Rathaus unter Denkmalschutz?
Voll funktionsfähig

Telgte -

Die Denkmalschützer vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL), Dr. Anke Kuhrmann und Dr. Fred Kaspar, empfehlen, das Telgter Rathaus unter Denkmalschutz zu stellen. Warum das geschehen sollte, erläuterten sie detailliert bei einer Informationsveranstaltung der Stadt.

Dienstag, 23.01.2018, 19:01 Uhr

Dr. Anke Kuhrmann und Dr. Fred Kaspar empfehlen, das Telgter Rathaus unter Denkmalschutz zu stellen.
Dr. Anke Kuhrmann und Dr. Fred Kaspar empfehlen, das Telgter Rathaus unter Denkmalschutz zu stellen. Foto: Schulte/Flockert

Hübsch oder hässlich? Denkmal oder Betonklotz? Sanieren oder abreißen? Es scheiden sich die Geister, wenn es um das Telgter Rathaus geht. Im Rat wird trefflich gestritten, und auch die Bürger sind längst nicht einer Meinung. Also wurde seitens der Verwaltung mal beim Amt für Denkmalpflege nachgefragt und um eine fachliche Auskunft gebeten. Mit einem Ergebnis, das einige erhofft und andere befürchtet haben.

Noch ist es nicht amtlich. Aber es läuft wohl darauf hinaus, dass das Rathaus „unter Schutz“ gestellt wird. So die klare Empfehlung der Architektur-Historiker des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL), Dr. Anke Kuhrmann und Dr. Fred Kaspar , die ihr Gutachten am Montagabend im Ratssaal der interessierten Öffentlichkeit präsentierten. In Wort und Bild, mit Beispielen aus der nahen und ferneren Umgebung, begründeten sie, warum sie zu dieser Empfehlung gekommen sind.

Anke Kuhrmann nahm die Besucher mit auf eine visuelle Rundreise durch die Region, präsentierte Rathäuser der Traditionalisten, der Monumentalisten und der Modernisten. Alle erbaut zwischen den 1950er und 1970er Jahren. Alle irgendwie ähnlich, aber eben doch anders.

So wie das Telgter Bauwerk, das Fred Kaspar detailliert unter die Lupe nahm. Er erinnerte daran, wann und warum überhaupt das Rathaus gebaut werden musste. Es war die Zeit der Stadtsanierung und der kommunalen Gebiets- und Verwaltungsreform, die Städte wuchsen und damit die Anforderungen. Westbevern kam zu Telgte, man brauchte mehr Mitarbeiter und damit mehr Raum für die Verwaltung. Zumal damals schon Raumnot im heute „historischen Rathaus“ herrschte.

Also ein Neubau, für den eigens ein Rathaus-Neubauausschuss ins Leben gerufen wurde. Der machte sich damals viele Gedanken und schrieb einen Architektenwettbewerb aus. Den dritten Preis gewann der junge Hans Rubarth aus Greven, aber er erhielt dennoch den Auftrag. Warum? Man weiß es nicht mehr.

Es wurde ein Zweckbau, der Selbstbewusstsein ausstrahlen sollte und mit den damaligen Traditionen brach. Stahlbeton-Skelett und Modulbauweise, das Potenzial um eine Erweiterung um 100 Prozent besaß. Die Künstler Axel Seyler und Ludwig Bauer wurden mit ins Boot genommen. Alles Fakten, die Fred Kaspar noch heute beeindrucken. „Modern, schroff, eigenständig“, so der Denkmalpfleger, „wie so manch andere ungewöhnliche Projekte in Telgte“. In diesem Zusammenhang nannte er die Johanneskirche, das Bürgerhaus, das Krippenmuseum. „Hier wurde immer schon mutig, aber auch nachhaltig gebaut.“

Bemerkenswert: Zeit- und Kostenplan wurden eingehalten. Der Grundsteinlegung am 11. Oktober 1972 folgte die Einweihung exakt zwei Jahre später. Auffallend: Die Betonbänder rund ums Haus sollen Ruhe vermitteln, die Schrägstellung der Lamellen alles leichter erscheinen lassen. Beeindruckend: Die Bestuhlung des Ratssaals ist immer noch intakt, der Teppichboden sieht gut aus. Aber der Beton musste bereits 1985 erstmals saniert werden.

Die nächste Sanierung steht an, Bauamtsleiter Reinhold Ginski hat für die Fassade bereits drei Vorschläge parat. Ausgerechnet die günstigste Variante würde dem LWL am besten gefallen – aus Denkmalschutzgründen. Immerhin.

„Das Rathaus ist in die Jahre gekommen, keine Frage. Aber es ist den Anforderungen nach wie vor gewachsen“, lautet der flammende Appell von Bürgermeister Wolfgang Pieper. Er möchte mehr Anerkennung und Wertschätzung für das, was kluge Köpfe seinerzeit errichtet haben. Die Abrissbirne ist für ihn keine Alternative. Er möchte das Rathaus so herrichten lassen, dass es auch die nächsten 40, 50 Jahre Verwaltung und Rat beherbergen wird.

Kernpunkt der abschließenden Fragerunde: Abreißen und neu bauen oder sanieren – was ist eigentlich teurer? Keine Antwort, das wird noch zu ermitteln sein. Die Diskussion wird weitergehen . . .

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