Segelfliegen am Berdel-Flugplatz in Telgte
„Das ist krasser als im Rennwagen“

Telgte -

Segelfliegen erfreut sich großer Beliebtheit. Das spüren auch die am Berdel-Flugplatz beheimateten Vereine.

Samstag, 06.10.2018, 14:00 Uhr
Veröffentlicht: Samstag, 06.10.2018, 14:00 Uhr
Nur Fliegen ist schöner. In diesen besonderen Genuss kommen die Segelflieger, die sich am Berdel-Flugplatz in die Höhe hieven lassen.
Nur Fliegen ist schöner. In diesen besonderen Genuss kommen die Segelflieger, die sich am Berdel-Flugplatz in die Höhe hieven lassen. Foto: Hagemeyer

„Das ist eine Beschleunigung, die hat man sonst wohl nur in der Formel 1“, begeistert sich Jasmin Feldmann. Die Telgterin schwärmt nicht etwa von einem PS-starken Rennwagen, sondern von einem Fortbewegungsmittel, mit dem man vor allem Leichtigkeit und Freiheit verbindet: dem Segelflugzeug. Am Flugplatz Berdel gibt es mehrere Vereine, deren Mitglieder diesen Sport ausüben.

Jasmin Feldmann gehört der Segelfluggruppe Telgte zu. „Ich habe vor drei Jahren einen Schnupperflug geschenkt bekommen“, erinnert sie sich. Da es ein zeitintensiver Sport sei, habe sie ihn erst nach dem Abitur verstärkt nachgehen können.

Auch Katharina Nolte ist dabei. „Das ist krasser als im Rennwagen“, mutmaßte sie. Begründen lässt sich das damit, dass in diesem Verein mit der Winde gestartet wird, die eine starke Zugkraft hat. Bei ihrem ersten Start habe sie noch die Augen zugekniffen, so groß sei die Spannung gewesen, erzählt Katharina Nolte. Wie die beiden 18-Jährigen, sind in diesem Jahr acht weitere Schüler dabei, in diesem Verein den Flugschein zu absolvieren.

„Sie sind allesamt talentiert“, freut sich Detlev Dierkes, einer der sechs Fluglehrer des Vereins. Nachwuchs für den Segelflugsport zu finden, sei nicht schwierig, sagt er. „Wir haben nie Probleme gehabt, neue Flieger zu bekommen.“ Der überwiegende Teil besteht aus jungen Erwachsenen. Es gebe aber auch Väter, die gemeinsam mit ihrem Kind anfangen wollen. Der Vorteil für die Jugendlichen: „Sie lernen schnell“, führt Detlev Dierkes aus. „Sie fliegen intuitiv, während die Erwachsenen den Sport auch aktiv eher mit dem Kopf lernen.“ Für die Jugendlichen kann das Hobby bedeuten: Den Autoführerschein noch nicht in der Tasche, kommen sie mit dem Fahrrad zum Flugplatz und steigen dort mit dem Flugschein in das Flugzeug.

Welche Voraussetzungen gelten für Fluginteressierte? „Sie sollten natürlich keine Angst vor Höhe und vor Beschleunigung haben“, sagt Dierkes. Und ein gewisser Teamgeist sei wichtig, denn beim Segelfliegen ist ein Miteinander wichtig. Unter anderem dafür, um das Flugzeug in die Startposition zu bekommen. Die Schülergruppe sei dabei zu einer guten Gemeinschaft geworden, es bilden sich schnell Freundschaften.

Letztendlich ist es etwas ganz Besonderes, das den Sport ausmacht. Detlev Dierkes bringt auf den Punkt, was den Sport ausmacht: „Es ist doch immer der Traum des Menschen gewesen, in die Luft zu steigen“, meint er. „Die Faszination des Fliegen ist es als solches.“ Das gelte im 19. Jahrhundert für Otto Lilienthal ebenso wie die Piloten heute.

Auch im Luftsportverein Münster wird die Nachwuchsarbeit, ob für junge oder für ältere Flugschüler, erfolgreich betrieben. „Man hat gleich die Möglichkeit, selbst das Flugzeug zu steuern“, erklärt Edgar Uekötter (lsv) einen Grund für die gute Resonanz. 14 Schüler zähle die Vereinigung zurzeit in der Sparte Segelflug. Schon ab 14 Jahren kann man sich aktiv damit beschäftigen.

Ein weiterer Pluspunkt für den Segelflugsport mag sein: Es geht direkt in die Praxis, die Theorie wird eher außerhalb der Saison, also im Winter, gelernt. Dazu gehören dann unter anderem die Navigation, das Luftrecht und die Meteorologie. Vor dem ersten Alleinflug, der die A-Prüfung ausmacht, muss zudem noch eine Bescheinigung eines Fliegerarztes her. Will die Prüfung B absolviert werden, muss man in der Lage sein, eine Ziellandung hinzulegen. Bis zur Luftfahrerscheinprüfung ist es „ähnlich wie beim begleitenden Fahren“, meinte Edgar Uekötter. „Nur das von unten geschaut wird.“ Auf etwa 1000 Euro Gesamtkosten schätzt er den finanziellen Aufwand.

War der Sport früher eine Männerdomäne, sind in den vergangenen Jahren etliche Mädchen und Frauen dazugekommen. „Das Verhältnis hat sich verändert“, erklärt Edgar Uekötter. Seit zwei Jahren ist Florian Genkes dabei. Beim ersten Besuch auf dem Flughafen Berdel durfte er direkt fliegen. Vor knapp einem Jahr setzte er sich das erste Mal allein in den Flieger. Was ihn begeistert? „Wenn man in der Luft ist, fühlt man eine unglaubliche Euphorie“, so der 15-jährige Münsteraner. Selber mit der Kraft der Natur, also mit dem Wind, in der Luft zu bleiben, fessele ihn.

Mit Plastikfliegern zum Zusammenbasteln hat Tom Baarslag begonnen, zum 14. Geburtstag bekam er dann Schnupperflüge geschenkt. Mittlerweile hat der 17-Jährige aus Havixbeck die Theorie „schon im Kasten“, vor dem ersten Alleinflug „hat man Respekt, aber keine Angst“.

Den Ansporn, allein den Lenkknüppel und das Höhenruder in den Händen zu halten, haben wohl alle Schüler. Und nach der Prüfung sind dem Sport kaum Grenzen gesetzt: Strecken von etwa 800 Kilometer können zurückgelegt werden. Das Reiseziel erreichen die Segelflieger fast wie ein Vogel. Für die Segelflugsportler bietet ihr Sport von der ersten Minute an Urlaubsfeeling pur.

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