Historische Kapellenfenster wiederentdeckt
Halbes Jahrhundert aus dem Sinn

Warendorf -

Im Moment stehen noch Fragezeichen über der exakten Geschichte. Sicher ist, dass die beiden in einer Halle des Baubetriebshofes gefundenen Fenster Teil der 1847 errichteten Hospital-Kapelle waren. Trotz dicker Staubschicht ließ sich schnell erkennen, dass es sich um bleiverglaste Fenster handelte. Das noch unrestaurierte zeigt die Schmerzhafte Mutter Gottes in Telgte.

Freitag, 06.04.2018, 11:04 Uhr

Die Rückseite der Verglasung. Deutlich zu sehen: An der rechten Hand der Jesusfigur ist etwas ins Fenster geschlagen. An einer Eisenstrebe ist die Konstruktion mit Bleiband verzwirbelt. So sieht das große Fenster im Moment aus. Es ist aus dem 50 Jahre lang als Zwischenlager genutzten Baubetriebshof zum Hospital in Warendorf gebracht worden. Das andere schon sanierte Fenster zeigt den Heiligen Nikolaus (oben), das große die Schmerzhafte Mutter von Telgte.
Die Rückseite der Verglasung. Deutlich zu sehen: An der rechten Hand der Jesusfigur ist etwas ins Fenster geschlagen. An einer Eisenstrebe ist die Konstruktion mit Bleiband verzwirbelt. So sieht das große Fenster im Moment aus. Es ist aus dem 50 Jahre lang als Zwischenlager genutzten Baubetriebshof zum Hospital in Warendorf gebracht worden. Das andere schon sanierte Fenster zeigt den Heiligen Nikolaus (oben), das große die Schmerzhafte Mutter von Telgte. Foto: Jörg Pastoor

Der Staub war so dick, dass er fast wie Ruß aussah. 50 Jahre war hier kein Lappen mehr im Einsatz. Dennoch ließ sich durch die aus der Fläche vorspringenden Muster sofort erkennen, dass es sich um bleiverglaste Fenster handelte. Eins davon ist schon aufbereitet und in der Ausstellung zum 175-jährigen des Josephs-Hospitals zu sehen.

Das andere ist deutlich größer, vielleicht einen dreiviertel Meter breit und knapp drei Meter hoch. Es stammt ebenfalls aus der Kapelle des früher an der Lüningerstraße stehenden Krankenhaus-Altbaus und zeigt in oberen Feld die Darstellung der Pietà aus Telgte. „Patrona Nostra Ora Pro Nobis“ steht unter der Mater Dolorosa: „Schutzheilige, bete für uns“. Das ist schwer zu lesen, da das Fenster verkehrt herum an der Seitenwand eines wiederum als Zwischenlager genutzten Raums steht: einer Garage im Josephs-Hospital. Doch der Zustand ist nicht von Dauer. Die Hausleitung ist im Gespräch mit einem Restaurator. „Bei Teutemacher hat man schon gesagt, dass das Glas gut zu reinigen sein dürfte“, sagt Kliniksprecher Tobias Cristof Dierker . Auch der Ersatz der Gläser – zu den sieben fehlenden Stücken zählt die rechte Hand der Jesusfigur – sei technisch kein Problem.

Bei Teutemacher hat man schon gesagt, dass das Glas gut zu reinigen sein dürfte

Haussprecher Tobias Cristof Dierker

Zunächst ist nach Überzeugung von Horst Breuer wohl eine Spezialbehandlung für den Holzrahmen fällig: „Da ist der Wurm drin.“ Der Leiter des Kulturbüros erinnerte sich gleich an einen ehemaligen Bauhof-Mitarbeiter, nachdem er bei Aufräumarbeiten in einer Halle des Betriebs auf die Schätze aufmerksam gemacht wurde. „Er hat bestätigt, dass das die beim Abbruch der Kapelle des alten Josephs-Hospitals ausgebauten Fenster sind“, so Breuer zur WN.

Wahrscheinlich weit über 100 Jahre alt

Im Moment stehen noch Fragezeichen über der exakten Geschichte. Sicher ist, dass sie Teil der Kapelle waren, die ihrerseits im 1847 errichteten, ersten Anbau des Hospitals entstanden war. So kommt Horst Breuer auf die Schätzung, dass die Fenster irgendwann Mitte, Ende des 19. Jahrhunderts entstanden sein müssten. Dass die somit auf jeden Fall deutlich mehr als 100 Jahre alten Überbleibsel von Warendorfs Krankenhausgeschichte im gerade entstehenden Neubau einen festen Platz erhalten sollen, freut Horst Breuer: „Ich finde es ganz besonders wichtig, dass dieses Bewusstsein für die Erhaltung bei der Leitung des Hospitals da ist.“

Bis zur Restaurierung zwischengelagert: das zweite Fenster der 1847 errichteten Kapelle des Josephs-Hospitals.

Bis zur Restaurierung zwischengelagert: das zweite Fenster der 1847 errichteten Kapelle des Josephs-Hospitals. Foto: Jörg Pastoor

Laut Haussprecher Dierker ist das intern schon längst abgeklärt: „Der Architekt macht sich schon Gedanken darüber.“

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