Franz Winkels ist Prinz der KG „Schwarz-Gold“ Telgte
Ein charmant-sorgloses Leben

Telgte -

Franz Winkels ist nicht nur Präsident der KG „Schwarz-Gold“ Telgte, sondern auch deren Prinz. Im Interview stellte er sich den Fragen der WN-Redaktion.

Samstag, 08.12.2018, 12:00 Uhr aktualisiert: 09.12.2018, 18:23 Uhr
Prinz Franz III. von Feuerstelle und Suppenkelle freut sich auf die Session. Die beiden Namenszusätze spielen auf seine beiden beruflichen Standbeine als Kaminbauer und Gastronom an.
Prinz Franz III. von Feuerstelle und Suppenkelle freut sich auf die Session. Die beiden Namenszusätze spielen auf seine beiden beruflichen Standbeine als Kaminbauer und Gastronom an. Foto: Flockert

Franz Winkels ist nicht nur Präsident der KG „Schwarz-Gold“ Telgte. Der Bröcker wird die Karnevalisten auch als Prinz durch die Session 2018/19 führen. WN-Redakteur Stefan Flockert sprach mit dem 53-Jährigen über sein großes Hobby, seine Erwartungen an die nächsten Monate, aber auch über den Aufwand und die Zukunft des Karnevals in der Emsstadt.

Seit wann sind Sie mit dem Karnevalsvirus infiziert?

Franz Winkels: 20 Jahre fast genau. Peter Dräger hat mich da gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, als Ehrensenator mitzumachen. So bin ich beim ersten Herrenabend infiziert worden. Außerdem kam mein Opa aus Emmerich, der, als er alt war, mit nach Brock gezogen ist. Da war bei uns Karneval immer eine Woche lang Nationalfeiertagsfest. Da wurde geschmückt, gemacht und getan. Das war Ausnahmezustand. So bin ich damit groß geworden.

Warum wird man, wenn man doch schon Präsident ist, auch noch Prinz? Ist das für einen Selbstständigen nicht viel zu viel?

Winkels: Nein. Die Session wird schon im Sommer vorbereitet. Danach läuft alles. Ich habe immer schon den Prinzen und seinen Elferrat begleitet. Ich finde, das muss man. Während dieser Zeit muss man dem Prinzen den roten Teppich ausrollen. Dann hat ein Prinz auch Spaß. Ich habe ein tolles Team hinter mir und habe nichts zu tun, als da zu sein, zu lächeln und ein paar Worte zu sagen. Was ich nun mal kann, möchte ich sagen. Ich muss nicht mehr durchs Programm führen. So habe ich als Prinz keine Mehrarbeit, sondern ein charmantes Leben, bei dem ich sorglos mitlaufen darf. Jetzt kann ich mal richtig mitfeiern. Als Selbstständiger ist das sicher nicht immer einfach. Ich sage aber immer: Wenn die anderen Leute schlafen, gehen wir zum Feiern. Das ist wie mit Oliven. Man liebt sie, oder man hasst sie. So ist das mit Karneval auch. Die KG ist wie eine große Familie. Wenn jetzt jemand anrufen würde, er stünd’ auf den Champs-Elysées, wäre ich in sechs Stunden da und würd’ ihn abholen.

Ihre Familie steht voll dahinter?!

Winkels: Natürlich. Es war wichtig, dass, wenn wir das machen, meine Frau auch mit kann. Sie feiert auch gerne. Als Präsident bin ich oft allein unterwegs. Jetzt mit meiner Frau auf Tour zu sein, ist eine schöne familiäre Sache. Mit den Kindern hab’ ich das auch besprochen, denn sie arbeiten bei uns in der Gastwirtschaft mit – und die darf darunter nicht leiden.

Wie sieht das Ganze denn finanziell aus? Ist das Prinzsein nicht ein teurer Spaß? In Münster heißt es, müssten die Prinzen zu Sessionsbeginn fünfstellige Beträge bezahlen.

Winkels: Das ist in Telgte nicht so. Uns ist ganz schwer daran gelegen, dass der Karneval bezahlbar bleibt. Der Prinz muss bei uns nichts bezahlen. Außer vielleicht die Orden für die Damen. Finanziell ist das wirklich überschaubar. Wenn wir abends unterwegs sind, hat jeder seinen eigenen Deckel. Nicht mal 5000 Euro würde ich opfern wollen, um mich als Prinz darstellen zu dürfen. Der Karneval wird teilweise mit Geld kaputtgemacht.

Was erwarten Sie sich persönlich von der Session?

Winkels: Viel Freude, viel lachen. Vor allem den Menschen Freude bringen. In Altenheimen oder Schulen bringen wir immer etwas mit. Und sei es nur ein schöner Auftritt.

