Günter Klefisch aus Telgte sammelt Fahrräder und Zubehör
Drei Mal in 60 Jahren die Reifen gewechselt

Telgte -

Leidenschaftlicher Sammler von Fahrrädern und Zubehör ist der Telgter Günter Klefisch.

Mittwoch, 07.11.2018, 13:44 Uhr
Veröffentlicht: Samstag, 03.11.2018, 14:00 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Mittwoch, 07.11.2018, 13:44 Uhr
Günter Klefisch ist nicht nur ein leidenschaftlicher Sammler von Fahrrädern und Zubehör. Er repariert die Leezen auch.
Günter Klefisch ist nicht nur ein leidenschaftlicher Sammler von Fahrrädern und Zubehör. Er repariert die Leezen auch. Foto: Pohlkamp

Fahrspaß, Mobilität und das Fahren auf Rädern: Günter Klefisch hat einen Großteil seines Lebens auf Straßen und Schienen verbracht: als Autoslalom-Fahrer, als Beamter bei der Bahn und als Radsportler. Drei Mal hat er in diesen fast 60 Jahren die „Reifen gewechselt“ – hängen geblieben ist er am Ende bei den Zweirädern.

Vor seiner „Zweirad-Zeit“ gab es einen weiteren Beruf, den er mit Freude und Engagement ausübte: Von 1954 bis 1971 war er Automechaniker, zunächst in der Ausbildung, später 13 Jahre lang in der Werkstatt. Doch auch schon während seiner Ausbildungszeit hatte er seine Vorliebe fürs Radfahren entwickelt: Die Fahrt von seinem damaligen Wohnort Ostbevern zur Arbeit nach Telgte machte er oft mit seiner „Leeze“. Als Kfz-Mechaniker war er bis 1971 tätig.

Fürs Autofahren begeisterte sich Günter Klefisch auch weiterhin, allerdings ging es ihm dabei insbesondere um Sicherheit. Mit 18 Jahren schloss er sich dem Motorsportclub Münster an, nahm an Slalomfahrten und Fahrsicherheitstrainings auf dem Nürburgring, in Belgien und Zandvoort teil und erhielt viele Auszeichnungen, die sich in seinem Wohnzimmer in Pokalen widerspiegeln.

Mit 31 Jahren wechselte Günter Klefisch zur Deutschen Bundesbahn. Als Betriebsdienstbeamter in einem Stellwerk stellte er die Weichen und Signale – fast 25 Jahre lang bis 1995.

Nach der Heirat mit Margret Holtmann nutzte Günter Klefisch seine Freizeit, um in der Werkstatt seines Schwiegervaters Heinrich Holtmann an der Königstraße Fahrräder zu reparieren. So entwickelte er sich schrittweise zu einem perfekten Zweiradmechaniker: Wartung, Pflege und Reparatur von Rädern in der Werkstatt des 1923 gegründeten Unternehmens „Zweirad Holtmann“ wurden zu seiner Leidenschaft.

Den Grundstock für seine Sammlung lieferten die beiden Leezen seiner Schwiegereltern: ein Triumph-Herrenfahrrad von 1925 und ein Dürrkopp-Damenfahrrad aus dem Jahre 1935. Stolz ist Günter Klefisch auf seine zwei imposanten Hochräder. Eines davon ist als Leihgabe in der Stadttouristik an der Kapellenstraße ausgestellt. Wer Eindrücke bekommen möchte, wie diese Sammlung aussieht, bleibt am Schaufenster Klefisch an der Königstraße stehen und wirft einen Blick hinein. Alle ausgestellten Zweiräder wurden in den 1930er bis 1950er Jahren angefertigt und sind sehr gut erhalten beziehungsweise restaurieret worden. Günter Klefisch: „Sie sind alle unverkäuflich. Sie sind schwarz, unverwüstlich und kräftig gebaut.“ In seiner Kollektion befindet sich auch ein Fahrrad, mit dem Lasten transportiert wurden, etwa in der Landwirtschaft. Günter Klefisch erzählt: „Links und rechts am Vorderrad sind Halterungen für Milchkannen angebracht. Die Bäuerin brachte nach dem Melken die nummerierten „Milchdüppen“ zur nächsten Kreuzung, wo sie von Fuhrleuten abgeholt und zur nächsten Molkerei gebracht wurden.“

Gut erinnert sich Günter Klefisch noch an seine Kindheit: „Das Fahrrad hatte damals schon einen hohen Stellenwert. Es diente uns als fahrbarer Untersatz für das tägliche Leben, zur Arbeit, zur Schule und in der Freizeit.“

Die Sammlung zeigt historische Fahrräder und auch Zubehör wie Fahrradschellen mit individuellen Firmierungen, Schutzblechreiter als originelle Markenzeichen, künstlerisch gestaltete Firmenlogos mit unterschiedlichen Motiven, die über dem Vorderrad angebracht wurden, allerdings heute nicht mehr erlaubt sind.

Gesammelt hat Günter Klefisch auch Fahrradlampen mit und ohne Wechselschaltung, Fahrradnaben, Schlösser, Plakate und auch Ansichtskarten von Fahrradherstellern. Fahrradschellen und -schlösser gibt es in der Kollektion ebenfalls – mit zahlreichen Motiven. Dieses Zubehör wurde etwa in Telgte bei der Firma Winkhaus hergestellt. Auf eine Fahrradschelle ist Günter Klefisch besonders stolz: Sie ziert den Namen seines Schwiegervaters und Gründers des Fahrradgeschäftes: Heinrich Holtmann.

Die zehn Gebote des Radfahrens aus dem Jahre 1938 runden das Sammelwerk ab. Diese lassen sich auf heute fast komplett übertragen, etwa Gebot Nummer zehn: „Dein Fahrrad stets in verkehrssicherem Zustand halten.“

Die Geschichte des Fahrrades hat Günter Klefisch ebenso ausgestellt wie Fahrradbesitzkarten aus dem Jahr 1946, auf der zum Beispiel die Art des Rades anzugeben war. Darauf war vermerkt, ob es sich um ein Fahrrad für Herren, Damen, Lieferanten, Firmen/Geschäfte oder Invaliden handelte.

Günter Klefisch tüftelt viel an Fahrrädern herum. Auch heute noch: Ehrenamtlich repariert er defekte Räder für das Kinderheim in Münster-Handorf, für Hilfstransporte des Malteser-Hilfsdienstes nach Polen und in jüngster Zeit auch für Flüchtlinge in Telgte.

Und was passiert mit seiner Fahrrad-Oldtimersammlung? Die Stadt und auch das Museum Religio hatten kein Interesse bekundet. Günter Klefisch ist gewillt, diese Sammlung einem Museum zur Verfügung zu stellen: „Ich habe das Hamaland-Museum in Vreden gefunden. Es gilt als das größte kulturgeschichtliche Museum im Westmünsterland. Das Haus zeigt großes Interesse daran.“

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