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Familiengeschichte lebt

Telgte -

„Ancestry“: Die Ahnenforschung jenseits des großen Teichs ist leichter geworden. Ferdi Neuhaus wird am 12. April im Religio allen Interessierten eine kleine Einführung in die Erforschung der Auswanderergeschichte der eigenen Familie geben und über den Zugang zur Datenbank „Ancestry“ berichten.

Samstag, 07.04.2018, 07:04 Uhr

Zugriff auf Milliarden Dokumente weltweit hat Ferdi Neuhaus (l.), der sich intensiv mit der Geschichte vieler Auswanderer aus Telgte beschäftigt. Er gehört, genauso wie Alfons Große Stetzkamp (r.), zum Arbeitskreis Auswanderer des Heimatvereins.
Zugriff auf Milliarden Dokumente weltweit hat Ferdi Neuhaus (l.), der sich intensiv mit der Geschichte vieler Auswanderer aus Telgte beschäftigt. Er gehört, genauso wie Alfons Große Stetzkamp (r.), zum Arbeitskreis Auswanderer des Heimatvereins. Foto: Große Hüttmann

Wenn Ferdi Neuhaus am Computer sitzt, dann gleicht seine Arbeit oft einem riesigen Puzzle. Denn am heimischen PC fügt er stückweise, zumeist in mühevoller Kleinarbeit, die Daten von historischen Passagierlisten, US-Einreisepapieren aus dem vorigen Jahrhundert und die Ergebnisse aus dem Durchsuchen von anderen amtlichen Dokumenten zusammen, um daraus immer mehr Licht in das Dunkel vieler Auswanderergeschichten Telgter und Westbeverner Familien zu bringen.

Ferdi Neuhaus ist in der Ahnenforschung seit Jahren sehr erfahren. Bereits im Jahr 2000 begann er, die Geschichte der eigenen Familie zu ergründen und möglichst viele Vorfahren in seinem Stammbaum zu finden. 2008 stand dann der erste virtuelle Sprung über den großen Teich an, denn um weitere Wurzeln in seiner eigenen Geschichte zu ergründen, beschäftigte sich der Telgter ab diesem Zeitpunkt immer mehr mit der Auswandererforschung.

Ein glücklicher Umstand, wie Alfons Große Stetzkamp, Leiter des Arbeitskreises Auswanderer des Heimatvereins, findet. Denn die beiden Ehrenamtlichen kamen irgendwann in Kontakt, und seit Jahren bereits ist Ferdi Neuhaus nicht nur Mitglied im Arbeitskreis, sondern als IT-Experte verantwortlich für die gesamte Datensammlung und -aufbereitung. Das ist viel Kleinarbeit und gleicht besagtem Puzzle, und es dauert oft lange, bis Ergebnisse präsentiert werden können. „Es ist zwar nach der Herausgabe des Auswandererbuches ruhiger um den Arbeitskreis geworden, das Arbeiten eingestellt haben wir aber keineswegs“, sagt Große Stetzkamp und präsentiert zusammen mit Ferdi Neuhaus eine Datensammlung mit Telgter Bezügen, die noch Stoff für jahrelange Forschungen bietet.

In diesem Zusammenhang kam die Idee auf, bei einem Vortrag am 12. April (Donnerstag) ab 19 Uhr im Museum Religio Interessierten eine kleine Einführung in die Erforschung der Auswanderergeschichte der eigenen Familie zu bieten. Ferdi Neuhaus wird dann vor allem über die bekannte Datenbank „Ancestry“ berichten, die Zugriff auf einige Milliarden Dokumente rund um das Thema Auswanderer in aller Welt bietet.

Der Heimatverein hat einen bezahlten Zugang erworben, um so die Geschichte vieler Telgter im Ausland anhand von Dokumenten belegen zu können.

Beim Thema „Ancestry“ kommt Ferdi Neuhaus regelrecht ins Schwärmen, denn mit nur wenigen Mausklicks ist der Sprung über den großen Teich möglich, um beispielsweise in alten Passagierlisten, Einwandererpapieren oder anderen behördlichen Dokumenten zu recherchieren. „Oft gelingt es dann, durch das Zusammenspiel mit Nachkommen der Auswanderer, Dokumenten aus dem Stadtarchiv oder logischem Denken, daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen und die Geschichte sowie Stationen von Telgtern im Ausland lebendig werden zu lassen“, sagt Neuhaus.

Doch das Ganze ist oft weitaus schwieriger, als sich das zunächst anhört, das wird schnell klar. Denn immer wieder sind Namen nicht richtig geschrieben, fehlen Geburtsdaten oder Ortsangaben. Und noch eines macht die Sache manchmal zusätzlich kompliziert: Ein Teil der Telgter Auswanderer hat zunächst in Russland bei Zarin „Katharina der Großen“ sein Glück versucht, um dann von dort aus die Fahrt über den großen Teich anzutreten. Zudem ist ein Teil der Emsstädter heimlich ausgewandert, was die Arbeit zusätzlich erschwert.

Rund 600 Frauen und Männer haben nach Recherchen des Arbeitskreises Auswanderer, zu dem auch Paul Möllers und Helmut Sommer gehören, im Laufe von gut 100 Jahren ihr Glück im Ausland gesucht. Etwa 560 davon hat Ferdi Neuhaus bereits in seinem Datenbestand registriert, und von vielen hat er einzelne oder mehrere Spuren gefunden. „Von daher sind wir auch gerne bereit, Ahnenforscher aus Telgte bei ihrer Suche zu unterstützen“, sagt Alfons Große Stetzkamp. Denn mit der passenden Software und einer Menge Erfahrung ist der virtuelle Sprung über den großen Teich und der Zugriff auf die dortigen Archive ein ganzes Stück einfacher.

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