Telgter Josef Henkel beschäftigt sich im Ruhestand intensiv mit Geschichte
Welt mit anderen Augen sehen

Telgte -

Josef Henkel hat im Ruhestand alle Hände voll zu tun. Geschichte ist sein Steckenpferd.

Samstag, 15.09.2018, 12:00 Uhr
Veröffentlicht: Samstag, 15.09.2018, 12:00 Uhr
Josef Henkel ist seit 2008 Rentner. Schon frühzeitig hat er sich mit der Alten Geschichte beschäftigt. Heute nimmt er begeistert am „Studium im Alter“ teil.
Josef Henkel ist seit 2008 Rentner. Schon frühzeitig hat er sich mit der Alten Geschichte beschäftigt. Heute nimmt er begeistert am „Studium im Alter“ teil. Foto: Pohlkamp

Viele Berufstätige, die nach einem langen Arbeitsleben vor dem Ruhestand stehen, haben ihre Zeit danach geplant. Menschen, die sich schon mittendrin befinden, werden oft gefragt: „Was machst Du eigentlich?“

Einfach nur herumzusitzen, ist vielen doch zu wenig: Sie müssen den Alltag aktiv gestalten, sich neue Ziele setzen, Herausforderungen suchen und die Seele stärken. Oder die Welt kennenlernen. Die WN haben sich auf den Weg gemacht, Telgter im sogenannten „Unruhestand“ zu besuchen und erzählen zu lassen.

Josef „Jost“ Henkel ist seit 2008 Rentner. Er hat seine neue Welt bereits gestaltet: Schon frühzeitig hat er sich mit der Alten Geschichte beschäftigt. Nach seiner Schulzeit zog es den 1947 in Dortmund geborenen Vadruper mit 18 Jahren nach Münster: Vier Semester studierte er an der Uni Alte Geschichte. Dann wandte er sich vom Studium ab. 1967 schulte er zum Reiseverkehrskaufmann um, ließ sich in Münsteraner Reiseunternehmen ausbilden, war in Soest und in Münster Geschäftsführer in zwei Reiseagenturen und fand schließlich in Telgte seine berufliche und private Heimat: Von 1991 bis 2008 leitete er am Markt (heute: Kapellenstraße) die „Inlandstouristik“ und später die „Stadttouristik“ der Stadt Telgte. Er baute den „Treffpunkt Telgte“ mit auf und war zudem zwei Jahrzehnte lang im Prüfungsausschuss der IHK für Touristikkaufleute tätig.

Das bis vor zehn Jahren. Seitdem ist er stets aktiv geblieben: So besucht er zwei mal pro Woche das Fürstenberghaus am Domplatz. Die Universität in Münster bietet dort Vorlesungen an: Studium im Alter. „Spaß am Wissen“ treibt Henkel an. 800 Vorlesungen hat er seitdem besucht: Die Alte Geschichte ist sein Steckenpferd: die griechische und römische Geschichte der antiken Mittelmeerwelt und ihrer angrenzenden Gebiete von den ersten schriftlichen Zeugnissen im zweiten Jahrtausend vor Christus bis zum Ende des sechsten Jahrhunderts nach Christus.

Und immer wieder gibt es neue Themen. Zwischendurch bereist Josef Henkel mit seiner Frau oder mit Freunden diese Länder, macht dann aus Theorie Praxis: Er erlebt die Stätten aus dieser Zeit, liest Bücher, Bildbände und Schriften. Außerdem verfügt Josef Henkel über 10 000 Fotos der antiken Kulturstätten, die er selbst auf seinen Reise gemacht hat. So hat er sich zu einem Experten der Alten Geschichte entwickelt, und so wurde er immer vertrauter mit der Vergangenheit. Daher rührt auch sein wegweisendes Zitat nach August Bebel: „Nur wer die Vergangenheit kennt, kann die Gegenwart verstehen und die Zukunft gestalten!“

Auf verschiedenen von ihm organisierten Kulturreisen für die Volkshochschule in den Mittelmeerraum kam er zudem mit den historischen Stätten in Berührung. Sein „Studium im Alter“ konnte er auf diesen Auslandsaufenthalten beim Wandel durch die Geschichte umsetzen, sehr zur Freude der Teilnehmer.

Privat sucht er sich gezielt Reiseziele aus, die in seinem Studium behandelt werden: „Dadurch erfahre ich viel, lerne eine Menge, kann vieles auf die Gegenwart und Zukunft übertragen und sehe mein Reiseland mit ganz anderen Augen.“

Als ein Beispiel nennt er die Völkerwanderung. Die gab es immer schon. Heute habe sie nur eine andere Dimension erfahren. Nach seinem Studium ist er davon überzeugt, dass sich die Politik in gewisser Weise immer wiederhole.

Seit Januar 2017 hat Josef Henkel sein „Tun“ erweitert: „Ich biete ein Mal im Monat im ,Marktcafé’ einen sogenannten ,Politischen Kaffeetalk’ an: Weltpolitisch interessierte Telgter sind dann eingeladen, mit mir über aktuelle Themen zu diskutieren, Wissen und Meinungen auszutauschen, die Brennpunkte dieser Erde zu analysieren und sie zu verstehen.“ Das Angebot werde gut angenommen.

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