen die richtige Form geben

Westbevern -

Vielseitigkeit ist wichtig, wenn man beruflich Erfolg haben will. Und auch der Blick über den Tellerrand öffnet manch Türe, die man zuvor gar nicht so auf dem Schirm hatte. Charlotte Sudmann aus Handorf orientierte sich zum Beispiel in Sachen Ausbildung Richtung Westbevern.

Montag, 08.01.2018, 11:01 Uhr

Eine Frau steht ihren Mann: Charlotte Sudmann (2.v.r.), Auszubildende zur Produktdesignerin ist bei Münstermann im dritten Lehrjahr. Auch bei großen Maschinen und Produkten hat sie keine Berührungsängste.
Eine Frau steht ihren Mann: Charlotte Sudmann (2.v.r.), Auszubildende zur Produktdesignerin ist bei Münstermann im dritten Lehrjahr. Auch bei großen Maschinen und Produkten hat sie keine Berührungsängste. Foto: Münstermann

Vielseitigkeit ist die große Leidenschaft von Charlotte Sudmann . Bei ihrem Hobby, dem Reiten, und beim Beruf. Vielseitigkeit ist auf dem Rücken eines Pferdes ein Mehrkampf aus Dressur, Geländeritt und Springen. Und da ist Charlotte Sudmann schon seit einiger Zeit erfolgreich für den RFV Telgte-Lauheide unterwegs. Auch ihr berufliches Glück scheint die junge Frau jetzt in Westbevern gefunden zu haben – bei einem vielseitig orientierten Ausbildungsbetrieb.

Bei der Firma Münstermann in Westbevern arbeitet die 21-Jährige im dritten Jahr ihrer Ausbildung zur technischen Produktdesignerin (der Beruf hieß früher technischer Zeichner) sehr erfolgreich.

Es ist auch die Vielseitigkeit des Berufs der technischen Produktdesignerin, die die Hobby-Reiterin reizte. Ob industrielle Trocknungs- und Wärmebehandlungsanlagen, anspruchsvolle Fördertechnik und hochwertige Entstaubungs- und Filteranlagen: Am Anfang steht meistens ein Konstruktionsskizze. Die hat ein Ingenieur angefertigt. Aber es sind erst die technischen Produktdesigner, die diese Zeichnungen am PC zum Leben erwecken.

Technische Produktdesigner sind die Brücke zwischen der Konstruktion und der Produktion. Auf der Grundlage der Ingenieursskizzen entwerfen sie am Computer 2D- oder 3D-Modelle. Auch wenn das rechnerunterstützte Zeichnen rund 90 Prozent der Arbeit ausmacht, stand Charlotte Sudmann am Anfang ihrer Ausbildung vier Monate im Blaumann in der Werkstatt, um die einzelnen Stationen der Produktion kennenzulernen, zum Beispiel eine Ofentrocknungsanlage.

In der ersten Zeit erlernte die angehende technische Produktdesignerin, verschiedene Bauteile am PC darzustellen. Damit sie später am Rechner beim Kons­truieren keine Fehler macht, setzte sie sich auch mit verschiedenen Werkstoffen, Fertigungsverfahren und Montagetechniken auseinander. „Dieses Montieren hat echt Spaß gemacht“erinnert sich die 21-Jährige, „am Ende hat man etwas in der Hand, was man selbst gemacht hat. Das ist schon toll.“

Aber was muss man eigentlich für den Ausbildungsberuf des Produktdesigners mitbringen? „Das kreative Einbringen ist sehr gefragt“, sagt Ausbildungsleiter Dirk Münstermann . „Man braucht räumliche Vorstellungskraft, gute Kenntnisse in Mathe und Physik, ein Interesse an Technik, hohe Konzentrationsfähigkeit, Flexibilität und Teamgeist, um projektbezogen erfolgreich arbeiten zu können.“

Der Clou kommt noch: „Es ist ganz egal, was für einen Schulabschluss man hat“, ergänzt Dirk Münstermann. Die Ausbildung dauert in der Regel dreieinhalb Jahre.

Obwohl Charlotte Sudmann bei der Firma Münstermann derzeit die einzige Frau unter insgesamt 21 Azubis (davon aktuell vier Produktdesigner, im Sommer 2018 werden es acht) ist, kommt sie sehr gut zurecht. Kaum zu glauben, dass sie durch Zufall bei Münstermann landete.

Nach der Schule wusste Charlotte Sudmann erst gar nicht, wo es beruflich hingehen sollte. Sie wollte nicht in Münster, sondern im Umland arbeiten und schaute sich die Homepages verschiedener Firmen im Internet an. Der Online-Auftritt von Münstermann sprach sie am meisten an: „Familiär nett, informativ, transparent, vielseitig.“

Auch die flachen Hierarchien sprachen sie an. „Wir sehen unser Auszubildenden als zukünftige Mitarbeiter und das vom ersten Tag an“, erläutert Firmenchefin Magdalena Münstermann die Philosophie des Familienunternehmens. „Das bedeutet, dass die Auszubildenden von Anfang an mit in die Projekte miteingebunden werden.“

Das entspricht Charlotte Vorstellungen sehr: „Es ist sehr gut, das ich viel zeichnen kann, viele kreative Ideen miteinbringen kann und wir in Gruppen konstruktiv arbeiten. Ich bin immer überrascht, was am PC da so alles bei rauskommen kann.“ Auch die guten Zukunftsaussichten des Berufs und das sichere Einkommen gefallen der 21-Jährigen sehr.

Charlotte Sudmann hat ihre Abschlussprüfung im Mai. Danach kann sie bei Münstermann auch ein berufsbegleitendes Studium anhängen. Ausbildungsleiter Dirk Münstermann betont: „Die Chancen einer Übernahme sind sehr groß. Charlotte macht gute Arbeit, zeichnet viel, hat sich integriert. Ich würde eh gerne eine Frau einstellen.“ Und warum? „Frauen bringen einfach anderen Schwung rein.“

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