Kälte statt Hitze zum Fest
Daunenjacke statt T-Shirt

Telgte -

Besuch aus Südafrika hat derzeit die Familie Mentrup aus Telgte. Marozelle van der Merwe, eine 17-jährige Schülerin, ist noch bis Neujahr in der Emsstadt zu Gast. Das Weihnachtsfest in Deutschland zu erleben, ist für sie etwas ganz Besonderes. Sie stammt nämlich aus einem Surfer-Ort.

Montag, 24.12.2018, 09:00 Uhr
Geschenke aus Südafrika hat Marozelle (l.) für Familie Mentrup mitgebracht, unter anderem T-Shirts und eine Nationalblume.
Geschenke aus Südafrika hat Marozelle (l.) für Familie Mentrup mitgebracht, unter anderem T-Shirts und eine Nationalblume. Foto: Große Hüttmann

Bei der Frage nach dem schönsten Erlebnis in den letzten Tagen wird Marozelle van der Merwe plötzlich ganz aufgeregt. „Zum Beispiel, dass ich zum ersten Mal in meinem Leben einen zugefrorenen See gesehen, einen Waldspaziergang und eine Schneeballschlacht gemacht habe“, sagt die 17-Jährige. Während sie das sagt, blättert sie im Fotoalbum ihres Handys. Hunderte Bilder hat die Südafrikanerin bislang von ihrem Aufenthalt in Deutschland gemacht. Vor allem die Kälte und der Schnee sowie die Natur haben es ihr dabei angetan, das wird bei einem Blick auf die verschiedenen Motive schnell deutlich.

Das ist kein Wunder, denn Marozelle würde in ihrer Heimat ein ganz anderes Weihnachtsfest erleben. Die 17-Jährige kommt aus Jeffreys Bay, eine der Surfer-Hochburgen weltweit. Und da in Südafrika gerade Sommer ist, kann es dort zu Weihnachten bis zu 40 Grad heiß werden.

Statt Daunenjacke und Mütze sind dort an den Festtagen im Normalfall T-Shirt und kurze Hose angesagt. „Wenn es bei uns überhaupt mal richtig kalt wird, dann zieht man sich ein Sweatshirt an, das reicht fast immer“, sagt die 17-Jährige und lacht dabei. Für ihren Aufenthalt in Deutschland hat sie daher in puncto Anziehsachen vorgesorgt, und ihre Gastmutter, Gabriele Mentrup , hat zusätzlich ein wenig den Kleiderschrank ihrer Töchter durchsucht, um noch das eine oder andere zusätzliche wärmende Stück zur Verfügung stellen zu können.

Nicht nur von den Temperaturen her wird Marozelle bei Familie Mentrup am Johannes-Kepler-Weg ein ganz anderes Weihnachtsfest erleben. Denn viele der deutschen Sitten und Gebräuche sind der Schülerin (noch) unbekannt. Ein Höhepunkt in den vergangenen Tagen war für sie der Ausflug in eine Schonung, um den Tannenbaum selbst zu schlagen. „Wir haben nur Exemplare aus Plastik, die jedes Jahr wieder aus der Kiste geholt werden“, erzählt sie, während sie stolz einige Bilder vom Tannenbaumschlagen zeigt. Auch das Singen von Weihnachtsliedern ist ihr unbekannt, und der „Weihnachtsmarkt“ in ihrer Heimatstadt sei keineswegs mit dem in Telgte zu vergleichen. Das Ganze sei eher eine Möglichkeit, verschiedene Speisen zu probieren.

Antonia (15 Jahre) und Paula (14) sowie der elfjährige Johannes freuen sich über den Gast aus Südafrika. Als ihre Mutter davon erzählte, dass eine Austauschorganisation einen Platz für ein etwa gleichaltriges Mädchen suchen würde, stimmten sie sofort begeistert zu. Bereits einmal war eine junge Französin in der Familie zu Gast. „Wir lernen gerade sehr viel über Südafrika“, erzählt etwa Antonia. Das haben übrigens auch ihre Mitschüler und andere Klassen am Schulzentrum getan. Denn sowohl am Gymnasium als auch an der Sekundarschule – dort ist Gabriele Mentrup als Lehrerin tätig – hat Marozelle Vorträge über ihre Heimat gehalten.

Bei einer Austauschorganisation hatte sich Marozelle van der Merwe für einen sechswöchigen Aufenthalt in Deutschland beworben. Vor allem die begeisterten Erzählungen eines Freundes, der in der Bundesrepublik zu Gast war, spielten dabei eine Rolle. Ein wenig vielleicht auch die Tatsache, dass sich familiäre Wurzeln in anderen Generationen bis nach Deutschland zurückverfolgen lassen. „Allerdings wurde bei uns zu Hause auch früher nie Deutsch gesprochen“, weiß die 17-Jährige. Daher beschränkt sich die Kommunikation auch mit ihrer Gastfamilie auf Englisch.

Die Südafrikanerin nimmt am Familienleben teil. Das bedeutete bis zu den Ferien auch, dass sie mit zur Schule ging. Auch dabei hat sie viele Unterschiede festgestellt. Der Gravierendste: „Bei uns sind die Schultage viel kürzer“, erzählt sie. Mittags sei Schluss, und auch bei der Fächerwahl habe man – ähnlich wie in den USA – deutlich mehr Wahlmöglichkeiten. Zwar gehören Afrikaans, Englisch, Mathematik und ein soziales Fach zum Standardprogramm eines jeden Schülers, darüber hinaus hat er aber die Wahl. Beim Sport beispielsweise hat sich Marozelle für Hockey entschieden, in Südafrika ähnlich beliebt wie in Deutschland Fußball. Obwohl die 17-Jährige an einem der Traumstrände eines jeden Surfers lebt, hält sie von dem Sport nicht viel. „Es gibt viele Haie bei uns“, sagt sie unter anderem.

Bis Neujahr bleibt die Südafrikanerin in Telgte, dann wird sie einige Tage lang die Schweiz besuchen, bevor es wieder zurück in die Heimat geht. Im Gepäck hat sie dann nicht nur warme Sachen, viele Fotos von ihren Erlebnissen und zahllose Erinnerungen, die sie wahrscheinlich ein Leben lang begleiten werden, sondern auch viele neue Adressen. Denn den Kontakt nach Telgte will sie halten.

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