Kabarett im Telgter Bürgerhaus
Und was war 2017 sonst noch wichtig?

Telgte -

Die Kabarettistin Anny Hartmann blickte noch einmal zurück auf das vergangene Jahr 2017.

Montag, 05.02.2018, 06:02 Uhr

Anny Hartmann bewies, dass Kabarett wehtun muss, aber dennoch das Lachen nicht zu kurz kommen sollte.
Anny Hartmann bewies, dass Kabarett wehtun muss, aber dennoch das Lachen nicht zu kurz kommen sollte. Foto: Arndt Zinkant

„Kabarett muss auch wehtun – auf welcher Ebene auch immer!“, grinst Anny Hartmann . Das könnte man glatt als Drohung auffassen. Denn Hartmanns Programm bereitet dem Kabarett-Gourmet so manchen Schmerz auf so mancher Ebene. Die studierte Volkswirtin hat nicht gerade das, was man „Funny Bones“ nennt: ein genuin witziges Talent. Stattdessen gibt es bei ihr tantenhaft monotone Vorträge und abgegriffene Wortspiele am laufenden Band. Dass Original-Zitate von Lukas Podolski ihr die lautesten Lacher des Abends bescherten, sagt eigentlich schon alles.

War Hartmanns Jahresrückblick, wenn schon nicht lustig, so zumindest satirisch erhellend? Eher nein. Atmos­phärisch wie intellektuell pendelte er zwischen buntem Seniorenabend und Ortsvereinssitzung der Linkspartei. Die findet Hartmann nämlich ganz toll und hätte sie gern in einer rot-rot-grünen Koalition gesehen. Aber verflixt! Da kamen ihr im Sommer die G20-Krawalle dazwischen, die das linke Image leider beschädigt hätten. In einer umstandskrämerischen Nummer versuchte Hartmann nun, im Nachgang zu beweisen, dass die Polizei Schuld an jeder Eskalation gehabt habe. Weil der Hamburger Polizeichef Dudde ein Protegé von „Richter Gnadenlos“ Schill und überhaupt ein schlimmer Finger sei. Merke auf, Publikum: Echte, wackere Linke sind nie gewalttätig – das sind immer nur „Chaoten“. Wohl dem, der ein schlichtes Weltbild hat.

Und was war 2017 sonst noch wichtig? Mancher im Publikum hätte vielleicht auf die Flüchtlingskrise getippt. Von wegen. Das satirisch anspruchsvolle Thema wird von Anny Hartmann komplett ausgeblendet. Motto: Wer nix sagt, sagt auch nix Falsches. Ebenso wenig Erwähnung findet jene Frau, die das Land seit über zwölf Jahren regiert: die Kanzlerin. Warum gibt’s keine Dresche für Angie, Anny? Seltsam. Umso mehr Dresche bekommt ein anderer: Thomas de Maizière, den die Kabarettistin wohl für eine Art Schattenkanzler hält, der die eigentliche Verantwortung im Lande trägt.

Es ist übrigens ehrenwert, dass immer wieder der Journalist Deniz Yücel zur Sprache kommt, der in der Türkei in Haft sitzt. Aber wenn Sie wirklich so um Meinungsfreiheit besorgt sind, Frau Hartmann, warum erwähnen Sie dann mit keiner Silbe das hoch umstrittene „Netzwerkdurchsetzungsgesetz“ von Heiko Maas? Das wurde nämlich ebenfalls im letzten Jahr beschlossen.

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