„Die Herkuleskeule“
Scharfsinnig Aufgespießtes

Telgte -

Das Kabarett-Ensemble „Die Herkuleskeule“ aus Dresden präsentierte sein unterhaltsames Programm „Ballastrevue“ ins Bürgerhaus.

Sonntag, 14.01.2018, 18:01 Uhr

Das politisch-satirische Ensemblekabarett aus Dresden mit Birgit Schaller, Nancy Spiller und Hannes Sell sorgte im Bürgerhaus für beste Unterhaltung.
Das politisch-satirische Ensemblekabarett aus Dresden mit Birgit Schaller, Nancy Spiller und Hannes Sell sorgte im Bürgerhaus für beste Unterhaltung. Foto: Andreas Hasenkamp

Um Entschuldigung bitten sie vorab „ganz herzlich“, die Kabarettisten aus „dem fernen Osten“, sie hätten eine eigene Meinung: Das Kabarett-Ensemble „Die Herkuleskeule“ aus Dresden präsentierte am Freitag sein Programm „Ballastrevue“ ins Bürgerhaus.

Gags und Kalauer haben sie, scharfsinnig Aufgespießtes und einige leitende Ideen: „Nur wer ein Tabu bricht, dem hört man heut noch zu“ oder „Je mehr ein Volk verblödet ist, desto besser kann man’s lenken“. Aktuelles spießen sie auf, sehen die SPD in der Alternative „zwischen Selbstmord oder Suizid“. Und Dauerhaft-deutsches wie die „Angst“.

Gelegentlich irritiert etwas Dahingeworfenes, das nicht aufgelöst wird: „Staatsfernsehen“ – und was ist damit? Ein Revolutions-Zitat-Krümel, die Marx-Büste mit dem Loch im Kopf beschwert sich nicht. Ein Merkel-Zitat über Anregungen, damit Deutschland so bleibt – dehnfähige Worte, flott „kritisch“ ausgelegt – die Niederungen womöglich kritikwürdiger Zustände muss man dann ja nicht durchforsten.

Härter mag das sächsische Kabarett sein. „Wir lassen uns weniger gefallen“, sagt nach der Aufführung Schaller. Tiefbohrender, durch die Mangel drehend ist es nicht unbedingt.

Gemütlich einrichten kann man es sich nicht bei ihnen: Da ist ein „Missverständnis“ in Lettland der russischen Militär-Walze Anlass genug, bis Polen durchzurutschen – und die Westeuropäer flüchten, bis die gewohnte Flucht-Richtung sich umdreht: Gen Afrika, wo sie sich an die arabische Leitkultur zu gewöhnen haben. Ein originelles bis geniales Gedanken-Experiment. Gleich darauf bekommen NATO-Generäle ihr Kriegstreiberei-Fett ab – jedenfalls bis zu erfolgten Hoden-Zählung.

Das Publikum schätzt sichtlich auch das handwerkliche Können der Drei, die Schauspieler sind und teils mehr – Schaller schmettert die „Kalinka“ jodelnd. Jens Wagner und Volker Fiebig an Piano und Schlagzeug ernten Extra-Applaus.

Schon seit Anfang der 2000er Jahre ist das Kabarett immer wieder nach Telgte gekommen, immer ausverkauft, so auch diesmal. Auf 150 Gastspiele kommen sie. In Dresden, im Keller des pünktlich (wieder-)eröffneten Kulturpalasts ist es auch ausverkauft, bis Dezember.

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