Kein Nachschub in Telgte zu erwarten
Grippeimpfstoff geht zur Neige

Telgte -

Wer sich in Telgte jetzt noch gegen Grippe impfen lassen möchte, der schaut wohl in die Röhre. Es gibt so gut wie keinen Impfstoff mehr. Und die Ärzte und Apotheker erwarten auch keinen Nachschub. Vereinzelt kann noch im Ausland geordert werden – allerdings kein Vierfachimpfstoff.

Mittwoch, 12.12.2018, 20:00 Uhr
Ein Patient, der sich jetzt noch gegen Grippe impfen lassen möchte, der guckt wohl in die Röhre. Arztpraxen und Apotheken kommen kaum noch an Impfstoff.
Ein Patient, der sich jetzt noch gegen Grippe impfen lassen möchte, der guckt wohl in die Röhre. Arztpraxen und Apotheken kommen kaum noch an Impfstoff. Foto: dpa

Schon im November kam aus vielen Bundesländer die Nachricht, dass der Grippeimpfstoff knapp geworden sei. Und das lange vor dem Höhepunkt der Grippesaison, der im Februar und März – „rund um Karneval “ – liege, wie Internist Dr. Jens Huber aus Telgte weiß, „weil viele Menschen auf engem Raum gemeinsam feiern.“ Auch in der Emsstadt werden Bürger, die jetzt planen, sich doch noch schnell impfen lassen möchten, wohl in die Röhre schauen. Dr. Huber hatte am Dienstag lediglich noch drei Dosen eingelagert. Patienten berichten, dass in anderen Praxen gar kein Serum mehr verfügbar sei. Verena Potthoff hatte in der Rathaus-Apotheke ebenfalls nicht mal mehr eine Impfdosis vorrätig.

„Der Vierfachimpfstoff ist gar nicht mehr zu bekommen. Bei dem Dreifachimpfstoff könnten wir in den internationalen Apotheken nachfragen“, sagt die Apothekerin. Und tatsächlich. In Österreich wäre an diesem Tag etwas zu holen. Aber eigentlich wollten die Menschen lieber die Vierfachvariante, schließlich biete dieser ein noch umfassenderen Schutz. „Aber dreifach ist besser als gar kein Impfstoff“, merkt dazu Dr. Jens Huber an.

Arzt und Apothekerin können sich kaum vorstellen, dass noch große Mengen des Vierfachimpfstoffes auf den Markt kommen. „Die Produktion dauert sechs Monate. Wenn jetzt begonnen wird, dann hätten wir ihn erst nach Ende der Grippesaison“, berichtet Huber. Er vermutet, dass wegen der extrem starken Grippewelle im Winter 2017/18 in diesem Jahr „eine größere Bereitschaft“ bestehe, sich impfen zu lassen. Deshalb sei der Impfstoff so früh vergriffen. Und das, obwohl für diesen Winter eine Million Dosen mehr produziert worden seien als im Vorjahr. Rund 15,7 Millionen Dosen sind laut Bundesgesundheitsministerium verfügbar.

Dr. Huber empfiehlt den Bürgern, in den kommenden Jahren frühzeitig bereits im Oktober oder November einen Impftermin zu vereinbaren. Er rät insbesondere den Menschen über 60, allen chronische Kranken wie zum Beispiel Asthmatikern, und Personen, die viele Personenkontakte haben wie zum Beispiel Lehrer und medizinisches Personal, sich impfen zu lassen. Bei jüngeren Menschen läge der Schutz bei 70 bis 80 Prozent, bei älteren immerhin noch bei 60 Prozent. Und wenn Geimpfte dann doch erkrankten, käme es zu eine abgeschwächten Krankheitsverlauf.

Der Vorteil, wenn viele geimpft seien, sei, dass sich die Krankheit nicht so stark ausbreiten könne. Huber spricht vom sogenannten „Herdenschutz“.

Und dass eine Vorsorge Sinn macht, zeigen Zahlen aus dem Vorjahr: Zwischen Dezember 2017 und April 2018 mussten in Deutschland laut „Spiegel Online“ etwa 60 000 Grippepatienten im Krankenhaus behandelt werden. Nachweislich seien 1665 Patienten an den Folgen der Infektion gestorben

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