Was muss man als Prinz können?

Winkels: Einfach Spaß haben können. Man muss die Leute mitnehmen. Aber im Grunde muss man sich treu bleiben. Wir haben Prinzen gehabt, die sind rednerisch schwer gestartet. Aber die waren mit dem Herzen dabei. Das ist das, was zählt. Es zählt kein Geld. Es zählt keine Redegewandtheit – dafür ist der Präsident da. Es ist aber auch schön, wenn der Prinz ein bisschen reden kann. Dann ist es für den Präsidenten ein bisschen ruhiger. Am wichtigsten ist aber: Herz und Bauch müssen dabei sein. Und das sollte er nach außen durch sein Strahlen verkörpern. Man muss immer authentisch bleiben.

Finden Sie immer einen Prinzen?

Winkels: Nein. Wenn sie ein Jubiläum haben, finden sie sofort fünf. Wenn man kein Jubiläum hat, dann muss man dran arbeiten. Wir arbeiten jetzt schon an der nächsten Session. In der Session ist vor der Session. Aber wir haben noch was in petto. Deshalb sind wir auch noch entspannt.

Wollten Sie unbedingt der Prinz sein, der oben auf dem ersten eigenen Karnevalswagen steht?

Winkels: Nein. Das war mir gar nicht wichtig. Als wir den Prinzen ausgewählt hatten, wussten wir noch gar nicht, ob wir in Warendorf überhaupt im Ornat mitfahren durften. Das ist nun aber so. Mit dem eigenen Wagen wollten wir mit etwas Neuem auch junge Menschen mobilisieren. Vielleicht können einige oben drauf mitfahren. Oder in einer Fußgruppe mitlaufen. Das ist für uns dann auch der Auftakt für unser Jubiläum im kommenden Jahr. 2020 wird die KG 55 Jahre alt. Dann wollen wir mit einem Zug in Telgte etwas in Sachen Straßenkarneval machen. Der Zug soll dann nur alle drei bis fünf Jahre stattfinden. Wir werden das immer machen, wenn eine lange Session ist. Dann tritt man terminlich keinem auf die Füße. Das kriegen wir sonst auch gar nicht mehr dazwischen. Wir haben so schon 50 Termine.

Hat Karneval in Telgte Zukunft?

Winkels: Definitiv. Natürlich ist es schwer. Aber das ist überall im Vereinsleben. Gucken wir uns die Fußballvereine an. Die haben auch nicht Zulauf ohne Ende. Schwer ist es, die jungen Leute zu aktivieren, weil sie ein irres Programm haben. Sei es in Schule oder Studium. Sie sind nur auf Leistung fokussiert. Da bleibt nicht mehr viel Spielraum fürs Vereinsleben. Ich behaupte aber, das Vereinsleben wird in Zukunft wichtiger als je zuvor. Jeder Mensch braucht eine Heimat. Auch wenn man in der ganzen Welt rumfliegt. Durch die ganze Hektik wird auch viel Heimat genommen. Ein gutes Vereinsleben – wie wir es zum Beispiel hier in Brock haben – muss man pflegen. Und das ist unsere Aufgabe. Wir dürfen die Vergangenheit nicht vergessen, müssen aber auch die Zukunft nach vorne tragen. Man muss es vorleben. Wenn die Eltern etwas nicht vorleben, werde ihre Kinder es nicht tun. Ich bin sicher, Kinder sind im Verein am besten aufgehoben. Sie müssen sich einbringen und sich auch in eine Gruppe integrieren. Dass Kinder genau das lernen, dafür sind Vereine künftig da. Nicht nur wir, sondern alle Vereine. Wichtig ist auch, dass wir die Frauen dazu genommen haben. Sie waschen unsere Hemden, unsere Unterhosen – und feiern immer nur abseits von uns. Warum? Wir müssen uns davon lösen, dass die Frauen nur zum Kochen, Wäsche waschen und Kinder großziehen da sind. Aber das leben die jungen Familien heute ja zum großen Teil schon. Die Frauen machen heute ihren Job – zu 100 Prozent. Da muss es doch selbstverständlich sein, dass Frauen auch bei uns mitfeiern. Sie sind bei uns völlig gleichberechtigt. Das wird sich auch zeigen. Bald wird es auch mal eine Prinzessin geben.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6241558?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F106%2F191%2F
Bus-Crash im Berufsverkehr
Der Bus, der von Ahlen nach Warendorf unterwegs war, wurde im vorderen Bereich stark beschädigt. Die Feuerwehr musste größere Mengen auslaufender Betriebsstoffe abstreuen.
Nachrichten-Ticker