Schulwahl
Kriterium Konfession sorgt für Ärger

Telgte -

Während rund eine Handvoll i-Männchen aus dem Nahbereich seiner Wohnung zur Marienschule geht, muss sich Tim Tiggemann alleine auf den Weg zur Brüder-Grimm-Schule machen. Von der Marienschule haben seine Eltern eine Absage bekommen. Denn Tim Tiggemann ist konfessionslos.

Dienstag, 30.01.2018, 20:01 Uhr

Nachdem nicht alle zukünftigen i-Männchen an der Marienschule einen Platz bekommen haben, kritisieren einige Eltern, dass die Konfession ein entscheidendes Kriterium bei der Auswahl war.
Nachdem nicht alle zukünftigen i-Männchen an der Marienschule einen Platz bekommen haben, kritisieren einige Eltern, dass die Konfession ein entscheidendes Kriterium bei der Auswahl war. Foto: dpa

Wenn Tim Tiggemann im Sommer seinen Tornister schultert und sich erstmals auf den Weg zur Grundschule macht, dann wird sich die Strecke dorthin deutlich von denen der anderen Kinder im Wohngebiet am Grünen Weg unterscheiden. Denn während rund eine Handvoll i-Männchen aus dem Nahbereich seiner Wohnung zur Marienschule geht, muss sich Tim alleine auf den Weg zur Brüder-Grimm-Schule machen. Seine Eltern, Julia und Martin Tiggemann, haben jetzt von der Marienschule eine Absage bekommen und sind an die Brüder-Grimm-Schule verwiesen worden. Denn Tim Tiggemann ist konfessionslos.

„Als wir die Nachricht bekommen haben, war ich erst einmal geschockt“, erzählt Julia Tiggemann. Fest hatte die junge Mutter, die mit ihrer Familie erst vor wenigen Monaten nach Telgte gezogen ist, eigentlich damit gerechnet, dass ihr Sohn genauso wie die anderen Kinder im Wohngebiet einen Platz an der Marienschule bekommt. „Kinder aus der direkten Nachbarschaft auf unterschiedliche Schulen zu schicken und damit möglicherweise auch bereits bestehende Freundschaften zu zerreißen halte ich für sehr problematisch“, sagt die Neu-Telgterin. Ihrem Sohn hat sie von dem Dilemma noch nichts erzählt. „Wir werden es ihm schonend beibringen müssen“, sagt sie.

Mittlerweile hat sich Julia Tiggemann vom ersten Schock ein wenig erholt. Gleichwohl herrscht bei ihr und ihrem Mann weiterhin großes Unverständnis über die Entscheidung. „In der heutigen Zeit die Konfession als ein Kriterium heranzuziehen ist meiner Meinung nach nicht mehr zeitgemäß“, sagt Martin Tiggemann. Er ist katholisch, seine Frau evangelisch, und ihrem Kind wollen sie die Wahlfreiheit überlassen ob und wenn ja welche Glaubensrichtung für Tim auf Dauer die richtige ist.

Das Ganze ist kein Einzelfall. Amke Junker und ihr Mann Thorsten sind ebenfalls betroffen. Sie wohnen in der Bauerschaft Berdel, und ihr Sohn Levi, der evangelisch ist, ist ebenfalls an der Marienschule abgelehnt worden.

Das aber scheint sich in diesem Fall sogar zu einem fahrtechnischen Problem zu entwickeln. Denn, wie die Eltern bislang gehört haben, muss ihr Sohn ab Sommer wahrscheinlich, um zur Brüder-Grimm-Schule zu gelangen, erst einen Bus zum Schulzentrum nehmen und dort umsteigen. Und auf dem Rückweg endet die Fahrt angeblich an der Wolbecker Straße in Höhe des dortigen Wohngebietes. „Ich werde also nicht umhinkommen, ihn dort abzuholen. Denn der Fußweg von rund einem Kilometer bis zu uns ist ihm meiner Meinung nach nicht zuzumuten“, sagt Amke Junker.

Sie und ihr Mann sind ebenfalls der Meinung, dass die strenge Auswahl nach der Konfession kein „mehr der Zeit angemessenes Kriterium ist“, aber sie haben ein Stück weit resigniert.

„Ich kann den Ärger bei einigen Eltern durchaus verstehen“, sagt Tanja Schnur, zuständige Fachbereichsleiterin in der Verwaltung, doch dann kommt ein Aber und die Erinnerung an das vergangene Schuljahr. Seinerzeit sei bei der Auswahl der Anmeldungen mehr Wert auf den Sozialraum und die Nähe zur Schule gelegt worden als auf die Konfession. „Wir haben uns dabei eine blutige Nase geholt“, bringt Schnur das Problem auf den Punkt. Denn nach Klagen von Eltern habe die Bezirksregierung ganz deutlich gemacht, dass an konfessionsgebundenen Schulen die Konfession ein wichtiges Kriterium sei.

Daher hätten die Schulleitungen, die über die Aufnahme entscheiden würden, dieses in diesem Jahr deutlicher berücksichtigt. „Mit dem Ergebnis, dass wir leider wieder andere Eltern haben, die verständlicherweise mit der Entscheidung nicht zufrieden sind“, sagt Schnur.

Erschwerend komme hinzu, dass die Bezirksregierung mittlerweile auch anhand der Schülerzahlen die Zahl der Eingangsklassen festlege, also auch in diesem Bereich keine „Luft“ mehr existiere. Das bedeute, dass es zum neuen Schuljahr an jeder Telgter Grundschule nur zwei Eingangsklassen gebe.

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